Kolumne von Anne Mertens: Happy Hardloop und Pommes mit Frikandel

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Auch während der Veranstaltung für einen Stopp zu haben: Anne Mertens mit zwei niederländischen Fans. 

Texel - Hup Hardloop! Das stand oft auf den Schildern beim Halbmarathon auf Texel am Sonntag. Das Besondere an dem Lauf ist nicht nur, dass ich die „Anfeuerungs-Schilder“ nicht im Vorbeilaufen übersetzen konnte oder ich mich kaum mit jemanden unterhalten konnte. Nein, das Highlight war der Start direkt von der Fähre.

Am Fähranleger in Den Helder waren Irrungen ohne Ende, aber die Holländer haben die Ruhe weg. Und als deutscher Hektiker, gerade auch oft zu beobachten bei Läufern, kann einen das schon mal wahnsinnig machen. Endlich angekommen, traf ich unter all den holländisch sprechenden Läufern auch einen, der mich verstehen konnte – was für ein Glück. André aus Neuss „kölschte“ zwar leicht, aber er kannte sich aus und verkürzte mir die Wartezeit bis zum Start. Dann ging es los. Rauf auf die Fähre. 

Eine Fähre nur für Läufer. Unten, wo sonst die Autos parken, liefen nun überall bunt gekleidete und aufgeregte Läufer wild umher. Und mittendrin eine Blasmusik-Kapelle. Mit Tuba, Trompete und Pauke richtig schön laut, sorgten sie für ein etwas anderes „Aufwärmen“. Durch den leeren Raum hallte es richtig laut und auch die stillsten Läufer gaben schließlich nach und schunkelten und hüpften mit den feiernden Holländern. Stimmung wie auf einem schönen dörflichen Schützenfest, nur ohne Tresen-Bier (Ein Belohnungsbier gab´s natürlich später.). 

Dann hielt die Fähre und des Schiffshorn ersetzte den Startschuss. Los ging es es direkt auf die 21 Kilometer Laufstrecke. Ich war noch nie auf Texel und konnte mir die Insel so in Ruhe erkunden. Testlauf für den nächsten Familienurlaub. Die ersten zehn Kilometer ging es über Waldwege und immer wieder durch süße, kleine Orte mit typisch schön und niedlich gebauten holländischen Häuschen. Unterwegs konnte man original holländische Marmelade und Honig kaufen. Leider wusste ich nicht wohin damit und musste sie links liegen lassen. 

Natürlich gehört bei so einem echten Insellauf auch ein Abschnitt am Strand dazu. Was uns Läufern allerdings alles abverlangte. Wo man sonst mit den Kids schön bequem auf einer Decke liegt, stapften wir nun durch knöchelhohen Sand oder liefen direkt am Meer, über knackende Muscheln, im matschigen Watt. Ich hab immer hin- und hergewechselt aber eigentlich war beides doof. Nach zwei Kilometern ging es ein steiles Stück am Deich wieder hoch, wo ich es den meisten Holländern gleich tat und hoch spazierte. Links und rechts feuerten uns Touristen scheinbar schadenfroh an, saßen sie doch bequem im Sand. Die letzten Kilometer ging es weiter durch Dünen, Wald und kleine Dörfchen mit netten Zuschauern an allen Ecken. Eine wirklich tolle Insel, so mein Fazit. 

Zieleinlauf war in Den Helder auf dem Marktplatz. Leider hab ich das ganze Geschrei des Moderators ins Mikrofon nicht verstanden. Unter uns, die holländische Sprache ist – sagen wir mal – auch nicht gerade die schönste. Aber Feiern konnten sie gut. „Yeah“ und „HepHep“ ist ja in jeder Sprache gleich. Zum Abschluss gab es natürlich Pommes mit Frikandel und oben drauf noch einen holländischen Schnaps als Belohnung. Am sommerlichen Strand von Texel konnte unser Läufertrüppchen noch einmal fein die Läuferseele baumeln lassen, bevor es zurück nach Hause ging.

Zur Person:

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (36) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (8), Fiete (6) und Oskar (4) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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