Kein Platz für Tussis bei den Bergkamener Eisbärinnen

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Claudia Weltermann vor dem Training mit den Teamkolleginnen Jule Flötgen, Sarah Körber und Alena Hahn (von links).

BERGKAMEN -  In ihre Tasche passt Claudia Weltermann fast selbst hinein. Die 26-Jährige hat darin Kleidung für einen Abend verstaut. Gerade zwängt sie sich in eine gepolsterte Hose, legt Knie- und Ellenbogenschoner an. Wer auf dem Eis alles geben will, muss gut geschützt sein. „Für Tussi-Gehabe ist hier kein Platz“, sagt sie.

Ihre Mannschaftskolleginnen vom Fraueneishockey-Bundesligisten EC Bergkamen trudeln nach und nach zum Training in die Eissporthalle am Häupenweg ein. Bankkauffrau Jennifer Wieser tauscht in der Kabine Pumps gegen Schlittschuhe.

Torfrau Jule Flötgen sieht in ihrem dicken Panzer so aus, als wolle sie nicht zur Eisfläche, sondern geradewegs ins All. Eishockey ist eben körper- und nicht figurbetont. Die Kamenerin Claudia Weltermann steht seit ihrem dritten Lebensjahr auf Kufen. Zunächst versuchte sie sich im Eiskunstlauf. Ihre Begeisterung für Schläger und Puck entdeckte sie nach der Grundschule. Verwunderlich war dies nicht.

„Ich stamme aus einer Eishockey-Familie“, erzählt Weltermann. Doch ihr Erfolg liegt nicht nur in den Genen. Die junge Verteidigerin beweist auch einen starken Willen und eiserne Disziplin. Ein Jahr lang spielte sie in der schwedischen Profiliga, für die deutsche Nationalmannschaft lief sie um die 70 Mal auf. Mit den Bergkamener Bärinnen gewann sie 2005 die Deutsche Meisterschaft.

In dieser Saison ist der Kader ausgedünnt. Vier Spielerinnen sind verletzt. „Da spiele ich auch schon einmal auf einer anderen Position“, sagt Claudia Weltermann. Auch sie hatte in der Vergangenheit bereits eine Schulter ausgekugelt. Blaue Flecken erwähnt sie erst gar nicht. Der Sport ist nichts für Zimperliche. Trotzdem: „Die Verletzungsgefahr beim Eishockey ist viel geringer als beim Fußball“, betont Weltermann. „Nicht nur, weil wir besser geschützt sind. Wir sind auch härter im Nehmen.“

Die 26-Jährige beißt sich durch, trainiert viermal in der Woche, zweimal davon mit Jungs. Eine Sonderbehandlung bekommt sie da nicht – das würde sie auch nicht wollen. Vom Regelwerk her unterscheiden sich Frauen- und Männer-Eishockey kaum. Bei den Damen sind Bodychecks, die gezielten Attacken auf den Gegner, verboten. „Doch auch hier werden keine Wattebäuschchen geworfen“, sagt der Sportliche Leiter des EC Bergkamen, Andreas Hahn. Seine Tochter Alena spielt selbst bei den Bärinnen. Der Vater steht beim Training hinter der Bande. „Wenn die Spielerinnen wieder in die Kabine kommen, werden sie aussehen, als seien sie gerade in einen Teich gefallen“, prophezeit er.

Denn auf dem Eis geben die Frauen alles. Die Hartgummischeibe beschleunigen sie locker auf 130 Stundenkilometer. Ab und zu ruft Trainer Robert Bruns seine Mädels zur Fehleranalyse zusammen. Den ERC Ingolstadt haben die Bärinnen am Wochenende zuhause (1:0, 4:0) geschlagen. Am Samstag und Sonntag (8. und 9. März) begrüßen sie den Tabellenführer aus Planegg. Dabei hoffen sie auf eine volle Tribüne. Viel Schlaf bekommen die Eishockey-Damen an den Doppelspieltagen nicht. Sieben Mannschaften spielen in der Bundesliga.

Aus dem Westen sind die Bergkamener Bärinnen das einzige Team im deutschen Oberhaus. Zum Training nach Weddinghofen reisen die Spielerinnen aus Iserlohn, Krefeld oder auch St. Augustin an. „Wenn wir ein Heimspiel haben, schläft die halbe Mannschaft bei mir“, sagt Claudia Weltermann. Um die Auswärtsfahrten nach Berlin, Bayern und Baden-Württemberg zu bezahlen, müssen die Bärinnen trotz Sponsoren auch selbst tief in die Tasche greifen.

Ein Stück öffentliche Aufmerksamkeit bekamen die deutschen Eishockeyspielerinnen in Sotschi. Die Frauen hatten sich für die Olympischen Winterspiele qualifiziert. Die Männer nicht. Claudia Weltermann hat den Spielerinnen die Daumen gedrückt. Sie selbst möchte Lehrerin werden. Ihre Studienfächer: Sozialpädagogik – und Sport natürlich. - rw

An diesem Wochenende empfängt der EC Bergkamen in der Bundesliga als Tabellenvierter mit dem ESC Planegg den amtierenden Deutschen Meister im Fraueneishockey. Anpfiff in der Eissporthalle am Häupenweg ist am Samstag um 18.30 Uhr und am Sonntag um 10.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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