Ex-Profi Benjamin Siegert freut sich auf seine erste Traineraufgabe beim SV Herbern

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Voll reinhängen und dahin gehen, wo es auch schmerzt: Benjamin Siegert, hier in einem Landesliga-Spiel gegen den Werner SC und Joo Seung Oh.

Herbern – „Fußball ist meine Leidenschaft. Den habe ich am meisten geliebt. Ich hoffe, dass mein Trainer-Dasein genau so attraktiv wird“, sagt Benjamin Siegert, 38, ein ehemaliger Profi.

Ab dem 1. Juli ist er offiziell als Nachfolger von Holger Möllers beim Fußball-Landesligisten SV Herbern in der Verantwortung – es ist seine erste Trainerstation. 

Und die wird er mit großem Tatendrang angehen. „Ich freue mich, dass sie mich genommen haben. Sie hätten sich ja auch für einen erfahrenen Trainer entscheiden können“, sagt Siegert, und weiter: „Ich bin nicht erfahren, aber vielleicht gut.“ 

Der Kontakt sei schnell zustande gekommen. „Es war ja bekannt, dass Holger aus privaten Gründen aufhören wird. Und ich habe mit dem Trainerdasein geliebäugelt“, sagt Siegert, der in seiner Karriere mehr als 490 Profieinsätze absolviert hat und aktuell bei der Herberner Bezirksliga-Filiale in Nordkirchen spielt. 

Ein Telefonat mit dem sportlichen Leiter Ludger Staar, ein Händedruck beim Davertcup, da sei man sich schnell näher gekommen. Er habe sich Gedanken gemacht und mit Leuten gesprochen, die den SVH näher kennen – da sei die Entscheidung nicht schwer gefallen. 

Siegert lobt die Leidenschaft der Herberner

Staar lobt die Leidenschaft, die Siegert in den Gesprächen gezeigt habe, Siegert lobt die Leidenschaft der Herberner für ihren Verein: „Es gibt so viele Ehrenamtliche, die für den Verein kämpfen“, sagt er, „also werden wir auch für die Leute kämpfen.“ 

Nicht zuletzt die große Fachkompetenz in der sportlichen Leitung und die gute Infrastruktur haben ihn vom SV Herbern überzeugt. Kratzen, beißen, kämpfen – für Siegert unabdingbar. Ebenso wie die Fitness. Dass es da Defizite im SVH-Kader gibt, glaubt er nicht. „Ich weiß nicht, ob es in der Kabine eine Waage gibt“, sagt er dennoch, „wenn nicht, hoffe ich, dass Lutz (Ludger Staar, d. Red.) mir eine schenkt.

 Ich werde jetzt aber keine großen Sachen verändern.“ Auch nicht im künftigen Kader, da werde es wohl nur die branchenüblichen Veränderungen geben. 

"Ich trete bei Holgers Nachfolge in große Fußstapfen“

Einen großen Umbruch wie vor dem Beginn der laufenden Saison stehe nicht bevor, gerade deshalb, „weil der sich zum Positiven entwickelt hat. Ich muss sagen: Ich trete bei Holgers Nachfolge in große Fußstapfen.“ 

Er werde sich mit Möllers über den Kader unterhalten, sagt Siegert, und sich auch Spiele des SVH anschauen. Spielen werde aber bis zum Saisonende. Leidenschaft eben. „Vielleicht“, sagt er vor den anstehenden Gesprächen mit den Spielern, „vielleicht müssen wir ja noch zweigleisig planen, denn die Westfalenliga ist gar nicht so weit weg. Und die Jungs haben noch einiges vor...“

 Für ihn werde es natürlich eine Umstellung sein. „Als Spieler konzentriert man sich auf das Spiel und das Training. Trainer sein bedeutet mehr als die Hütchen aufzustellen und sonntags an der Bank zu stehen“, sagt der Vater von zwei Kindern, der mit seiner Familie in Hiltrup wohnt. 

Da müsse es schon Kompromisse geben. Auch seine Frau wisse: Ohne Fußball geht es einfach nicht. Eine Auszeit nach seiner langen Karriere, ein Leben, dass nicht mehr so vom Sport reglementiert wird: Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Profis kommt das für Siegert nicht in Frage. 

„Also, einen Felix-Magath-Gedächtnishügel wird es bei mir nicht geben"

Nach einem letzten Intermezzo in seiner Heimatstadt Berlin bei Tennis Borussia habe er ein halbes Jahr Pause gemacht, erzählt er. Aber: „Da fehlte mir Einiges.“ Trainer hat er in seiner langen Karriere übrigens genug erlebt – gute wie schlechte. Benjamin Siegert: „Also, einen Felix-Magath-Gedächtnishügel wird es bei mir nicht geben. Von jedem Trainer nimmt man aber etwas mit, Positives wie Negatives. Aber wichtig ist, dass ich meine eigene Philosophie einbringen werde.“

Benjamin Siegert

Geboren: 7. Juli 1981 im noch geteilten Berlin

Familienstand: Verheiratet, zwei Kinder Beruf: Automobilkaufmann

Position: Mittelfeld

Vereine: Hertha Zehlendorf, Mariendorfer SV, Tennis Borussia (10), VfL Wolfsburg I und II (115 Spiele), Eintracht Braunschweig (96), SV Wehen Wiesbaden (59), VfL Osnabrück (64), Preußen Münster (121), SF Lotte (26), SC Münster 08, FC Nordkirchen 

Bundesliga-Spiele: 1 für Wolfsburg gegen Frankfurt 

Erfolge: 2010 Aufstieg mit Osnabrück in die 2. Bundesliga, 2016 Aufstieg mit Lotte in die 3. Liga; Siege im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund mit Wolfsburg, Braunschweig und Osnabrück 

Historisches: Das bis heute schnellstes Tor im deutschen Profifußball am 5. Oktober 2007 für Wehen Wiesbaden bei der SpVg Greuther Fürth nach acht Sekunden.

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