Euro-Traum von Josy Schulze-Bisping ist jäh geplatzt

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Josephine Schulze-Bisping mit Abke’s Boy im Gelände.

Werne - Am Freitag schien bei der offiziellen Einkleidung und dem Teamfoto alles klar für Josephine Schulze-Bisping. Doch für die 16-Jährige ist der Traum von der Europameisterschaft mit den deutschen Vielseitigkeits-Junioren in Frankreich beendet, bevor er überhaupt begonnen hat.

Als am späten Sonntagabend die Pferdetransporter vom Stützpunkt in Warendorf aus auf den Weg in Richtung Fontainebleau geschickt worden sind, blieb der Sportpartner der Westfalenmeisterin aus Werne in der Box. 

Grund: Abke’s Boy hatte sich an einem Bein eine leichte Entzündung der Huflederhaut zugezogen. Die Aussichten, dass der 15-jährige Oldenburger ab Mittwoch fit und beschwerdefrei den Dressurwettbewerb aufnehmen könnte, waren daher nicht zu 100 Prozent gegeben. Und nach Vorgabe des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR) muss vor Antritt einer Fahrt zu einem Championat diese Gewähr vorhanden sein. 

„Im Grunde reicht für die Entzündung schon ein Körnchen aus, das sich zwischen Huf und Beschlag schiebt und reibt“, sagt Josys Mutter, Jutta Schulze-Bisping, die den 4-beinigen Athleten als durchaus sensibel beschreibt. „Es ist sehr, sehr schade und sehr traurig für Josy, aber sie geht damit sehr gut um“, vermeldet sie am Tag nach der Entscheidung.

Huflederentzündung aus

 „Aber keiner wollte und konnte sagen, ob er bis Mittwoch wieder bei 100 Prozent ist“, so Schulze-Bisping, die sich bei allen Verantwortlichen in Warendorf noch einmal ausdrücklich bedankte, denn: „Sie haben alle Hebel in Bewegung gesetzt und sich unheimlich viel Mühe gegeben.“ 

Auch Spezialbeschlag hilft nicht weiter Nach einem Besuch in der Telgter Tierklinik kümmerten sich zwei Veterinäre und ein Schmied um das Pferd. Abke’s Boy bekam einen Spezialbeschlag mit einem Gel, um den Druck vom Huf zu nehmen. Doch nach einer Nacht in der Box mit gut gekühltem Huf, sagt Jutta Schulze-Bisping, „war es besser, aber eben nicht gut genug.“ Schweren Herzens habe auch Bundestrainerin Julia Krajewski die Entscheidung fällen müssen, die Wernerin aus dem Aufgebot zu nehmen. 

„Auch sie hat sich sehr um Josy bemüht“, sagt Jutta Schulze-Bisping, für die die Entscheidung absolut nachvollziehbar war, denn: „Man fährt da schließlich nicht zu einer Kreismeisterschaft.“ Komplette Saison auf dieses Ziel ausgerichtet Und so saß am Montag in aller Frühe nicht Josephine Schulze-Bisping in einem der offiziellen Teamfahrzeuge in Richtung Frankreich, sondern die Flensburgerin Kaya Thomsen, die als erste Reserve parat gestanden hatte. 

Dabei hatten Josy Schulze-Bisping und ihre Trainer alles dafür getan und die Saison so gestaltet, dass das Pferd in Frankreich sich auf dem Höhepunkt seiner Leistung befinden sollte. „Es ist eigentlich super drauf“, weiß Jutta Schulze-Bisping. Ihre Tochter müsse nun erst einmal abschalten und runterkommen und zwar „wie ein Hobbyreiter just for fun und die Pferde auch mal ein, zwei Tage auf der Wiese lassen.“ 

Nach den Sommerferien, so habe es die Bundestrainerin mitgeteilt, werde Josy mit Abke’s Boy noch ein oder zwei schöne internationale Turniere reiten dürfen, so eines in Belgien. In der Zwischenzeit wird sie sich auch viel mit einem neuen Hoffnungsträger beschäftigen. „Ein zweiter Boy nach Abke – und ein sehr vielversprechender“, sagt Jutta Schulze-Bisping, denn der 6-jährige Trakehner von Legretto, den ihre Tochter von einem Züchter zur Verfügung gestellt bekommen hat, heißt Ruby’s Last Boy und war in allen drei Disziplinen bereits auf A-Niveau erfolgreich.

 „Ansonsten“, sagt Josys Mutter, „bleibt der Trost, dass das, was ihr Pferd hat, nicht schwerwiegend ist und dass es nicht ihr letztes Junioren-Jahr ist und sie auch im nächsten Jahr noch eine Chance hat.“

Josy wünscht dem Team über Instagram viel Glück

„Nachdem Abke im Vorbereitungslehrgang nicht ganz ok war, haben wir gemeinsam mit der betreuenden Tierärztin und der Bundestrainerin beschlossen, dass Abke nicht bei der EM starten wird. Natürlich sind wir tief traurig, denn auf dieses Ziel haben wir sehr lange hin gearbeitet, aber Abkes Gesundheit steht immer an erster Stelle. Gedanklich sind wir in Frankreich und drücken unserem Deutschen Team die Daumen“, schreibt sie.

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