Klaus Soth: „Mister TuRa“ tritt nach fast fünf Jahrzehnten ab

Nimmt nun selbst Abschied: Klaus Soth, hier bei der Verabschiedung von Alex Katsigiannis Foto: Wagner

BERGKAMEN -   Kein anderer hat den Handballclub des Turn- und Rasensportvereins Bergkamen in den vergangenen 48 Jahren so geprägt wie Klaus Soth.

Er ist seit mehr als einem halben Jahrhundert Mitglied, durchlief alle Stationen – sei es als Spieler, Trainer, Manager oder im Vorstand. Er stand in verantwortlichen Positionen bis hoch zur ersten Bundesliga und dem Club auch in dunkleren Stunden zur Seite. Am 24. September zieht sich Klaus Soth auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung aus dem Amt des ersten Vorsitzenden zurück.

Den ersten „Job“ beim HC TuRa übernahm er als 17-Jähriger – als Jugendsprecher. Dass Soth sich im Teenager-Alter für den Handballsport entschieden hat, war nicht unbedingt abzusehen. Er war auch talentierter Fußballer und Leichtathlet.

Das entscheidende Argument für den Handball kam Mitte der 1960er-Jahre, als Klaus Soth mit der A-Jugend den Westfalenmeistertitel im Feldhandball gewann. „Das war ein wirklich toller Erfolg und Anlass, mit dem Fußball und der Leichtathletik aufzuhören“, erinnert sich der 66-Jährige.

Diese Mannschaft legte auch den Grundstein für den Aufstieg des Hallenhandballs in Bergkamen. Neun dieser Jungs schafften den Sprung in die erste Mannschaft und legten – ergänzt um einige erfahrene Kräfte – den Grundstein für den rasanten Aufstieg der TuRaner zu einem der erfolgreichsten Vereine auch über die Region hinaus.

Spielmacher, Torjäger, Siebenmeter-Spezialist

Mit dem Bau der Friedrichsberghalle 1973 bekamen die Rot-Weißen ein neues sportliches Zuhause, Klaus Soth war in den 1970er-Jahren eine der entscheidenden Persönlichkeiten auf dem Feld. Es gelang der Aufstieg in die Oberliga und 1975 – gemeinsam mit lokalen Größen wie Wilfried Weigel, Karl Kampmann oder Fritz Osthaus – der Sprung in die Regionalliga, zu jener Zeit die zweithöchste Spielklasse. Soth war Spielmacher, Torjäger und Spezialist für Siebenmeter: „In einer Saison habe ich einmal nur einen einzigen Siebenmeter verworfen. Das war schon was Besonderes.“

Seine aktive Laufbahn beendete der Ur-TuRaner Ende der 1970er-Jahre. Soth wurde Spielertrainer, legte dann den Fokus auf Coaching und Teammanagement. Unter seiner Regie gelang der Aufstieg in die erste Bundesliga im Jahr 1983. Das Team bestand aus Eigengewächsen wie Lutz Dickmann, Ralf Weinberger, Robert Reininghaus, Jörg Hensel, Volker Weirich oder Rainer Quabs und namhaften Externen wie Gisbert Klinger, Uwe Laaser oder Conni Tudosie.

Für Klaus Soth war’s das Highlight in seinen 55 Jahren beim HC TuRa: „Unsere Halle war immer ausverkauft, auch das überregionale Interesse war groß. Es herrschte ein hervorragendes Gefüge im Team. Es gab eigentlich kein Wochenende, an dem wir nach den Spielen nicht noch zusammen etwas unternommen haben“, erinnert sich Soth, der aus beruflichen Gründen auf den Trainerposten in der 1. Liga verzichtete.

Auch wegen des nachhaltigen Engagements des „Zehnerkreises“, ein Sponsoren-Ring, der Aufstieg und prominente Transfers erst möglich machte, holte Soth als Manager den Weltmeister-Trainer Vlado Stenzel an den Friedrichsberg. Der aber blieb nur für 13 Partien, ehe nach der vorzeitigen Trennung Klaus Soth als Interimstrainer einsprang und wichtige Punkte zum Erstliga-Erhalt holte.

Auf Soth folgte Herbert Wittchen auf der Trainerbank. Unter ihm gelang das 14:7 gegen den mit Nationalspielern gespickten VfL Gummersbach – eines der legendärsten Resultate in der Bundesliga-Geschichte.

Bis 1985 hielt TuRa die Liga, dann setzte der sportliche Abstieg ein. Dieser endete 1988 mit der Zurückstufung in die Bezirksliga. Der Sponsorenring hatte sich nach mehr als einem Jahrzehnt großartiger Unterstützung zurückgezogen. Spitzensport war nicht mehr zu finanzieren.

Nach schwierigen Jahren gelang 1997 mit einer jungen Truppe – besetzt vornehmlich mit eigenen Jugendlichen – der Einzug in die Regionalliga. Zu dieser Zeit stand Soth der Vereinsführung um Karl-Friedrich Grotjahn und Manfred Turk beratend zur Seite und kümmerte sich um das Sponsorenmanagement.

In den Fokus rückte Soth wieder im Jahr 2007, als mitten in der Oberliga-Saison ein Trainer-Ersatz für den erkrankten Gisbert Klinger gesucht wurde. Auch jetzt sprang „Mister TuRa“ ein. „Auch das war noch mal eine tolle Zeit. Der Klassenerhalt war ein toller Erfolg für uns“, erinnert sich der einstige SPD-Fraktionsvorsitzende in Bergkamen und spätere GSW-Geschäftsführer. Sieben Jahre später, im Mai 2014, stieg der HC TuRa wieder in die Verbandsliga ab – mit Klaus Soth an der Spitze. Er hatte 2009 den Vorsitz übernommen.

Sein Rückzug aus dem ersten Glied in knapp zwei Wochen ist nicht unvorbereitet: „Schon vergangenes Jahr im November stand die Entscheidung fest,“ sagt Soth. Sie sei losgelöst von der Situation der ersten Mannschaft gefallen. Soth: „Abgesehen davon war das Jahr 2014 sportlich gesehen ja sehr erfolgreich für uns mit dem Klassenerhalt der Damen in der Oberliga und den Aufstiegen der zweiten Damen und Herren.“

Die Nachfolge ist geregelt: Mit Heinz-Georg Webers und Eduard Alexy werden zwei Wunschkandidaten die Verantwortung übernehmen. Schering-Betriebsrat Webers als Vorsitzender, Reservetrainer Alexy als Stellvertreter für den erkrankten Rainer Quabs. Soth will sein Engagement auf spezielle Tätigkeiten rund um das Sponsoring reduzieren.

Farbe der Hose darf keine Rolle spielen

Eine Vision aber bleibt ihm: „Ich sehe eine vernünftige und zukunftsorientierte Perspektive im Bereich der Leistungsspitze. Wir haben hier drei Vereine in Bergkamen, die ihre Kräfte bündeln könnten, ohne dass jeder sein Vereinsleben an sich aufgibt. Mir liegt der Handballsport am Herzen.“ Und da, sagt Soth, spiele eine rot-weiße, grün-weiße oder blau-weiße Hose nicht die entscheidende Rolle.

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