Unter dem Motto "Erfahrung sammeln"

Sascha Ehlert läuft den Ultra Trail in Kapstadt: Diesmal wollte der Kopf nicht...

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Spektakuläre Aussichten bot der Tafelberg und das dortige Hochplateau immer wieder auf den Atlantischen Ozean.

Werne - Unter dem Motto „Erfahrungen sammeln“ hat Extrem-Läufer Sascha Ehlert das Sportjahr abgeschlossen. „2018 war zum Vergessen“, sagt der 49-Jährige schonungslos.

 Denn der Bergläufer scheiterte nach dem 111 Kilometer langen Ultra-Trail rund um Verbier im Sommer nun auch beim Ultra-Trail rund um das südafrikanische Kapstadt. 

Den Lauf über 100 Kilometer mit 4 250 Höhenmetern beendete der mittlerweile in der Schweiz lebende frühere Fußballer von VfL Werne nach 60 Kilometern.

 „In Verbier wollte der Kopf und die Beine nicht, jetzt wollten die Beine, aber der Kopf nicht mehr. Diese Erfahrungen muss man anscheinend machen, was man besser machen kann oder besser vorher sein lassen sollte“, zieht Ehlert seine Schlüsse.

 Mit diesen beiden Läufen wollte sich der frühere Mittelfeld-Renner des VfL Werne für den 170 Kilometer-Lauf rund um den Mont Blanc qualifizieren (den über 100 Kilometer schaffte er bereits vor zwei Jahren).

 Für das Aufgeben gab es verschiedene Gründe. Zum einem konnte er aus beruflichen Gründen im letzten Monat der Vorbereitungsphase nicht mehr wie gewünscht trainieren („Mein Chef sagte zwar, dass schafft Du auch so... Aber das macht sich natürlich bemerkbar“). Zum anderen waren die Begleitumstände ungünstig. 

Denn die Maximalzeit für die langsamsten Läufer war mit 17 Stunden äußerst knapp bemessen. Die zeitlich geringe Taktung mit den Läufern auf den kürzeren Strecken über 65 und 35 Kilometern sorgte zudem dafür, dass die Spitzenläufer früh aufschlossen und die Hobbyläufer auf der langen Strecke überholten. 

Demotivierende "Besenläufer"

Noch demotivierender waren die sogenannten „Besenläufer“, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass sie die Langsamsten mit zum Zielbereich ziehen. Doch in Kapstadt überholten diese permanent und einer von ihnen legte etwa einen Schnitt von 8,5 Minuten für einen Kilometer vor – Ehlert hatte für sich als Richtzeit zehn Minuten pro Kilometer vorgegeben. 

„Die haben einen moralisch runtergezogen. Die sind immer wieder aufgetaucht.“

 Erstmal keine weiteren Läufe geplant 

Und als die Gruppe um Ehlert an dem besonders schnellen „Besenläufer“ dran bleiben wollte, „haben wir viele Körner gelassen.“ 

Nach Kilometer 60 und elf Stunden Laufzeit rechnete Ehlert nach. Er musste die restlichen 40 Kilometer in sechs Stunden schaffen. „Das war nicht möglich“ – und so stieg er aus. Ohnehin finishten von 350 Startern nur 125.

 Ehlert absolvierte zwar im Herbst den Jungfrauen-Marathon inklusive 1 800 Höhenmeter in 5:55 Stunden – aber da hatte er auch keine 60 Kilometer in den Beinen. Dabei sei das ein Lauf „auf einer wunderschönen Strecke“ gewesen. 

Aber wegen des engen Zeitkorsetts hatte Ehlert kaum Zeit, die atemberaubenden Ausblicke vom Tafelberg mit bis zu 1 087 Meter Höhe aus über Kapstadt und zum Atlantischen Ozean oder auch den Sonnenaufgang zu genießen. „Ich hatte keine Zeit, Fotos von Flora und Fauna zu machen“, erklärte der Extrem-Sportler. 

Dabei hatte er auch im Vorfeld schon Selbstzweifel und fragte sich nach der Anmeldung: „Wie kann man so etwas im südafrikanischen Sommer machen?“ Dennoch waren die Temperaturen an den ersten Tagen nach der Ankunft angenehm und Ehlert unternahm auch einiges an Besichtigungen in und rund um Kapstadt sowie auf Robben Island. Nach dem Start um vier Uhr in der früh kam es auf der staubigen und trockenen Strecke auch zu Atemproblemen.

 „Anders als in den Alpen gab es auf der Strecke auch keine Möglichkeiten, sich an Gebirgsbächen zu erfrischen“, berichtet Ehlert. Als die Sonne heraus kam, in den Talkesseln kein Wind ging und es keinen Schatten gab, wurden die äußeren Bedingungen zu einer weiteren Probe. Wie es nun sportlich weiter geht, weiß Sascha Ehlert noch nicht. 

„Für 2019 ist erst einmal nichts geplant. Es kann aber sein, dass ich nächste Woche schon wieder vor dem Computer sitze und die nächsten Ultra-Läufe raussuche. Den Lauf in Kapstadt würde ich noch einmal versuchen, wenn die Anreise nicht so stressig wäre“, berichtet Ehlert auch von zwei 11-stündigen Flügen. In seinem Wohnort Seon im Kanton Aargau hat er die Berge direkt vor der Haustür.

 In Spitzenzeiten läuft der 49-Jährige 60, 70 Kilometer pro Woche. Wenn er sich aus beruflichen Gründen aufs Wochenende beschränken muss, sind es 20 bis 30. „Da schreit mein Körper nach“, geht es nicht ohne Bewegung. Ein vor Jahren gefasstes Ziel will der Bergläufer dann aber doch nicht verwirklichen. „Eigentlich wollte ich bis zu meinem 50. Geburtstag den Marathon in New York laufen. Aber nee.“ Dabei findet Ehlert, dass Marathons schwieriger seien als Ultra-Bergläufe, denn: „Da läuft man schneller.“ 

Mit dem privaten Fanclub auch auf Erkundungstour: Sascha Ehlert mit seiner Schwester Kirsten und Schwager Matthias Gentz am Kap der Guten Hoffnung. 

Was dem in der Fleischveredlung tätigen Ehlert fehlt, ist eine Läufergruppe mit gleichen Interessen und auf etwa gleichem Niveau. „Dann könnte man sich austauschen und käme auch aus seiner Komfortzone.“ Doch im kleinen Seon gibt es nicht so viele Laufverrückte wie den Werner...

Die Frage der Motivation

Warum tut man sich so etwas an? „Das ganze Umfeld, die Stimmung beim Start, wenn es im Fackelschein los geht, die bombastische Musik von Vangelis, die Läufer, die mit einem Leiden und die Leute, die einen an der Strecke anfeuern“, sagt Ehlert.

 Dazu gehörten erneut seine Schwester Kirsten und Schwager Matthias Gentz, die aus Rünthe anreisten und ihre Unterstützung mit einem Urlaub in Südafrika verbunden hatten. Das Trio unternahm zudem einiges gemeinsam. 

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