Laufkolumne von Anne Mertens: Echte Läufer weichen Pfützen nicht aus

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Anne Kaffeekanne. Mertens

Morgens hörte ich noch den Regen dröppeln und mit Halten des kleinem Fingers aus dem Fenster merkte ich: brrr, kalt! Also lange Laufklamotten an und dann ab zum Charitylauf nach Hamm-Heessen. Pünktlich, gerade als wir los gefahren sind, hörte es auf zu regnen.

Angekommen in Hamm kam sogar die Sonne raus. Etliche Läufer standen dann da mit Langarmshirts, Laufwesten oder noch schlimmer, mit Wollmützen. Auch ein paar männliche Läufer waren – ganz old school –in schicken kurzen Flattershorts auszumachen und brachten uns zum Schmunzeln.

Die Hosen sind sicher schon 50 Jahre alt, aber typisch Mann, was nicht kaputt ist, wird noch getragen, ob modern oder nicht. Nach einer kleine Testrunde durch den Wald flitzte ich, in Schweiß gebadet, noch schnell zum Auto. Gut, dass ich als Mutti immer für jede Situation gerüstet bin („Für alle Fälle Anne“) und Wechselklamotten für alle Lebenslagen immer zum Repertoire gehören. Zack, streifte ich Top und Shorts raus und stand so gut gelaunt zwischen den langarmigen Banditen im Startbereich.

Es war zwar diesmal nicht so voll wie im letzten Jahr, aber trotzdem wurde es eng auf der 6,6 Kilometer langen Strecke. Ich rannte los, traf Ringelpulli-Ingo nebst Kollegen Paul, die sich über die Herberneraner Fleischbeschau freuten. Was sie damit meinten, weiß ich nicht genau. Ich erahne es aber. Darum laufen die immer mit. Die ersten zwei Kilometer raste ich wie zu meinen besten Zeiten durch den matschigen Heessener Wald und wunderte mich, wie dreckig die Läufer denn vor mir aussahen.

Bis einer, der mich überholte, zu mir meinte: „Na, du siehst von hinten auch nicht besser aus!“ Oh ja, wir waren eingesaut. Durch den Regen kurz vorher war der Waldboden schön weich und matschig. Und echte Läufer rennen ja mitten durch die Pfützen und nicht drumherum.

Nach drei Kilometern war mein Akku dann leer gerannt. Na toll, ich ahnte schon, dass Ringelpulli-Ingo bald mit einem blöden Spruch hinter mir auflaufen würde. Und da kam er schon: „Na, was’n los?“ Meine Antwort war ein Schnaufen. Er begleitete dann die schnaubende Dampflok (also mich), bis zwei andere Läufer kamen und er die vollquatschte.

Na, Danke für Nichts. Er trug zwar nicht seinen schicken Ringelpulli, aber seine immer auf halb Acht sitzende Laufhose. Sicher auch schon alt die Buxe. Also Ingo, irgendwann zieh’ ich mal dran, wenn du mich wieder überholst und nicht wartest, und dann musste stehen bleiben. Ach, solche Gedanken bauen mich unterwegs ungemein auf. Gerade wenn die Laune eher schlecht wird. Als ich gerade überlegte, doch einfach mal ein Stück zu gehen um Luft zu holen, sah ich aus der Ferne Marvin und seine Streckenposten-Kollegen.

Mist, dachte ich, da kannste jetzt auch nicht walken. Die lachen dich ja aus. Also riss ich mich zusammen und war dann froh, als ich hinter der nächsten Kurve erkannte, dass die Strecke wohl nicht wie ausgeschrieben 6,6 Kilometer,sondern nur 5,6 lang war und ich somit schon auf der Zielgeraden war. Juhuu, was für ein Glück ich doch hatte. Nur fies, dass der Rückweg fast nur berghoch ging. Oder kam das wieder nur mir so vor?

Egal, es hat Spaß gemacht und für einen guten Zweck war es auch. Nächstes Jahr wieder.

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (37) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (8), Fiete (6) und Oskar (4) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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