Björn Christ: Mit 40 kein „altes Eisen“

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Kompromisslos und eisenhart, aber immer fair: Björn Christ (obenauf) in Aktion.

WERNE - Heute (Mittwoch) feiert Fußballer Björn Christ seinen 40. Geburtstag. Das Außergewöhnliche daran: Er ist immer noch Stammspieler für den SV Herbern in der Landesliga.

In seiner Karriere hat Christ bisher viele besondere Momente erlebt. „Manche Spiele werde ich immer in Erinnerung behalten. Zumeist die Spiele gegen den Abstieg, in denen wir es erst am letzten Spieltag geschafft haben, in der Liga zu bleiben. Zwei Busse voller Herberner Fans sind mitgefahren und haben eine riesige Stimmung gemacht. Gefühlsmäßig war das großartig“, beschreibt Christ seine Erfahrungen.

Nachdem Björn Christ im Werner Krankenhaus am 23. September 1975 geboren wurde, wuchs er in der Bauernschaft Nordick auf. Der erste Kontakt zum Fußball in seinem sechsten Lebensjahr kam durch Frantz Josef Ruhe, der damals für die Jugendarbeit des SV Herbern zuständig war. „Der hat damals alle Kinder von der Straße geholt und zum Fußballspielen gebracht. Leider ist er viel zu früh verstorben. Er hat mich zum Kicken gebracht“, erinnert sich Christ.

Angefangen in der F-Jugend sollte das Spielen damals einfach nur Spaß machen. „Im Vergleich zu heute war früher viel weniger Pädagogik im Training drin. Heute wird sich ja in der Jugendabteilung um jeden gekümmert. Früher war die Herangehensweise simpler: Entweder du kannst Fußballspielen oder nicht“, sagt Christ. Das Training fand in den Achtzigern nur in der Sporthalle statt. Dazu gab es nur einen Aschenplatz.

Das Geburtstagskindt erlebte einen normalen Durchlauf des Jugendbereichs bis hin zur A-Jugend. Seine Mannschaft konnte viele Erfolge verbuchen. „Wir hatten immer eine gute Truppe und sind fast jedes Jahr Kreismeister geworden. Wir haben unsere Ligen beherrscht“, so Christ. Höher als in der Kreisliga A hat er aber nie gespielt. „Wir sind immer deutlich in der Aufstiegsrunde gescheitert. Unsere Trainer waren alle ehrenamtlich und haben bei uns keine große taktische Schulung versucht. Da ging es mehr um die Ausdauer, aber damit sind wir nicht aufgestiegen.“

In seiner letzten Saison der A-Jugend 1993 wurde Christ bereits in die erste Herrenmannschaft des SV Herbern berufen. Unter dem damaligen Trainer Werner Kahle brachte er es auf 15 Einsätze, zwei davon von Anfang an. „Damals noch in der Kreisliga A war das Niveau schon enorm hoch“, so Christ. Mit dem neuen SVH-Coach Ralf Dreier ging es 1994 in seine erste von vielen Saisons der Senioren. Zusätzlich schaffte der SV Herbern den Aufstieg in die Bezirksliga, nur zwei Jahre später ging es in die Landesliga hoch.

Mehr als zehn Jahre spielte Christ mit dem SV Herbern meistens gegen den Abstieg. „Der SV Herbern hat mit seinem Etat und Möglichkeiten immer viel geleistet“, lobt er seinen Verein. Ab 2006 mussten die Blau-Gelben in der Bezirksliga Vollgas geben. Vier Jahre später schaffte der SVH den erneuten Aufstieg. In dieser Zeit war ein verfrühtes Karriereende nah. „Aus beruflichen Gründen konnte ich oftmals nicht mehr mitmachen. Irgendwie kam ich aber immer zurück und wenn ich in ein paar Jahren zurückblicke, werde ich das bestimmt nicht bereuen.“ 2011 ließ es Christ etwas ruhiger angehen und spielte zwei Jahre lang für die zweite Mannschaft des SV Herbern. „Bernd Löcke hatte mich gefragt, ob ich bei ihm als Stürmer spielen kann und das hab ich dann auch so gemacht“, sagt Christ. Dabei half er mehrmals in der Ersten aus. 2013/14 war Björn Christ gar nur Co-Trainer der Landesliga Reserve. Als aber zum Saisonende nochmal bei der Landesliga Mannschaft aushalf, packte Christ noch einmal das Fußballfieber. „Ich hatte da richtig Blut geleckt und wollte es nochmal wissen. Die Euphorie in der letzten Saison 2014/15 hat mir wirklich geholfen, die Vorbereitung durchzustehen. Die Motivation war groß“, sagt Christ aber sagt auch, „Mit dem Alter braucht der Körper einfach mehr Pausen. Die Vorbereitung für diese Saison war hart und ohne die Euphorie von der letzten Saison war es schon schwierig. Natürlich macht es weiter Spaß zu spielen aber ich merke wie ich an meine Grenzen komme.“

Das der 40-Jährige überhaupt noch so fit ist, wundert weder seinen langjährigen Freund und Weggefährten Bernd Löcke noch Trainer Christian Bentrup. „Mich überrascht es nicht, dass er noch Stammspieler ist. Er hält sich fit“, erklärt Löcke und Bentrup ergänzt, „Es ist erstaunlich, dass er immer noch solche Leistungen abrufen kann. Aber sein Ehrgeiz ist weiterhin groß.“ Christ selbst tut weiterhin viel für seine Fitness. „Ich bin immer viel laufen gegangen und habe mich fit gehalten. Natürlich helfen gute Gene, mein Vater war auch schon immer sportlich. Glück gehört auch dazu, ich hatte nie Probleme mit meinen Bändern“, erklärt der Verteidiger. In seiner Karriere war ein dreifacher Jochbeinbruch, der Christ vier Monate pausieren ließ. „Ich merke das heute noch manchmal“, lacht Christ.

Mit dem Blick auf seine jungen Mannschaftskollegen fühlt sich Christ verpflichtet, seine langjährige Fußballerfahrung weiterzugeben. Trainer Bentrup lobt seinen ältesten Spieler in den höchsten Tönen. „Er ist ein absoluter Teamplayer, der das Team führen kann. Er ist in der Mannschaft anerkannt.“

Um seine Zukunft macht sich Björn Christ erst einmal keine Gedanken. „Da ich noch mithalten kann, denke ich von Saison zu Saison. Viele Jahre werden es wohl nicht mehr sein. Aber ich werde irgendwann auf all die schönen Jahre zurückblicken“, erklärt er.

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