Nordkirchener verurteilt

Trotz Kinderporno-Urteil: Schiri pfeift in Werne

WERNE - Ein Schiedsrichter aus Nordkirchen hat am Freitag bei der 4. offenen Fußball-Stadtmeisterschaft in Werne den Wettkampf der A-Junioren gepfiffen, obwohl er am Vortag vom Amtsgericht Lüdinghausen wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material verurteilt worden war.

Der 50-Jährige hatte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung erhalten.

Der westfälische Fußball- und Leichtathletikverband (FLVW) war bereits am Tag der Verurteilung des Unparteiischen über den Fall unterrichtet worden. Denn Bernhard Bußmann, der stellvertretende Vorsitzende des Kreises Lüdinghausen und Vorsitzender des SuS Olfen, wohnte der Verhandlung als Privatperson bei und informierte per E-Mail den FLVW.

Der Verband wollte sich zwar „zeitnah kümmern“, wie Bußmann in einer Antwort erfuhr. Dies wird aber erst im nächsten Jahr sein, da die Verbandsgeschäftsstelle Weihnachtsferien hat.

Das Urteil gegen den bereits zum zweiten Mal wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material verurteilten Mann ist allerdings noch nicht rechtskräftig, bis zum 30. Dezember hat er Zeit, Einspruch einzulegen.

Dass der Verband kein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis für Schiedsrichter verlange, ist für Robert Heitmann, Vorsitzender des Fußballkreises Lüdinghausen, nicht nachvollziehbar. Dies ist in den Sportvereinen längst der Fall für Personen, die als Trainer und Übungsleiter mit Kindern in Kontakt kommen. Durch die Vorlage dieses Führungszeugnisses sollen Kinder und Jugendliche vor Sexualstraftätern geschützt werden. „Das ist zwar Sache des Verbandes. Und ob die Begründung reicht, dass Schiedsrichter mit Kinder und Jugendlichen nicht im engen Kontakt sind und sich nur im öffentlichen Raum sehen, weiß ich nicht. Es tut jedenfalls keinem weh, wenn er nicht zu verbergen hat, das Führungszeugnis zu beantragen und vorzulegen“, sagt Heitmann.

So ist der nicht rechtskräftig verurteilte Schiedsrichter nicht durch den Verband gesperrt. Hätte Bußmann gewusst, dass der Unparteiische für den Kreis Lüdinghausen pfeift, hätte er auch seine Vorstandskollegen direkt darüber informiert. „Wir hätten schnell einen Beschluss für eine Sperre herbei geführt“, sagt Bußmann.

Einen Schritt weiter ist schon der Fußballkreis-Vorsitzende Robert Heitmann gegangen. „Ich weiß zwar nicht hundertprozentig, ob er einem Verein im Kreis angehört. Aber ich habe unseren Kreisschiedsrichter-Obmann Martin Pier darauf hingewiesen, dass der Mann bei uns kein Spiel mehr pfeift“, stellt Heitmann unmissverständlich klar.

Auch Thomas Overmann vom Werner SC hätte Konsequenzen gezogen, wenn er gewusst hätte, dass der Unparteiische bei den Stadtmeisterschaften pfeift. „Wir hatten davon keine Kenntnis und können auch nichts zum Sachverhalt sagen. Das ist eine Sauerei, wenn man als Veranstalter nicht informiert wird. Der Verband wusste das. Vielleicht sollte man so ein Person erst einmal beurlauben, bis die Sache geklärt ist“, sagte der WSC-Fußballchef. - fraz

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