Overberger Bundesligisten

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Rudelbildung: Als der Aufstieg perfekt war, gab es für die A-Jugend-Handballer des HB Hamm kein Halten mehr.

HAMM/BERGKAMEN - Zu Saisonbeginn wurde Reinhard Zimmer von seinen Spielern noch als Märchenonkel belächelt. Die Qualifikation, so der Coach der A-Junioren der Spielgemeinschaft Handball Hamm, müsse sich seine Mannschaft wie die erste Reise zum Mond vorstellen.

Eigentlich unmöglich – aber machbar. Mit dabei sind sieben Spieler, die vor der Saison vom TuS Overberge zum ASV wechselten und damit ein Großteil des Teams stellen.

„Auch damals hat niemand geglaubt, dass das jemals geht“, sagt der Hammer Trainer, der das Team vor einem Jahr in der B-Jugend übernommen hatte.

„Und ich habe den Jungs anfangs gesagt, wir starten erst einmal eine Test-Rakete, um dann von Runde zu Runde unserem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Mit der Oberliga-Qualifikation waren wir auf dem Mond und die Rückkehr – das war der Aufstieg in die Bundesliga. Erst haben die Jungs mich vielleicht belächelt, aber dann haben sie das voll mitgetragen.“

Ein großes Maß an Geschlossenheit

Von der TuS Eintracht Overberge wechselten nach der Saison 2012/13 Torwart Marvin Makus sowie die sechs Feldspieler Florian Schöße, Lukas Noe, Jan Pretzewofsky, Till Stock, David Thiel und Kevin Saarbeck.

Der ehemalige Trainer der aus Bergkamen stammenden Talente, Mats-Yannik Roth, hat den weiteren Erfolgsweg mitverfolgt: „Die Jungs haben sich schon immer durch ein großes Maß an mannschaftliicher Geschlossenheit ausgezeichnet. Viele davon kennen sich ja auch schon, seit sie mit fünf oder sechs Jahren gemeinsam mit dem Handball beim TuS Overberge angefangen sind“, erklärt Roth.

Als das moderne Märchen wahr geworden war, gab es kein Halten mehr bei der Mannschaft. Freudetrunken purzelten Leitwolf Lucas Schittek und seine Mitspieler nach dem 28:24-Erfolg gegen den favorisierten Bergischen HC Solingen übereinander, und die spontane Siegesfeier ist schon jetzt ein Meilenstein in der jungen Geschichte der Spielgemeinschaft.

„Ein Elternteil hat alle spontan zu sich nach Hause eingeladen“, sagt Zimmer. „Und da haben wir dann noch richtig gefeiert.“ Schließlich war es erst das zweite Mal, dass eine Hammer Jugend-Mannschaft den Sprung ins deutsche Oberhaus geschafft hat.

Dass die aktuellen Hammer A-Junioren im Gründungsjahr der Spielgemeinschaft nun erneut im „Konzert der Großen“ mitspielen dürfen, darf hingegen als Überraschungs-Coup bezeichnet werden. „Weil die Jungs im Gegensatz zur Vorjahresmannschaft fast ausnahmslos dem Jungjahrgang der Spielklasse angehören“, erläutert Zimmer, der den Quali-Verlauf seiner Youngster als „sensationell“ bezeichnet.

„Wir hatten Gegenspieler, die durchweg ein Jahr älter waren als meine. Kontrahenten, die zum Teil schon Bundesliga-Erfahrung und auch körperliche Vorteile hatten. In den 21 Aufstiegsspielen haben wir dennoch 20 Mal gewonnen.“

Bei den Hammern trifft das nur auf Lucas Schittek zu, der vor zwei Jahren als B-Jugendlicher und einziger Akteur des jetzigen Kaders Bundesligaluft schnupperte und nun als Leistungsträger, Fels in der Deckung „und mein verlängerter Arm auf dem Feld“ (Zimmer) ist. Überhaupt war die Defensive für Zimmer das entscheidende Element in seinem Erfolgsplan.

Ein weiterer entscheidender Vorteil gegenüber der erfahrenen Konkurrenz sei der unglaubliche Zusammenhalt im Team gewesen, der sich mit jeder einzelnen Partie verstärkt habe. Und die Tatsache, dass die Spieler sich rasant weiter entwckelt haben. „Da hat sich ein Lukas Noe zu einer echten Führungspersönlichkeit entwickelt. Von Spiel zu Spiel hat er sich gesteigert, ähnlich wie Lucas Schittek. Insgesamt haben wir vielleicht keine überragenden Einzelakteure – aber jeder springt irgendwie ein, wenn es eng wird.“

Nur so ist auch zu erklären, dass das Team in Bergisch Gladbach zwei kraftraubende Partien ohne Pause in sengender Hitze gegen Oespel-Kley und Solingen erfolgreich absolvierte. Zu den Stützen der Mannschaft zählt Zimmer auch das Torhütergespann Marvin Makus und Leon Drevermann.

„Die beiden halten nicht nur richtig klasse, sie ergänzen sich auch auf ganzer Linie. Da freut sich jeder über die Leistung des anderen, was im übrigen auch auf meine gesamte Mannschaft zutrifft“, spricht Zimmer von einem Team, „das mir richtig ans Herz gewachsen ist“.

Drei Wochen Pause gönnt der Coach seiner Truppe, doch wie und wann er wieder ins Training einsteigen will, kann er noch gar nicht sagen. Dass die Saison in der Bundesliga noch schwerer werden dürfte steht für den 51-Jährigen allerdings fest.

Sollte HB Hamm in die Staffel Nord eingestuft werden, warten Traditionsvereine wie Kiel, Flensburg, Bremen und Hamburg – und entsprechend fällt das Ziel des Trainers sehr bescheiden aus: „Spontan würde ich sagen: Nicht Letzter werden. Aber insgeheim schreibt er schon wieder an einem neuen Märchen. - gp/güna/fraz

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