Trainer Ralf Gondolf spricht von einem Schock

Fast eine gesamte Mannschaft hat den SV Stockum verlassen

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Sie jubeln nicht mehr für den SV Stockum: Enes Tozlu, Enes Tayar, Sezer Canikli, Tolga Köroglu und Hamza Tozlu (von links). Diese Spieler und vier weitere haben sich beim Kreisligisten abgemeldet oder wollen nicht mehr für ihn auflaufen.

Stockum - Der Fußball-Kreisligist SV Stockum steht vor einer ungewissen Zukunft. „Es hat sich fast eine gesamte Mannschaft abgemeldet – und alles Stammspieler. Es sieht recht schlecht aus“, sagt Trainer Ralf Gondolf und spricht von einem Schock.

 Zwar hätte er zum Vorbereitungsstart am Dienstagabend eine zweistellige Anzahl an Spielern zur Verfügung gehabt, aber so richtig weiß Gondolf nicht, wie es in den zweiten Saisonhälfte weitergehen soll. 

Gondolf wollte auch den schlimmsten Fall nicht ausschließen: Die Abmeldung der Mannschaft. „Das könnte passieren“, meint der 56-Jährige. „Mir fehlt so ein bisschen die Vorstellungskraft, wie es und ob es weiter geht. Das war ein Schock“, sagt Gondolf. 

Was war geschehen? Am 31. Dezember zum Stichtag gingen bei dem Verein die Abmeldungen von neun Spielern ein. Das waren die Tozlu-Brüder Enes und Hamza, die Cördük-Brüder Ismail und Abbussamed, der Top-Torjäger Tolga Köroglu, Sezer Canikli, Mehmet Kilic, Ibrahim Saadouni und Tunahan Sari. Zudem habe Enes Tayar sich zwar nicht abgemeldet, stehe aber auch nicht mehr als Spieler zur Verfügung. 

Wird die Mannschaft abgemeldet?

„Das ist alles an diesem Tag passiert. Das war eine typische Kettenreaktion“, sagt Ali Karaman, der selber als Spieler bleibt und in der vergangenen Saison als Spielertrainer des SV Stockum fungierte. Da spielte er bereits mit einem Großteil der nun abgemeldeten Akteure zusammen.

SVS-Trainer Ralf Gondolf zeigt sich geschockt, macht aber weiter.

 „Ich habe noch versucht, an die Jungs zu appellieren, dass für die restlichen vier Monate bis zum Saisonende durchzuziehen. Dabei bin ich aber auf taube Ohren gestoßen. Das kann ich alles nicht nachvollziehen“, sagt der 33-Jährige. Die Abmeldung sei aus verschiedensten Gründen erfolgt, so Karaman. 

Najih: „Haben uns auseinander gelebt“

 „Es ist für mich eine Enttäuschung und ich bin auch angefressen“, sagt der in der Hinrunde lange verletzt fehlende Spielmacher. Denn Karaman war es, der viele dieser Spieler im Sommer 2017 an die Boymerstraße gelotst hatte und mit dem Team eine gute Saison 2017/18 spielte, die auf Platz sechs endete. 

„Wir haben uns anscheinend auseinander gelebt“, sagt SVS-Geschäftsführer Yassine Najih dazu. Bekannt war bislang der Abgang von Abwehrspieler Tunahan Sari, der zum Liga-Rivalen und Aufstiegsanwärter Eintracht Werne wechselt.

 Die Cördüks und Ibrahim Saadouni werden nun ebenfalls mit Eintracht Werne in Verbindung gebracht, Canikli soll zum TSC Hamm zurückkehren und Köroglu schließt sich dem Kreisliga-Titelaspirant SVE Heessen an. Nachvollziehbar sei der Abgang von Enes Tozlu, der aus beruflichen Gründen nach Paderborn gezogen ist und sich nun dort einem neuen Verein anschließen will. 

Tolga Köroglu, in der Vorsaison mit 24 Treffern bester SVS-Angreifer, hatte zudem schon vor längerer Zeit mitgeteilt, dass er sich einen neuen Verein suchen wolle. Auch Karaman stellt die Frage, wie es nun in der zweiten Saisonhälfte weitergehen soll. „Die Reserve zu schwächen, macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Die steckt selber im Aufstiegskampf und hat die geringste Schuld an der Lage“, meint Karaman.

 „Jetzt haben wir nur noch acht Feldspieler. Ich habe keine Lust, mich jede Woche abschießen zu lassen. Der Vorstand muss nun mit kühlem Kopf eine Entscheidung treffen. Es hat wenig Sinn, die restlichen Spieler zu bestrafen“, will auch Karaman eine Abmeldung der Mannschaft nicht ausschließen. Und Trainer Gondolf hat bereits das erste Testspiel in der Wintervorbereitung am Sonntag, 20. Januar, beim VfL Kamen abgesagt.

 Da an diesem Wochenende die SVS-Reserve ein Trainingslager abhält, kann er von dieser Mannschaft keine personelle Unterstützung erwarten – die aber dringend nötig wäre. Und genau hierauf setzt der Geschäftsführer Najih seine Hoffnung: „Wir werden das in Kooperation mit der zweiten Mannschaft schaffen. Die sind mit einem 22-Mann-Kader gut aufgestellt. Und ich rechne es Ralf Gondolf hoch an, dass er uns nicht im Stich lässt.“ 

Immerhin hat der SVS mit Thomas Göke einen neuen Torwart dazu bekommen (zuletzt SG Bockum-Hövel). „Mit zwei weiteren Spielern sind wir noch in Gesprächen“, sagt Geschäftsführer Najih, und gibt sich zuversichtlich: „Wir haben eine schlagkräftige Mannschaft, um die Klasse zu halten.“

Englicht kein sportlicher Leiter mehr

Moritz Englicht  ist kein sportlicher Leiter beim SV Stockum mehr. „Das hatte interne Gründe und wir haben uns im Einvernehmen getrennt“, sagte SVS-Geschäftsführer Yassine Najih. 

Moritz Englicht

Die Aufgaben von Englicht will der Geschäftsführer bis Sommer mit übernehmen.

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