WSC-Trainer Öztürk über Jogi: Löw ist ein positiver Trainer

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Hat schon viel gesehen in seiner Karriere: Kurtulus Öztürk, Trainer des Werner SC.

WERNE - Kurtulus Öztürk, Trainer des Fußball-Bezirksligisten Werner SC, hat einiges erlebt in seiner Profizeit – vor allem bei seinen Gastspielen in der Türkei (Diyarbakir, Yozgat, Adana). Beim Erstligisten Adanaspor war er Stammspieler in der Elf von Joachim Löw. Ob dies Öztürk irgendwie geprägt hat, und ob sich der heutige Bundestrainer sehr verändert hat, erzählt der 34-Jährige im WA-Gespräch.

In der Saison 2000/2001 hast Du bei dem türkischen Erstligisten Adanaspor unter Joachim Löw gespielt – wie lange?

Kurtulus Öztürk: Ein halbes Jahr, dann ist er gegangen.

Hast Du auch nur ansatzweise damit gerechnet, dass aus ihm einmal der „Bundes-Jogi“ wird?

Öztürk: Nee, auf keinen Fall, auch wenn er vorher Fenerbahce und den VfB Stuttgart trainiert hatte und erfolgreich war. Da war ja damals das magische Dreieck mit Balakov, Bobic und Elber das ganz große Thema.

Wie hat er in Adana denn taktisch spielen lassen?

Öztürk: Auch hinten mit einer Viererkette. Ich war da der rechte Außenverteidiger....

....Die „Lightversion“ von Philipp Lahm quasi...

Öztürk: ... Ja, quasi. Er wollte auch schon, dass ich offensiv arbeite. Wichtig war für ihn, dass die Angriffe abgeschlossen wurden. Kein unnötiger Haken, sondern die Flanke musste kommen. Ein Eckball war da ein erfolgreicher Abschluss des Angriffs. Heute hat er natürlich ganz andere Möglichkeiten.

Was hast Du von ihm in Erinnerung?

Öztürk: Er hatte schon sehr genaue Zielsetzungen, forderte immer Disziplin und höchste Konzentration. Und er hat sehr viel Wert auf Ballsicherheit gelegt und im Training viele Übungsformen mit Ball absolvieren lassen.

Ist er ein Schleifer?

Öztürk: Nein, das ist er nicht. Damit ist man auf lange Sicht auch nicht erfolgreich. Damit nimmt man vor allem den jungen Spielern auch die Lust am Fußball.

Neben Joachim Löw war mit Michael Skibbe ein weiterer späterer Bundestrainer dein Chef. Was kann man umsetzen von dem, was sie praktiziert haben?

Öztürk: Es ist schwierig, davon etwas umzusetzen. Für meine Arbeit sicherlich dies: Beide haben schon ihren eigenen Stil und ihre eigene Überzeugung. Löw hat sich, wie jetzt bei der WM, nicht reinreden lassen und kann außerdem variabel spielen ohne Ende. Mit den Neuen, die jetzt zu mir kommen, können wir das beim WSC auf jeden Fall auch. Wir werden sicherlich auch die Dreier-Abwehrkette im Angebot haben, um im Mittelfeld eine Überzahl herzustellen.

Wie war Löws Umgang mit den Spielern?

Öztürk: Da habe ich im Verlauf meiner Karriere alles erlebt und ganz viel gelernt. Jeder Spieler verarbeitet Gespäche und Kritik anders. Ich lobe gerne, aber es gibt auch Spieler, die Kritik brauchen. Beides geht. Aber wichtig ist dabei, dass man dem Spieler damit hilft. In dieser Beziehung habe ich Löw in guter Erinnerung. Er wickelt alles sehr positiv ab.

Schaut man die deutschen Spiele am Fernseher aktuell aus einem anderen Blickwinkel?

Öztürk: Na ja, taktisch jetzt nicht so sehr. Aber ich hätte nicht gedacht, dass er Lahm aus dem Mittelfeld zurückzieht und rechter Verteidiger spielen lässt. Und ich hätte gedacht, dass er Höwedes mal draußen lässt. Ich versuche natürlich schon, diese Entscheidungen mit Blick auf das Ganze zu verstehen. Löw hat – wie schon früher – einen festen Block an Spielern. Das sieht man auch hier. Einige werden WM-Touristen bleiben, aber das gehört auch dazu.

Was sagt Brasilien 2014 über die neuen Trends aus?

Öztürk: Ein Trend ist, dass erst einmal die Null stehen muss. Ein anderer Trend geht genau ins Gegenteil: Früh attackieren, so wie Dortmund zum Beispiel. Das kann man schon jetzt sagen: Es wird eine interessante Bundesliga-Saison. Von meinem ehemaligen Trainer Roger Schmidt zum Beispiel wird man mit Bayer Leverkusen auch einen sehr attraktiven Fußball sehen.

Wer wird Weltmeister?

Öztürk: Als ich mit Thomas Berthold unter Jogi Löw bei Adanaspor gespielt habe, hat er gesagt: Du Kutte, ich bin Weltmeister, aber Deutschland wird so schnell nicht wieder Weltmeister. Aber das ist lange her. Deutschland ist mal wieder dran. Ich denke, Deutschland gewinnt 2:1. Es wird ein europäisches Finale geben. Holland hat bisher überzeugt und gewinnt 3:1, Argentinien hat defensiv Probleme. - gu

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