Auf dem Golfplatz Werne herrschte am Sonntag Hochbetrieb - nun ist auch hier Schluss

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Trainer Stefan Evers zeigt die richtige Schlägerhaltung – da muss man auch einmal näher beieinander stehen.

Werne – Angenehme 15 Grad, sonniges Wetter. Der Parkplatz ist komplett gefüllt. In Zeiten des Coronavirus kommt fast überall der Sport zum Erliegen. Aber noch nicht am Sonntag auf dem Golfplatz Werne an der Lippe...

Denn insgesamt gingen weit mehr als Hundert Personen am Sonntag ihrem Hobby auf der Anlage am Kerstingweg nach. Auf der Driving Range erklärt der Trainer Stefan Evers einer Frau und einem Mann geduldig die Aushol-Übungen und Abschlag-Techniken. Daneben stehen etwa zehn weitere Personen, die versuchen, die kleinen Bälle mit ihren Schlägern zielgenau so weit wie möglich zu befördern.

 „So wie ich das sehe, ist Golf der perfekte Sport zurzeit. Man hat keinen Körperkontakt, einen gewissen Abstand zu seinen Mitspielern und man ist draußen. Dazu stärkt man sein Immunsystem und ist an der frischen Luft“, sagt Evers.

 Evers wird am Ende des Tages fünf Stunden lang insgesamt zwölf Anfänger oder Fortgerschritten unterrichten haben. Obwohl der Deutsche Golf-Verband (DGV) bis zum Sonntag gerade nicht davon abriet, Golf zu spielen, ist eine gewisse Nervosität zu spüren.  Am späten Sonntagnachmittag ist diese Entscheidung des DGV dann auch hinfällig.

 Denn die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen entschied, dass durch den Erlass des Gesundheitsministeriums alle Freizeit-, Sport-, Unterhaltungs- und Bildungsangebote im Land eingestellt werden, wie die Staatskanzlei mitteilte. 

Als ich mit drei Frauen aus der Wintergolfgruppe ins Gespräch komme, sind diese zunächst sehr offen, dann kommen auch ihnen erste Zweifel, ob sie in der Öffentlichkeit zitiert werden wollen, um dann doch offensiv mit dem Thema umzugehen. „Wir halten ja Abstand und sind an der frischen Luft“, berichtet Heike, die ihren Nachnamen aber nicht nennen will. 

Diese Gruppe gibt es seit 20 Jahren in wechselnder Besetzung und umfasst im Kern 14 Frauen. „Wir spielen alle 14 Tage und auch bei Regen und Matsch“, berichtet Heike weiter. „Es schon so etwas wie eine Sucht“, erklärt eine Mitgolferin. 

Golfclub Werne trotzte dem Coronavirus

Dass der Platz in Werne wetterfest ist, ist vermutlich auch ein Grund für den regen Betrieb. Denn die benachbarten Anlagen in Nordkirchen und Herbern sind nach den ausgiebigen Regenfällen der vergangenen Tage nicht geöffnet. 

„Die Bahnen sieben bis 15 sind sehr gut bespielbar, die Bahnen ab vier immerhin noch gut“, sagt Gilbert Barkowski, der zusammen mit seiner achtköpfigen Mannschaft der Herren 50 des Vereins am Sonntag auf der Anlage trainiert. Auch das gute Wetter am Sonntag führt dazu, dass sich viele Spieler aufgemacht haben, um auf dem Golfplatz ihrem Hobby nachzugehen. 

Gastspieler aus Hamburg und Frechen

Und es kommen nicht nur Spieler aus Werne und Umgebung. Die Auto-Kennzeichen wie HH zeigen an, dass Personen auch aus dem hohen Norden und der Hansestadt Hamburg Bälle schlagen. Dieser gehört dem Golfclub Oberalster an.

Komplett mit Autos besetzt war der Parkplatz am Kerstingweg.

 Aus Frechen bei Köln ist Johannes Thüring mit seiner Freundin Kerstin angereist. „Ich bin aber hier, weil wir meine Eltern in Bergkamen besuchen und so nutze ich das Angebot hier“, sagt er. Dass die Anlage so voll ist, „das hat mich schon überrascht“, sagt Thüring. Er meint aber auch, dass der Abstand zu den Mitspielern und auch draußen groß genug sei. „Da trifft man im Lidl mehr Leute“, stellt es sich zum Vergleich Situationen an der Supermarktkasse vor. 

Es ist das dritte Mal, dass er auf dem Golfplatz in Werne spielt. Im Büro stellt den beiden Bürokraft Ulla Hüttemann die Karten für die Gastgolfer aus. „Eine Voraussetzung um hier zu spielen ist, dass man Mitglied in einem anderen Verein ist“, erklärt sie. Die Gastgolfer-Gebühr – das sogenannte Green Fee – beträgt 20 Euro pro Person und pro Tag. 

„Wie sich das mit dem Virus entwickelt, kann ich nicht sagen. Im Moment haben wir offen und alles andere ergibt sich“, sagt Hüttemann angesichts der sich ständig verschärfenden Sicherheitsvorkehrungen – zu diesem Zeitpunkt wusste sie natürlich noch nicht, dass der Spielbetrieb auf der Golfanlage auch ab sofort ruhen muss. 

Viel Betrieb herrschte auch auf der Driving Range.

Der offizielle Saisonauftakt am Sonntag, 5. April, wird auch nicht zu halten sein. Denn nach dem höchstdotierten Golfturnier der Welt, der Players Championship in den Vereinigten Staaten am vergangenen Wochenende, ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus nun auch schon das traditionsreiche Masters-Turnier in Augusta abgesagt worden. „Ich glaube, dass wir Turniere erst wieder am Juni oder Juli spielen können“, meint Barkowski.

 Der 55-Jährige geht auch davon aus, dass die Mannschaftssaison nicht unbedingt ausgetragen wird. „Wenn doch, dann wollen wir oben mitspielen“, erklärt Barkowski. Er und seine Herren 50 spielen in der viert-höchsten Liga. Dazu stellt der Golfplatz Werne an der Lippe noch jeweils ein Damen-und ein Herrenteam sowie eine Mannschaft in der Altersklasse 65. 

Mannschaftsfahrt nach Agadir abgesagt

Die „Fünfziger“ wollten am 28. März für eine Woche ins Trainingslager ins marokkanische Agadir – das haben sie bereits abgesagt. Bevor sich Barkowski ins Café auf der Anlage aufmacht, dass ebenfalls noch gut besucht ist und mit vielen Tischen besetzt, erklärt er noch, dass auf das Hände schütteln natürlich verzichtet wird. „Wir machen den japanischen Gruß“, und führt vor, wie sich stattdessen zwei Schienbeine berühren...

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