Durch die Verschiebung lebt Julia Ritters  Olympia-Traum von Tokio wieder

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Julia Ritter in Oberaden beim Hanteltraining vor ihrer Motivationswand.

Bergkamen – Der Frühling hält Einzug, doch für Julia Ritter steht der Trainingskalender auf November. Statt hart für die Qualifikation zur Leichtathletik-Europameisterschaft in Paris zu trainieren und die letzten Reserven zu aktivieren, handelt die 21-Jährige, als stünde die Wintersaison noch vor der Tür.

Die Corona-Pandemie würfelt den Wettkampf-Kalender der Leichtathleten gehörig durcheinander. Niemand weiß so recht, wie es weitergehen wird. Für die erfolgreiche Kugelstoßerin Julia Ritter, die in Oberaden aufwuchs und inzwischen in Wattenscheid lebt, ist das aber kein großer Grund zum Jammern. Im Gegenteil. 

Coronavirus: „Ich habe Dinge gemacht, die Kugelstoßer eigentlich nicht machen: Ich bin Laufen gegangen.“

„Mein Traum von Olympia rückt näher“, sagt Julia Ritter. „Vielleicht kann ich wirklich Tokio von Nahem sehen und nicht nur im Fernsehen.“ Doch im Moment sei „alles ein bisschen kompliziert“. In der vergangenen Woche wurden alle Trainingsplätze und -hallen gesperrt. „Da bin ich dann zu meinen Eltern gefahren, da kann ich dann doch besser alternativ trainieren als in meiner kleinen Wohnung in Wattenscheid“, sagt die Dritte im Kugelstoßen bei der Deutschen Hallenmeisterschaften von Ende Februar in Leipzig. Wobei: „Ich habe Dinge gemacht, die Kugelstoßer eigentlich nicht machen: Ich bin Laufen gegangen.“ 

Krafttraining war in Oberaden nur im Ansatz möglich: „Ich habe hier nur eine kleine Stange mit 50 Kilo Gewicht, damit kann man nicht viel machen“, sagt Julia Ritter. An richtiger Trainingsstelle sind die Stangen deutlich länger und deutlich schwerer. „Mit meiner Stange hier kann ich gerade mal ein bisschen Bankdrücken machen“, sagt sie. „Ich kann jetzt nur zusehen, dass ich meine Kraft behalte, wenn ich sie schon nicht ausbauen kann.“

Der Traum von Olympia schien schon beendet

 Und Ganzkörperübungen sowie das für Kugelstoßerinnen so wichtige Reißen zu machen, das geht im elterlichen Garten schonmal gar nicht. Doch auch die Sportstätten des SuS Oberaden, die sie bei Besuchen in der Heimat immer wieder gerne nutzt, sind aktuell gesperrt. Seit 2016 lebt Julia Ritter in Wattenscheid und trainiert beim dortigen TV 01. Julia Ritter trainiert daher, wie es derzeit möglich ist. „Offiziell ist die EM ja auch noch nicht verschoben, auch wenn wir alle nicht glauben, dass sie stattfinden wird“, sagt Julia Ritter mit Blick auf die Wettkämpfe, die in Paris ausgetragen werden sollen. 

„Das wären sonst die unfairsten Spiele der Geschichte geworden“

Doch der Europäische Leichtathletikverband will die Entscheidung erst im Mai fällen. Sicher ist, dass die Weltmeisterschaft auf 2022 verschoben wird. „Die EM könnte daher problemlos auf 2021 verlegt werden – und wäre dann auch wieder nach Olympia“, sagt Julia – und eine gewisse Hoffnung hört man der Stimme der jungen Sportlerin selbst durch das Telefon an. Sie sei froh, dass das sportliche Weltereignis auf das nächste Jahr verschoben wurde. „Das wären sonst die unfairsten Spiele der Geschichte geworden“, sagt Julia Ritter, denn schon in Deutschland hätte es krasse Unterschiede bei den Trainingsmöglichkeiten gegeben. 

In Leipzig auf dem Siegertreppchen

„Die einen durften noch trainieren, während es anderen verboten war.“ Zudem seien die Dopingkontrollen ausgesetzt worden – „und auch für die Gesundheit der Menschen war es die richtige Entscheidung. Die Leute kommen doch aus allen Herrenländern dorthin“, sagt Julia Ritter. Die Verschiebung von Tokio 2020 aufs nächste Jahr kommt der 21-Jährigen aber auch ganz persönlich entgegen: „Mein Traum von Olympia rückt näher“, sagt sie. In diesem Jahr wäre das Ziel vonder Qualifikationsweiter von 18,50 Meter „unglaublich schwer“ geworden. Im kommenden Jahr kann das aber durchaus realistisch sein. „Ich werde mein Bestes geben“, verspricht sie. 

Aber unklar ist, ob es in diesem Jahr überhaupt noch eine Leichtathletik-Saison geben wird: Vor Ende Juni/Anfang Juli wird garantiert nichts passieren, und so hat Julia Ritter im Moment eine Trainingsphase wie sonst im Winter. „Für mich hat sich der Zeitraum jetzt wieder auf November 2019 verschoben“, sagt Julia. „Ich handele jetzt, als wäre es Wintersaison, auch wenn es sich nächste Woche wohl nicht wie Winter anfühlen wird. Aber dann kann ich ein bisschen draußen trainieren und mit meinem Aufbau weitermachen.“

 EM und WM sind ihre erklärten Ziele, Olympia wäre das i-Tüpfelchen. Zumindest 2021. „2024 soll es aber auf jeden Fall klappen“, sagt Julia. Und bis dahin gilt auch für sie, was für alle in diesen Zeiten das Wichtigste sein muss: Gesund bleiben.

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