Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

Und doch wieder ein Marathon

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So hässlich, dass sie schon wieder schön ist: Die Laufhose von Anne-Kathrin Mertens erregt Aufmerksamkeit. 

„Au Mann, deine Laufhose ist so hässlich, dass sie irgendwie schon wieder schön ist..." – Wenn du so bei einer Laufveranstaltung begrüßt wirst, weißt du, hier läuft man mit Freunden. Am Wochenende bin ich mal außerhalb der "Komfortzone" gelaufen.

Erstens mal mit ganz anderen Leuten als sonst und zweitens mal einen Marathon ohne ewige Vorbereitung in Form von langen Läufen vorher. Aber der Lemmy-Shirt-Mann von letzter Woche hat so nett gefragt, und ich bin halt einfach zu gut für diese Welt und hab „Ja“ gesagt. 

Ich weiß, irgendwann Anfang September meine ich mal was von „nie wieder Marathon“ geschrieben zu haben – aber gute Vorsätze sind ja dazu da, um gebrochen zu werden. Machen wir doch alle spätestens Mitte Januar, wenn wir dann doch wieder die Schokolade rausholen. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern... 

Ja, ich gebe zu, ich hatte etwas Muffensausen, ob das klappt, aber ich habe gedacht: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und wenn’s nicht mehr läuft, dann geh’ ich halt. Also stand ich da am Samstag in Dörentrup-Humfeld im Lipperland mit weiteren 68 Startern auf einer Straße irgendwo im Nirgendwo in einem kleinen Baugebiet. 

Ein kleines Schild „Start“ klemmte liebevoll an einem Holzzaun. Kurze Ansprache: „Wir haben hier keine Absperrung, den Weg findet ihr schon.“ Schnell war ich mit meiner Lauftruppe alleine. Also wir Freaks alleine. In einer tollen Landschaft: „Was ist das schön hier; ooh wie toll,“ jodelte Frank herum. 

Er ist Friedhofsgärtner und freute sich, dass wir zweimal an einem Mini-Dorf-Friedhof vorbei liefen. Und viele Steigungen gab es und Windräder. Eine nette ältere Dame hat uns voll abgehängt am Berg. Ich ging (ja, ich ging...) neben ihr und jammerte: „Mensch, geht das hier hoch.“ Und sie zwackelte auf ihren kurzen Beinchen an mir vorbei: „Ach Mädchen, du machst das doch freiwillig, oder?“ 

Und dann ließ sie mich stehen und lief den Berg hoch. Respekt! Mir tat ab Kilometer 25 meine komplette hintere Seite weh. Da war die Landschaft auch relativ egal. Ich hatte genug mit meiner Landschaft zu tun. Egal, hat da keinen interessiert. Ich konnte laut jammern, hat keiner gehört. Die Verpflegung war wie immer super, nur den männlichen Laufkollegen fehlte der Alkohol.

 Also hat Frank die Damen am Getränkestand auf der ersten Runde bezirzt und so bekamen wir in der zweiten Runde bei Kilometer 26 Bier und zusätzlich wurden noch Sekt und Schoki für uns Damen gebracht. Da vergisst man jeden Schmerz. Und das alles für 15 Euro Startgebühr. Das lob’ ich mir – die Städtemarathons kosten locker mal 60 bis 80. 

Und da gibt’s nie genug Toiletten. Hier mussten wir nicht mal anstehen, keine Dixieklo- Parade. Der Zieleinlauf war ein Tisch mit Schild „Ziel“. Dahinter zwei Leute, die die Nummer und Zeit notierten – old school. Und wir wurden direkt durchgewunken zum Glühwein. Den brauchte ich auch. Nach 4:32 Stunden bei schönem, aber auch kaltem Wetter tat der gut. Und kein Gedränge unter der Dusche. Als ich drunter stand, wußte ich warum: Warmes Wasser war wohl schon abgestellt. Aber der Lauf ist wirklich eine Reise wert. So kleine Veranstaltungen sollte man öfter besuchen. Die haben Charme.

Die gebürtige Wernerin Anne- Kathrin Mertens (38) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida, Fiete und Oskar wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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