Wird der Fußballkreis Lüdinghausen aufgelöst?

Robert Heitmann

NORDKIRCHEN - "Zukunft des Kreises 21" stand auf der Tagesordnung beim Staffeltag des Fußballkreises Lüdinghausen. Energisch, mit fester Stimme und schnellen Worten, trug Robert Heitmann am Dienstagabend die Vorstellungen des Kreisvorstands vor.

Die ersten spontanen Reaktionen, als der Kreisvorsitzende mit seinen Ausführungen fertig war? Es gab keine. Im Saal des "Plettenberger Hofs" in Nordkirchen herrschte Stille. Betretenes Schweigen. Was Heitmann da gerade gesagt hatte, dürfte wahrscheinlich nichts weniger bedeuten als das Ende des kleinsten Kreises im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW).

Auf die gravierenden Probleme im Kreis reagiert der Vorstand mit einem überraschenden und vermutlich folgenschweren Beschluss. Die 19 Vereine sollen sich bis zum 15. November entscheiden, in welchem Kreis sie in den nächsten Jahren spielen wollen. Der FLVW habe signalisiert, dass den Wünschen wechselwilliger Vereine entsprochen werde, wie Heitmann versicherte. Der Kreis Lüdinghausen werde wohl schon ab 2015 keinen Spielbetrieb mehr aufrechterhalten können und 2016 auf dem Verbandstag abgewickelt, erläuterte der Vorsitzende.

Der Grund: Mit Westfalia Wethmar im vorigen Jahr und aktuell Fortuna Seppenrade haben bereits zwei große Vereine den Kreis Lüdinghausen verlassen. Auch der VfL Senden liebäugelt mit einem Abgang in den Kreis Münster/Warendorf zur Saison 2015/16. In der Kreisliga C der Männer und in einigen Jugendklassen ist die Zahl der Mannschaften alarmierend klein geworden. "Ich hänge sehr am Kreis Lüdinghausen", betonte Heitmann. "Aber wir wollten jetzt nicht mehr nur reagieren, deshalb haben wir uns zu diesem Beschluss durchgerungen. Jetzt haben die Vereine noch die Freiheit des Handelns."

Als die Vereinsvertreter die neue Entwicklung verarbeitet hatten, regte sich sofort Widerstand gegen die Pläne des Kreisvorstands. Große Klubs wie der SV Herbern, Union Lüdinghausen und der Werner SC wollen den Kreis Lüdinghausen mit aller Macht erhalten. Heitmann bezweifelt, dass das gelingt. Er sagte: "Wir können die Auflösung des Kreises nur zeitweise aufhalten, aber ganz sicher nicht verhindern. Jetzt können die Vereine noch selbst entscheiden, wohin sie gehen. Andernfalls wird es ihnen vielleicht irgendwann vorgegeben." Sollten sich Vereine jetzt nur für eine Saison fest an den Kreis Lüdinghausen binden, würde das nichts bringen. "Dann sitzen wir in einem Jahr wieder hier", meinte er. Robert Heitmann will auf Druck der Klubvertreter nun einen Termin (voraussichtlich Ende August) mit allen Vereins- und Jugendvorständen vereinbaren, um den Beschluss des Kreisvorstands zu diskutieren. Optimismus versprüht er nicht mehr. "Haben wir nur ein oder zwei Abweichler, müssen wir das Ganze so durchziehen, wie wir es vorgeschlagen haben." - red

Werner Heitmann (Herbern): "Wir kämpfen weiter für den Erhalt"

"Es ist traurig, aber ich glaube, dass beim VfL Senden die Entscheidung schon gefallen ist - für einen Wechsel", glaubt SVH-Vorsitzender Werner Heitmann, der aber trotzdem seinen Kampf um den Erhalt des Mini-Kreises noch nicht aufgeben will: "Wenn die wechselwilligen Klubs meinen, es geht um die Fahrten und weiten Wege, dann müssen sie mir mal erklären, dass das in andere Kreises besser wird. Wir kämpfen weiter für den Erhalt."

Heitmann gehe es dabei vor allem um die Jugendlichen und Kinder des SVH: "Wenn jetzt für die Mini-Kicker die Spielfeste in Stockum, Ascheberg oder Davensberg stattfinden, ist das für alle näher als etwa in Bausenhagen. Sollte es zu einer Auflösung kommen, würde ich persönlich unseren angestammten politischen Kreis Coesfeld (der arbeitet als Fußballkreis mit dem Kreis Ahaus zusammen, Anm. d. Red.) eher nicht als Favoriten sehen, sondern Münster/Warendorf mit den Vereinen Drensteinfurt, Rinkerode oder auch Hiltrup. Aber das sind nur Gedankenspiele von mir, dazu müsste es natürlich einen Vorstandsbeschluss geben."

Thomas Overmann (WSC): "Hochgegangen wie eine Rakete"

Überhaupt nichts von einer möglichen Kreisauflösung hält Thomas Overmann, der Vorsitzende der Fußballabteilung des Werner SC: "Ich bin hochgegangen wie eine Rakete, als ich den Vorschlag von Robert Heitmann (Kreisvorsitzender, Anm. d. Red.) gehört habe. Aber ich frage mich: 'Ist da überhaupt satzungskonform.' Wir müssen prüfen, ob das rechtlich in Ordnung ist, dass der Kreisvorstand unabhängig von den Vereinen so etwas entscheiden darf."

Der Werner SC habe zuletzt klar Flagge bekannt für den Kreis LH. Deshalb bemängelt Overmann auch, dass man nicht wirklich nach Lösungsvorschlägen zum Erhalt gesucht habe: "Man kann es doch auch wie bei den Mädchen machen, da spielen der Kreis Lüdinghausen und der Kreis Unna/Hamm zusammen. In den Altersklassen, in denen kein eigener Spielbetrieb sinnvoll möglich ist, könnte man entsprechend mit anderen Kreises zusammenarbeiten."

In den jüngsten Spielklassen stellt sich für Overmann diese Frage aber überhaupt nicht: "Da läuft es doch gut. Ich frage mich aber, warum Vorstandsmitglieder im Vorfeld in Interviews sagen, der Vorstand kämpft um den Kreiserhalt, um dann beim Staffeltag von einem mögliches Aus zu sprechen." Deshalb findet Overmann klare Worte in Richtung der Verantwortlichen: "Und statt mit saftigen Ordnungsgeldern auch schon E-Jugendliche zu bestrafen, könnte es doch stattdessen Förderungen geben. Und warum hat man in der Vergangenheit nicht gesagt: 'Wie kriege ich ein, zwei größere Vereine aus anderen Kreisen hierher?' Ich fühle mich jedenfalls sportlich nicht fair behandelt."

Harald Wohlfarth, Vorsitzender Eintracht Werne

"Mein Eindruck, den ich am Dienstag gewonnen habe, ist: 'Die Entscheidung ist gefallen.' Wir haben vorgeschlagen, dass alle Vereine außerordentliche Mitgliederversammlungen einberufen sollen, um sich ein Meinungsbild von ihren Mitgliedern abzuholen. Aber das wurde abgeschmettert. Und auch die Aussage, dass Vereine, die in den Kreis Lüdinghausen wechseln wollen, keine Genemigung vom Verband bekommen würden, spricht diesbezüglich Bände.

Josef Holtrup, Fußballchef des SV Stockum

"Da das Thema auf der Tagesordnung war, kam das auch für mich nicht ganz überraschend. Seitdem vor drei Jahren der Verband eine Strukturreform in Angriff genommen hat, war das irgendwie ein schleichender Prozess. Was am Dienstagabend passiert ist, war die logische Konsequenz. Einige Vereine halten sich nicht mehr an früher getroffene Aussagen. Aber es gibt auch sportliche Gründe. Für die Jugend sollte es die bestmögliche Ausbildung geben. Und die kann man nicht bieten, wenn man keinen Wettbewerb hat. Ich weiß, dass einige Vorstandskollegen nicht abgeneigt sind, über die Lippe in den Kreis Unna/Hamm zu fahren. Uns ergeht es bei einer Kreisauflösung am besten, auch wenn wir solidarisch sind. Dann heißt es nicht mehr Südkirchen oder Senden, sondern Herringen und Bockum-Hövel. Wir sehen das aber ganz gelassen."

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