Ein Spitzenspiel der 3. Liga mit spezieller Werner Note

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Ist in Karlsruhe angekommen: Der Werner Fußballprofi Marvin Pourié (rechts). Nun trifft er mit dem KSC auf Kurtulus Öztürk und Preußen Münster. 

Werne - In der Baustelle des Wildparkstadions steigt am Samstag nicht nur das Spitzenspiel in der 3. Bundesliga – es ist auch das Duell zwischen dem Werner Angreifer Marvin Pourié vom Tabellenzweiten Karlsruher SC und dem aus Werne stammenden Co-Trainer Kurtulus Öztürk von Preußen Münster.

Münster fiel zuletzt durch eine 1:2-Heimniederlage gegen Halleschen FC auf den sechsten Platz zurück, der frühere Europapokal-Teilnehmer Karlsruhe rückte durch einen 2:1-Sieg am 17. Spieltag bei der SG Sonnenhof Großaspach auf Platz zwei mit 32 Zählern hinter Spitzenreiter VfL Osnabrück vor. 

Blickpunkt Marvin Pourié

„Unter den ersten Sechs ist es richtig eng. Wir wollen schön auf den Boden bleiben und müssen weiter versuchen, konstant zu punkten“, sagt der 27-jährige Angreifer Marvin Pourié aus Werne, der in den jüngsten vier Partien immer getroffen hat und sein Konto auf neun Saisontore ausgebaut hat – damit liegt er mittlerweile auf dem zweiten Platz der Torjägerliste. 

Beide Teams trennen derzeit drei Punkte und das bestärkt Pourié auch in der Annahme, dass der Kampf um die Aufstiegsplätze bis zum Ende spannend sein wird. „Es wird keinen Durchmarsch geben wie in der vergangenen Saison von Magdeburg und Paderborn. Die Liga ist in der gesamten Breite viel stärker“, hat der Werner Angreifer, der mit dem dänischen FC Kopenhagen bereits in der Champions League gegen Real Madrid, Juventus Turin und Bayer Leverkusen spielte, erkannt. 

Seine persönliche Leistung sieht Pourié durchaus selbstkritisch: „Ich habe aber auch viele Chancen liegen gelassen. Ich bin froh, dass ich im Moment mit meinen Toren dazu beitrage, dass wir so gut dastehen.“ „Aber ohne die Mannschaft oder meinen Sturmpartner Toni Fink würde ich nicht so viele Tore schießen können. Ich sehe aber bei mir und bei der Mannschaft noch Luft nach oben“, sagt Pourié. 

Das sei auch dem Umbruch im Sommer nach dem Scheitern in der Aufstiegsrelegation zur 2. Bundesliga gegen Erzgebirge Aue, wie etwa mit dem Abgang von Top-Torjäger Schleusener „und vielen anderen, die das Spiel geprägt haben“, geschuldet. „Wir sind eigentlich immer noch in der Findungsphase. Wir werden uns nach der Wintervorbereitung weiter gefestigt haben“, sieht Pourié noch Luft nach oben. Bis dahin heißt es, so viele Punkte wie möglich zu sammeln – und mit Münster einen Verfolger zu distanzieren. 

„Das wird schwer. Das ist spielerisch eine der stärksten Mannschaften, die auch auswärts das Spiel machen will, dazu sind sie in den Umschaltsituationen richtig gut“, lobt Pourié das von Marco Antwerpen und seinem „Co“ Öztürk trainierte Preußen-Team. Von dem zweiten Werner in der 3. Liga hat frühere U18-Nationalspieler eine hohe Meinung: „Es ist schön, dass Kutte in der 3. Liga trainiert. Er bringt viel Erfahrung mit.“

Blickpunkt Kurtulus Öztürk

„Natürlich verfolge ich das, was Marvin so macht, aber ich verfolge die gesamte 3. Liga sehr aufmerksam. Der nächste Gegner wird dabei immer erst interessant, wenn das Spiel unmittelbar bevorsteht – so wie jetzt Karlsruhe“, sagt Kurtulus Öztürk, Co-Trainer des SC Preußen Münster, vor dem Aufeinandertreffen mit Marvin Pouriès KSC an diesem Samstag.

„Ich freue mich für ihn, dass er so gut Fuß gefasst hat beim KSC“, sagt der 38-jährige Ex-Profi, der in der türkischen Superliga unter Joachim Löw bei Adanaspor gespielt hat. Schließlich kennt er Marvin, inzwischen 27 Jahre alt, seit dessen Kinder- und Jugendzeit, in der er im Jahnstadion oder auf dem Bolzplatz nebenan gekickt hat. „Man kennt sich, man herzt sich, wenn man sich sieht“, sagt der Meistertrainer des Werner SC in der Saison 16/17. Solche Treffen sind allerdings selten. „Wir haben uns tatsächlich das letzte Mal beim Rückspiel letztes Jahr gesehen“, sagt Öztürk. 

Allerdings sei Marvin Pourié nicht der Einzige, den Öztürk herzen wird. Es gibt mehrere gute Bekannte aus Westfalen im Team des Karlsruher SC: Mit dem Dortmunder Daniel Gordon spielte er gemeinsam beim BVB, mit dem Münsteraner Marc Lorenz bei den Preußen. „Und die Familie von Burak Camoglu kenne ich auch ein wenig“, sagt Öztürk. Der Mittelfeldmann des KSC ist gebürtiger Kamener. 

Kurtulus Öztürk (rechts) an der Seite von Marco Antwerpen, noch in Diensten von Viktoria Köln. 

Einen Ergebnistipp für das Spitzenspiel des Zweiten gegen den Sechsten im Wildpark mag Kurtulus Öztürk nicht abgeben: „Ich habe das immer schon so gehalten und nie ein Ergebnis für meine Mannschaft getippt. Aber wir spielen auf drei Punkte, das steht fest.“ Aus der jüngsten Niederlage im Verfolgerduell daheim gegen den Halleschen FC, bei dem die Preußen die erste Halbzeit komplett verschliefen, habe man die Lehren gezogen, sagt Öztürk. 

Trotz dieser kleinen Rückschläge, wie zum Beispiel auch in Großaspach, sei deutlich zu merken, dass es eine positive Entwicklung gebe im sportlichen Bereich. „Es ist eine Herausforderung für alle. Wir sind auf einem guten Weg, aber mit Luft nach oben“, sagt Öztürk. Er und sein Chef Marco Antwerpen gelten als akribische Arbeiter auch im kleinsten Detail und haben – trotz des personellen Aderlasses im Sommer – aus den Preußen ein Spitzenteam gemacht, das nach zuvor zähen Jahren aktuell tatsächlich zu den Aufstiegskandidaten gehört. 

„Wir kennen die Stadt, wir kennen das Umfeld, wir kennen die Fans – das macht es sicher leichter“, sagt Öztürk, der Werner, der mit dem gebürtigen Unnaer Antwerpen (ebenfalls Ex-Preuße) fast genau vor einem Jahr, am 12. Dezember, an der Hammer Straße die Arbeit aufgenommen hat. „Es ist ein Bonus für uns. Schon vor unserer ersten gemeinsamen Tätigkeit bei Viktoria Köln habe ich zu Marco gesagt: Irgendwann müssen wir zusammen mal Münster machen“, sagt Öztürk, der die aktuelle Station auch sehr wichtig für seine persönliche Entwicklung ansieht, denn: „Man lernt nie aus und auch wir als Trainer entwickeln uns ja weiter. Ich jedenfalls bin, wie Marco, mit großer Leidenschaft dabei.“ 

Es sei auf jeden Fall super, für Münster zu arbeiten, sagt Öztürk, und: „Es ist gut so, wie es gerade läuft.“ Denn in der Domstadt regt sich Hoffnung, dass es nicht nur sportlich eine Perspektive gibt: Es ist Bewegung in die Stadiondiskussion gekommen; gut 40 Millionen Euro werden für den Ausbau an der Hammer Straße in Aussicht gestellt. Eine Großbaustelle haben die Preußen zunächst in dieser Saison abzuarbeiten: 13 Spielerverträge laufen aus, zusätzlich auch die von Antwerpen und Öztürk. „Wir machen unsere Arbeit, der Verein wird zu gegebener Zeit auf uns zukommen und sich äußern“, sagt Öztürk, und: „Karlsruhe, dann die Heimspiele gegen Zwickau und Köln vor der Winterpause, das ist das, was für uns zählt. Danach sehen wir weiter...“

Das Spiel wird übrigens nicht in einem der dritten TV-Programme live übertragen, obwohl der Zweite den Sechsten empfängt. Der WDR setzt auf Fortuna Köln (16.) gegen 1860 München (9.), der SWR auf Kaiserslautern (12.) gegen Würzburg (10.).

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