Für schwächelnden WSC ist eigentlich nichts passiert

Am Samstag hatte Cheftrainer Kurtulus Öztürk beim Sponsorenlauf mit Familie noch gute Laune, am Sonntag dann nicht mehr.  Foto: Eickmann

WERNE -  Kann der Werner SC nur Reaktionsfußball? Zum wiederholten Mal machte die 2:4-Heimniederlage gegen den VfL Senden deutlich: Wenn der Aufstiegskandidat aus der Bezirksliga (8) das Spiel selbst gestalten muss, bekommt er arge Probleme.

Nicht das erste Mal in dieser Saison floppte die „Raute“ im Mittelfeld. Die Rückkehr zur Doppel-Sechs bereits zum Auswärtsspiel am Sonntag beim Abstiegskandidaten Alemannia Scharnhorst wird wohl die Konsequenz daraus sein.

Die Entscheidung von Trainer Kurtulus Öztürk, gegen den Tabellenneunten aus dem bewährten 4-2-3-1 ein mutigeres 4-4-2 zu machen, setzte sein Team nur unzureichend um. Lediglich nach dem 1:2-Anschlusstreffer – etwa zwischen der 30. Minute und dem Halbzeitpfiff – erfüllten die Blau-Roten dieses System auch mit viel Energie. Da stand tatsächlich ein Tabellendritter auf dem Platz.

Über weite Strecken ließen sich die Gastgeber im Aufbauspiel schon durch das kleinste Pressing der Sendener aus der Ruhe bringen. „Das war das, was die Werner eigentlich mit uns machen wollten. Schön, dass wir das in deren Hälfte verlegen konnten“, freute sich VfL-Trainer Andreas Schlüter.

Unter Druck gesetzt stolperte die Elf mit der immer noch besten Abwehr der Liga von einer Verlegenheit in die nächste. Es hätte ein Debakel werden können. Zu oft waren die Abstände zwischen (und auch in) den einzelnen Mannschaftsteilen zu groß – so exemplarisch beim 1:0, als das Werner Mittelfeld viel zu weit vor der Abwehrreihe operierte und die beiden Innenverteidiger nach dem flach gespielten Steilpass von Reher auch viel zu weit auseinander standen. Groß war die Lücke für Timo Lemmer, der sein gerade einmal zweites Saisontor erzielte.

„Ich bin schwer enttäuscht, die Mannschaft auch“, sagte Kurtulus Öztürk, dessen Heimbilanz in der Rückrunde schon ernüchternd ist für einen Landesliga-Kandidaten: Von den fünf Spielen gewann der Sport Club nur eines – mit 3:1 gegen Westfalia Wethmar. Die Restbilanz: Niederlagen gegen Nordkirchen (0:1) und nun Senden, Unentschieden gegen Kaiserau (1:1) und Tabellenführer Husen-Kurl (0:0).

Nicht zuletzt wegen der mageren fünf von 15 möglichen Punkten weist der WSC eine eher ungewöhnliche Bilanz auf: Er holte mehr Punkte in der Fremde (26) als auf eigenem Platz (21). 23 Gegentore gab’s bisher im Lindert, auswärts nur neun bei 19 selbst erzielten Toren. Auch das ist ein Indiz dafür, dass der Sport Club besser aussieht, wenn er mehr reagiert als agiert.

VfL-Trainer Schlüter war am Ende schon irritiert über das Spiel des WSC: „Für Werne war das wohl die letzte Chance“, meinte er unter dem Eindruck des gerade Erlebten. Neun Punkte hatte Öztürk aus den Spielen gegen die Abstiegskandidaten Lüdinghausen, Senden und Scharnhorst eingefordert – maximal vier können es noch werden.

Chancen haben die Werner immer noch, denn die Ausgangslage ist sogar stabil geblieben durch die Niederlage von Tabellenführer Husen-Kurl in Wethmar. Sechs Punkte beträgt für den Sport Club weiterhin der Rückstand – bei einem Spiel weniger.

Für die Sendener war’s ein Befreiungsschlag. Acht Punkte beträgt der Vorsprung gegenüber der ÖSG Viktoria auf dem ersten der vier Abstiegsplätze. „Die Mannschaft hat sich in den letzten Wochen extrem entwickelt. Ich hoffe, wir sehen uns in der nächsten Saison wieder“, meinte Schlüter.

Wenn beim WSC vor den letzten sechs Spielen keine Leistungsexplosion eintritt, dann wird’s wohl so sein. Es sei denn, der Verband hat etwas dagegen. Sollte Lüdinghausen absteigen, ist Senden der mit Abstand nördlichst gelegene Spielort. Denkbar wäre daher ein Umzug in die Gruppen 11 (Münster) oder 12 (Coesfeld). - gu

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