LippeBaskets-Trainer Henke im Interview

Kaderplanung als Herausforderung

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Christoph Henke

Werne - Nach zwei Jahren des harten Abstiegskampfes wollten die LippeBaskets Werne die Saison 18/19 in der 2. Basketball-Regionalliga deutlich entspannter beenden. Das hat geklappt. Am Ende stand sogar die Vizemeisterschaft hinter überragenden Wulfenern. Trainer Christoph Henke blickt im Gespräch mit Rainer Gudra noch einmal zurück, aber auch schon weit nach vorne.

Mit etwas Abstand zur vergangenen Saison: Was fällt Dir spontan ein? 

Christoph Henke: Man hat immer so Bilder im Kopf. Es ist immer toll, wenn die Halle sich füllt und die Leute unsere Spiele angucken wollen. Spontan fallen mir zwei Highlights ein, die Heimspiele gegen Wulfen und Bielefeld. Die Halle war super besucht, die Stimmung toll und wir waren in beiden Spielen erfolgreich. 

Mit vorsichtigem Optimismus hattest Du vor der Saison einen Platz unter den Top 5 angepeilt. Deine Erwartungen dürften weit übertroffen worden sein?

Henke:  Wir haben unsere Zielsetzung definitiv übertroffen. Es ist ein realistischer Ansatz, in einer so ausgeglichenen Liga den fünften Platz anzugreifen. Das zeichnete sich zum Jahreswechsel ja nicht einmal so ab. Mit fünf Siegen und vier Niederlagen waren wir da genau so nahe an Platz acht wie an Platz vier. Hinzu kommt, dass wir in den ersten beiden Jahren einen anderen Hintergrund hatten und mit zweimal Platz zehn die Liga nur knapp gehalten haben.

Die Verstärkungen mit dem kanadischen Spielmacher Jordan Rose sowie den Bochumern Leif Brüggendieck und Nils Rospek haben der Mannschaft sehr gut getan...

Henke: ...Ja, das sind drei Leute, die uns richtig viel Qualität gegeben haben in einer völlig neuen Ausgangslage. Es war ja eine ganz neue Situation, dass wir nicht mehr der Neuling und der Abstiegskandidat waren, sondern von einigen Leuten zu den besseren Teams der Liga gezählt wurden.

Das tolle Saisonfinale mit dem Sieg daheim gegen Meister Wulfen vor fast 700 Zuschauern – wie lange wirkt so etwas nach? 

Henke: Im Mai blickt man immer noch mit einem Auge zurück, aber auch mit einem nach vorne. Ab Juni schaut man nur noch nach vorne. Wir stellen uns da einer schwierigen Aufgabe, weil wir mit Platz zwei die Messlatte ganz schön hoch gelegt haben. Aber es ist schon so, dass Wulfen auf jeden Fall das Highlight-Spiel für uns war; eben deshalb, weil es eine besondere Konstellation hatte. Wulfen konnte Meister werden, wir lagen auf Platz zwei. Es gab tolle Aktionen der Wulfener Zuschauer und wir konnten uns für sie freuen. Für uns war das kein Verlust der Meisterschaft, sondern der Gewinn des zweiten Platzes.

Blick nach vorne: Nach dem Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Oberliga werden die Personalplanungen sicher nicht einfacher.

Henke: Sie werden sehr herausfordernd. Wir haben im Grunde zwei komplette Kader, die wir besetzen müssen. Wir hoffen in erster Linie darauf, dass wir die Leute halten können. Darüber hinaus ist klar, dass wir, nachdem wir uns mit der Ersten oben festgesetzt haben und mit der Zweiten aufgestiegen sind, Verstärkungen brauchen werden. Ich denke, dass die erfolgreiche letzte Saison uns dabei helfen wird. 

Du hast deinen Vertrag ja schon im Januar verlängert. Haben sich inzwischen weitere Personalien ergeben? 

Henke: Wir haben jetzt im Mai unseren ersten Trainingstag im Rahmen unserer sogenannten „Mayouts“ gehabt. Wir hoffen, dass der eine oder andere Spieler uns besuchen wird. Wir haben für positive Aufmerksamkeit gesorgt. Also, es sind deutlich mehr Anfragen von Spielern im Vergleich zu den ersten beiden Regionalliga-Jahren, die sich blicken lassen wollen. Es ist wichtig, dass wir früh dran sind und ich denke, dass wir das Gros der Spieler halten werden. Ansonsten hat es noch keine konkrete Verpflichtung gegeben. Das wird sich bis Ende Juni ergeben. Ich sehe schon, dass man, wenn man Zweiter wird, den Bedarf hat, kleine Veränderungen vorzunehmen, um nicht stehen zu bleiben. 

Mit Dortmund und Salzkotten kommen zwei Absteiger aus der 1. Regionalliga in eure Liga hinunter und mit Soest ein alter Bekannter herauf. Die Liga dürfte noch attraktiver und auch noch ausgeglichener werden. 

Henke: Es kommt ja auch noch Telgte-Wolbeck hoch, also sind dann vier erste Mannschaften dabei und keine Zweitvertretungen. Das führt zu einer größeren Ausgeglichenheit, weil es weniger Schwankungen an den Spieltagen durch Reserveteams geben wird. Ich habe insgesamt in den drei Spielzeiten in dieser Liga einen Anstieg an Qualität gesehen. Waltrop zum Beispiel hatte bis Hinrundenende einen Sieg, dann gewinnen sie sieben Spiele in Folge. Man sieht, welche Qualität auch Mannschaften haben, die ganz unten stehen. Dortmund gehörte immer zu den Top 3 in der Liga und mit Soest gibt es ein schönes Auswärtsspiel – am liebsten während der Allerheiligen-Kirmes, da sind unsere Chancen am größten. Auch Telgte mit Marc Schwanemeier ist ein starker Aufsteiger. Zu ihnen haben wir einen guten Kontakt und in den letzten Jahren immer Testspiele gegen sie ausgetragen. 

Wie sieht der Plan für die nächsten Monate aus? Ihr habt ja bis September keinen Ligabetrieb. Da ist eine lange Spanne zu überbrücken.

Henke:  Ja, das ist eigentlich eine viel zu lange Zeit ohne Wettkampf. Du hast im April die letzten Spiele und es geht im September erst wieder los. Ich bin ein Freund davon, im Juni wieder mit Teamtraining zu beginnen und bis zu den Sommerferien, etwa Mitte Juli, fortzusetzen. Im ersten Block wollen wir den Kader festzurren und eine Reihe von Testspielen machen, damit die Pause nicht zu groß wird. Es hat immer gut gepasst, dass wir das nicht nach hinten in den August geschoben haben, wo die Hauptvorbereitung läuft. Der Rahmenspielplan ist übrigens raus; Der erste Spieltag ist am 14. September.

Noch ein Blick auf den Nachwuchs, für den unter anderem die U18 in der Oberliga souverän die Meisterschaft gewonnen hat – mit Spielern, die schon in der Männer-Regionalliga zum Einsatz kommen. Siehst Du weitere Talente am Horizont?

Henke: Ja. Erst einmal freue ich mich, dass die Jungs die Meisterschaft geholt haben mit den Leistungsträgern Nils Brinkmann, Louis Barkowski und Niko Tilkiaridis, die auch in der Zweiten und Ersten gespielt haben und mit allen drei erfolgreich waren. Mit Lucas Dobijata haben wir jemanden, der für die Oberliga infrage kommt. Bei den U16-Junioren sehe ich Jannik Möller, der mit Münster noch das Finalturnier um die Deutsche Meisterschaft erreichen kann, und auch Finn Eckardt, der schon ein paar Einheiten bei uns mitgemacht hat am Ende der Saison. Ich denke, dass wir es immer wieder schaffen werden, Spieler aus dem Nachwuchs nach oben zu bringen. Wir werden Jannik und Finn früh dazu nehmen. Mal sehen, wie wir das im Training machen und sie langsam heranführen. Vor allem Cajus (Cramer) und Freddi (Meinert) werden es den Jungs leicht machen, in eine Mannschaftsstruktur hinein zu kommen, die über Jahre gewachsen ist.

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