Als ein „Eurofighter“ den WSC trainierte...

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Ingo Anderbrügge – hier im Gespräch mit Thorsten Kräher – gab heute von zehn Jahren seinen Trainereinstand beim Werner SC.

WERNE - Genau heute vor zehn Jahren stand beim Fußball-Bezirksligisten erstmals Ingo Anderbrügge als Trainer an der Seitenlinie. Der frühere Profi des FC Schalke 04, mit dem er 1997 als „Eurofighter“ den UEFA-Cup gegen Inter Mailand gewonnen hatte, war eine spektakuläre Neuverpflichtung im Abstiegskampf der Saison 2004/05.

Der Einstand glückte gleich mit einem 3:0-Erfolg bei Preußen Lünen. Doch am Ende gab es kein Happy End für den Werner SC und Anderbrügge – denn der Sport Club stieg in die Kreisliga A ab und musste anschließend sechs lange Jahre warten, bis es wieder in die Bezirksliga hoch ging.

„Das war eine Riesen-Überraschung für das ganze Team. Daran kann ich mich noch erinnern“, erzählt Thomas Gebhardt, der als junger Keeper damals das Tor des WSC hütete, als er davon hörte, dass der 397-fache Bundesliga-Spieler von Borussia Dortmund und FC Schalke 04 als Trainer ins Stadtstadion kommen wird.

Anderbrügge sollte damals Unterstützung für Spielertrainer André Klammroth leisten, der nach einem persönlichen Schicksalsschlag entlastet werden sollte. Klammroth machte noch drei Spiele in dieser Konstellation weiter und trat zum Spiel in Heeren (0:3) Anfang Mai zurück. Für die letzten fünf Partien war Anderbrügge mit Heinz Niggemeier allein verantwortlich. Den Kontakt zu Ingo Anderbrügge stellte Ludger Wilkinghoff aus dem WSC-Vorstand her, der den 89-fachen Bundesliga-Torschützen auch aus seiner Trainer-Promi-Elf kannte.

„Das war von mir und Heinz als meinem Assistenztrainer ein Freundschaftsdienst für Ludger Wilkinghoff, mit dem ich immer noch in Kontakt stehe“, sagt der 51-Jährige Anderbrügge, der dem Fußball immer noch eng verbunden ist. So leitet Anderbrügge eine „Fußballfabrik“ im nördlichen Ruhrgebiet und hat als Fußballlehrer zwei Lehrvideos für das fachgerechte Jugendtraining produziert. Noch am Montagabend kam beim Fernsehsender Sport1 in der „Spieltagsanalyse“ als Experte zum aktuellen Bundesliga-Spieltag zum Einsatz.

„Ich kann mich noch erinnern, als ich zum Training kam. Da war alles voll und mein Parkplatz war weg. Auf dem Weg zur Kabine erzählte mir der Platzwart: ‘Hier passiert gleich was ganz Großes’“, weiß der damalige WSC-Verteidiger Markus Schnatmann noch.

Beide – Schnatmann und Gebhardt – haben trotz des späteren Abstieges viele positive Erinnerungen an die Zeit unter Ingo Anderbrügge. „Man war auch ein bisschen stolz, von einem Ex-Profi trainiert zu werden“, sagt Gebhardt, der mittlerweile beim Bezirksligisten FC Nordkirchen das Tor hütet, und: „Das war für uns eigentlich eine Top-Verpflichtung. Ich kannte Ingo ja schon vorher aus seiner Fußballschule, in der ich als Torwarttrainer ein bisschen Geld verdient habe.“

Warum es am Ende dennoch nicht geklappt hat mit dem Klassenerhalt? „Wir hatten ein relativ junges Team. Da sind viele mit dem Abstiegskampf nicht zurecht gekommen“, erinnert sich Gebhardt. Und Markus Schnatmann, der mittlerweile Spielertrainer des B-Ligisten GS Cappenberg II ergänzt: „Ich glaube nicht, dass das an Ingo lag. Er war als Trainer ein Kumpeltyp, der aber auch den nötigen Ernst mitgebracht hat.“

Der WA schrieb zum ersten Auftritt Anderbrügges unter der Überschrift ‘Trainerdebüt mit Zettelhilfe’ am 22. April: „Vor dem wichtigen Spiel griff der 41-Jährige tief in die Motivationskiste: Ich habe sie bei der Ehre gepackt und sie gefragt, ob sie als Absteiger durch die Stadt laufen wollen.“

Viel mitgenommen aus der Zeit hat Markus Schnatmann: „Wenn ich selber Training gebe, dann baue ich noch manche Übung ein, die ich von Ingo kennengelernt habe.“ Und vor einigen Jahren traf Schnatmann – der ist bekennender Fan des FC Bayern München – seinen Ex-Trainer zufällig in der bayrischen Landeshauptstadt anlässlich des Besuches eines Bundesliga-Spiels: „Da hat er mich auf dem Marienplatz angesprochen. Das war ganz witzig.“

Anderbrügge fällt bei Nennung des Datums nicht direkt ein, dass er da erstmals an der Seitenlinie bei Amateur-Fußballern stand. Auch wenn er für einen Ex-Profi spezielle Erfahrungen sammelte, sagt er: „Es hat trotz alledem Spaß gemacht. Aber du willst halt Erfolg. Im Amateurbereich gibt es viele Dinge, etwa das Spieler in der Vorbereitung zurück stecken wollen. Und das war letztlich nicht so mein Thema.“

Dass Anderbrügges Ansprüche an das Team hoch waren, merkte auch Thomas Gebhardt. „Die Trainingsintensität wurde erhöht. Wir haben dreimal trainiert und montags sind wir dann mit einem Bulli zur Fußballschule von Ingo Anderbrügge nach Marl gefahren. Dort warteten Physiotherapeuten und eine Sauna zum Regenerieren auf uns. Das war schon semiprofessionell“, erinnert sich Gebhardt.

Genutzt hat es dennoch nichts: Der WSC verlor im Saisonendspurt seinen Ex-Spielertrainer Klammroth und dessen Tore, zudem verabschiedeten sich weitere Stammspieler. So mussten zum Ende Altherren-Akteure und auch Reservekicker aushelfen. Hieß es nach dem besiegelten Abstieg durch die 1:3-Niederlage in Alstedde, dass ein Neuaufbau unter Anderbrügge angedacht war, so verabschiedete sich der „Eurofighter“ kurz darauf und sein Kapitel Bezirksliga-Fußball war beendet. - von Frank Zöllner

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