Der Werner gewann vor zehn Jahren den Sachsenpokal

Lars Müller leistete einst Pionier-Arbeit bei RB Leipzig

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Lars Müller erhielt 2011 als Kapitän Glückwunsche für den Gewinn des Sachsenpokals - es war der erste Titel für RB Leipzig.

Werne – Heute Abend greift RB Leipzig erstmals nach dem DFB-Pokal, spielt im Berliner Olympiastadion das Finale gegen Bayern München – und das passend zum 10-jährigen Bestehen. Die erste offizielle Trophäe gewinnt „Rasenballsport“ aber schon im Jahr 2011. Mit einem Werner als Kapitän... 

Lars Müller. Der heute 43-Jährige ist einer der Pioniere in Sachsen. Er heuert im ersten Jahr des von Red Bull initiierten Aufbaus in Leipzig an, steigt mit dem Klub gleich in die Regionalliga auf und verabschiedet sich mit dem Gewinn des Sachsenpokals nach fast 400 Pflichtspielen für Vereine wie Borussia Dortmund, 1. FC Nürnberg oder FC Augsburg aus dem Profifußball.

 Bis zum Ende der Saison 2008/2009 spielt Müller als Kapitän verlässlich für Augsburg, muss aber dennoch gehen. „Relativ kurzfristig und unter etwas unglücklichen Umständen“, erinnert sich der frühere U21-Nationalspieler (neun Spiele, drei Tore). Beim „FC Arbeitslos“, so wird eine Initiative der Spielergewerkschaft VdV genannt, hält er sich fit und bekommt schnell über einen Berater das Angebot aus Sachsen.

 Schon am 3. August wird er vom damaligen Sportdirektor Joachim Krug als Neuzugang des Oberligisten vorgestellt. „Das war irgendwie folgerichtig. Mich hatten dort einige auf dem Schirm. Mit Hertzsch, Neuhaus und Kläsener habe ich in Augsburg zusammengespielt, mit Rosin bei Alemannia Aachen und den Physio kannte ich aus meiner Nürnberger Zeit. Außerdem wollte mich Perry Bräutigam vorher schon als Co-Trainer nach Rostock holen“, sagt Müller über sein damaliges Netzwerk. 

Sportlich läuft es für den Mittelfeldmann in der ersten Saison top. Schon am 25. Spieltag steht der Aufstieg in die Regionalliga fest. Müller: „Wir haben die Meisterschaft gefeiert und im Fernseher lief parallel der ESC mit Lena. So erinnert man sich.“ Die zweite Saison läuft weniger gut.

 „Da hätte bei den Vorplanungen einiges besser laufen können“, sagt er. Am Ende steht Platz vier in der Liga, aber auch das Sachsenpokal-Finale.

 Am 1. Juni 2011 empfangen die Leipziger den Chemnitzer FC zum Endspiel in der Arena. 16 000 Zuschauer sind dabei. „Für zwei Regionalligisten nicht schlecht“, sagt Müller, der sein Team als Kapitän auf das Feld führt und nach Zuspiel von Neuhaus das entscheidende Tor von Ingo Hertzsch vorbereitet. 

"So viel Hass habe ich selten erlebt"

„Da hat die Augsburg-Connection noch einmal zugeschlagen. Und natürlich war der Sieg verdient“, sagt Müller, für den es das Abschiedsspiel aus dem bezahlten Fußball ist. Für RB Leipzig absolviert er 62 Spiele, erzielt zwölf Tore. Die Stadt selbst hat der Werner sehr genossen: „Leipzig ist super, absolut. Auch das Drumherum bietet sehr viel“, sagt er. Wären da nicht die „Fans“ gewesen. 

Müller: „So viel Hass habe ich selten erlebt.“ Es ist schließlich ein umstrittenes Projekt, mit dem Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz Erstliga-Fußball in Leipzig installieren will – auf einem gut vorgeplanten Weg. „Es war klar, dass es in die Bundesliga geht, nur nicht genau, in welchem Zeitfenster“, sagt Lars Müller, und: „Die Anhänger von Sachsen und Lok haben das, vorsichtig ausgedrückt, anders gesehen.“ Während die neutralen Fußballfans – so Müller – „froh darüber waren, dass sich was tut und sie mit Familie ins Stadion gehen können, ohne eins auf die Mütze zu kriegen“, gehen die Anhänger der Traditionsvereine auf die Neuen los. 

„Aber“, sagt Müller, „man muss das so sehen. Wäre Red Bull nicht eingestiegen, gäbe es heute noch keinen Erstliga-Fußball in Leipzig.“ Für die Pioniere im RB-Trikot ist diese Zeit eine Zeit des Spießrutenlaufens – auch außerhalb Leipzigs: „Du bist zu jedem Auswärtsspiel nur mit Polizei gefahren. Ich erinnere mich an ein Spiel in Halle, da sind wir nach dem Frühstück spazieren gegangen – und die Polizei ist mitgelaufen, zusätzlich zu einer Handvoll Bodyguards, die uns Red Bull mitgegeben hat.“ 

Auf den Rängen habe man während des Spiels fast nur Grün und Weiß wahrgenommen – alles Polizei. Besonders heftig aber reagieren die Alt-Leipziger auf die Neuankömmlinge, wenn am Trainingsgelände mal wieder die Scheiben eingeschlagen sind und auf den Wänden Sprüche gesprüht stehen wie „Gehen oder sterben“ oder „Wir erschießen euch“. 

Das aber habe die Mannschaft zusammengeschweißt. „Man musste in der Zeit als Truppe funktionieren. Wir hatten ein gutes Klima und eine gute Mannschaft“, sagt Müller. Nicht zuletzt aus diesem Grund sei es nach zehn Jahren durchaus einmal an der Zeit, über die erste, nun ja, Traditionsmannschaft beim „Rasenballsport“ nachzudenken. „Wir hätten durchaus Bock drauf“, sagt der Werner, der einige ehemaligen Kollegen regelmäßig trifft, wenn er mit den Alt-Internationalen von Borussia Dortmund unterwegs ist. 

Lars Müller in Aktion

Vielleicht kümmert sich Ingo Hertzsch einmal darum, der in Leipzig hängen geblieben und heute für die „Roten Bullen“ im Fanbereich tätig ist. Auch Ex-Kollege Kläsener ist dort geblieben, aber die Kontakte direkt nach Leipzig sind schon lange nicht mehr intensiv. Immerhin hat Red Bull seine Pioniere 2017 zur Heimpremiere in der Champions League gegen den AS Monaco eingeladen. 

Keine Einladung zum Finale nach Berlin 

Beim DFB-Finale am Abend ist das erste Pokalsieger-Team der Vereinsgeschichte nicht live dabei. „Ich hatte das Spiel auch für dieses Wochenende gar nicht so auf dem Schirm“, sagt Lars Müller, der offen lässt, ob er sich das im TV anschauen wird: „Es gibt andere schöne Dinge, die man am Samstagabend machen kann.“ Außerdem kenne er bis auf Co-Trainer Robert Klauss keinen mehr aus dem aktuellen Team. „Letztlich“, sagt Müller, „sehe ich das nicht fanatisch, aber habe ich nichts dagegen, wenn Leipzig den ersten großen Titel holt.“ Sein Nachfolger mit der ersten Hand am Pott hieße: Willi Orban.

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