Laufkolumne von Anne Mertens: Ich habe jedes einzelne Toffifee gemerkt...

Foto: Mertens

Halbmarathon zum Abschluss der Hammer Serie: Ein Lauf so knapp nach Weiberfastnacht ist ja nicht die beste Idee. Tags vorher hatte mein Mann noch Geburtstag und so kniff dann meine neue Laufhose; ich merkte jedes einzelne Toffifee!

Das meine Kolumne so genau gelesen wird, hätt ich nicht gedacht! Am Sonntag konnte ich mich vor netten Windschatten-Gentlemen nicht retten! Leider waren die meisten schneller und ich stand also wieder einsam gegen den Wind. Auf dem Hinweg ging es noch. Wieder bis zur ollen Schleuse. Auf dem Hinweg konnte man schon mal gegenüber am Kanal die ganz schnellen sehen und erahnen wie weit man da noch lang muss. Oh Graus! Bis hinten fast zum Jahnstadion.

Wendepunkt. Und wer sich auskennt, weiß, dass man eigentlich nur noch einen Kilometer bis zum Ziel hätte! Aber nö! Wir hatten da erst zehn weg und mussten den ganzen Weg wieder zurück. Diesmal hab ich mich sogar über den Kurpark gefreut, denn da war es nicht so windig.

Hab’ noch’n paar nette Rentner auf der Bank gegrüßt, bin ja freundlich. Und weiter ging es! Maurice, der mich bis da begleitet hatte, sagt bei Kilometer zwölf plötzlich: „Anne, ich zieh´ jetzt mal das Tempo an!“ Um mich herum die Herren schauten bedröppelt wie ich. Denn ich dachte ja, wir hätten das Tempo schon längst angezogen. Von der anderen Seite des Kanals, – also etwa drei Kilometer vor mir – winkt Vereinskollege Heiko wie wild und gröhlt „Hallo“ herüber! Meine Antwort darf ich nicht schreiben, das gibt sonst Ärger. Hab auch nicht zurückgewunken! War sauer, weil ich auf der falschen Seite war! Der Wind war echt fies. Und dann war ein kleines Stück Rückenwind, bevor man um eine Kurve lief. Da stand ein motivierendes Schild: Noch fünf Kilometer! Die Freude währte nur kurz, mit Erblicken des Schildes peitschte uns der Gegenwind wieder ins Gesicht! Also fehlte auf dem Schild wohl ein wichtiger Zusatz: „Noch fünf Kilometer Gegenwind, quälen sie sich sachte“.

Einer meiner Windschattenherren war Hendrik aus Münster, der wohl immer gerne hier mitliest! Hab mal schnell ´n Deal gemacht: Wenn er mir Windschatten gibt, werd ich ihn erwähnen! Also tu ich das aber echt nur ganz kurz, der Halunke ist nach zwei Kilometern abgedüst. Trainiert wohl anscheinend mit seiner Frau auf Münsters Einkaufsmeile ganz gut! Ich nutzte die nächste Gelegenheit: James von den Wasserfreunden Werne und so ein großer breiter Typ namens Arndt, endlich mal brauchbare Kerle! Ne andere hübsche blonde, Olli mit den Puschelohren und ich nutzten die Herren schamlos aus. Und sehen dann zu unser aller Entsetzen: Wir müssen eine Schleife laufen! Allgemeines Jaulen in der sonst lustige Truppe: Ja Leute, seid ihr denn meschugge? Wir wollen doch keine Schleife mehr laufen! Und dann die letzten drei Kilometer gegen den ollen Wind! Und drei können echt lang sein! Puhh!

Hoffe, es gibt da kein Foto von mir! Ich hab echt alle böse angesehen und im Kopf alle verkloppt! Die Gedanken sind zum Glück frei. Auch schön ist, wenn du noch einen harten letzten Kilometer hast und so ein nett grinsender Sebastian Nieberg sich schon mal locker flockig ausläuft. Frech! Und dann, im Stadion, zeigte mir der Thomas aus Rünthe was in ihm steckt und hat mich voll stehen lassen! Also gentleman-like ist das ja nun auch nicht! Dem Dieter Büter vom Veranstalterteam hab ich nachher auch mal gesagt, warum er den Wind denn nicht abgestellt hat. Er sei aber mit Verhindern des Regens beschäftigt gewesen, konterte dieser, und das habe er ja schließlich gut hingekriegt. An die Organisatoren: Ich freue mich, wenn die Baustelle weg ist und ich wieder 15 mal durch den Kurpark darf! Also: Ich komme wieder, keine Frage!

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (36) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (7), Fiete (5) und Oskar (3) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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