Familiäre Atmosphäre bei der Bogensport-DM

Der Bergkamener Marco Breyer im Wettkampf

BERGKAMEN – Ungewöhnlich ruhig ist es in der Sporthalle am Friedrichsberg. Konzentrierte Stille herrscht. Eine Hupe ertönt – und eine ganze Armada an Bogenschützen begibt sich zur Schusslinie.

20 Sekunden haben die Schützen Zeit, um sich vorzubereiten. Dann ertönt das nächste Signal. Ein Zischen ist zu hören, ein kurzes Plopp. Die Pfeile haben ihr Ziel getroffen. Zwei weitere warten darauf, abgeschossen zu werden. Insgesamt haben die Bogenschützen 120 Sekunden Zeit, um die drei Pfeile ins Ziel zu bringen.

Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich die Kontrahenten – doch spannend ist das hauptsächlich für die Schützen selbst. Die Besucherzahlen halten sich in Grenzen, es sind eher die Schützen und deren Gefolge, die sich in den Sporthallen am Friedrichsberg tummeln. Applaus gibt es nur bei der Siegerehrung – denn die Qualität der Treffer ist für die Zuschauer nur per Fernglas genau auszumachen. „Biathlon ist da schon spannender“, sagt Organisator Marcel Breyer.

Dennoch ist die Austragung einer Deutschen Meisterschaft in Bergkamen etwas Besonderes. 18 Meter von den nagelneuen Zielscheiben entfernt haben die Bogenschützen Aufstellung genommen. Der jüngste der rund 130 Starter an diesem Tag ist zwölf Jahre, der älteste 78 Jahre alt. Alle dazwischen sind wie eine große Familie. Man kennt sich, man mag sich – und der Konkurrenzkampf wird nur an den Scheiben ausgetragen.

„Haben heute den Tag der Rekorde“

Das nächste akustische Signal ertönt: Der Wechsel erfolgt. Die nächste Gruppe der Bogenschützen nimmt die Zielscheiben ins Visier. Vorbereiten, zielen, abschießen – dann ertönt die dreiteilige Fanfare. Alle Schützen können nun gemeinsam mit dem Kampfrichtergespann die Ergebnisse einholen. Dann wird die Startreihenfolge getauscht und das Spektakel beginnt von vorne.

133 Teilnehmer hatten sich für die Deutschen Hallen-Meisterschaften der Bogenschützen im Behindertensport angemeldet – und bis auf wenige krankheitsbedingte Absagen sind alle nach Bergkamen gekommen. Ob aus Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Hamburg – die Teilnehmer stammen aus ganz Deutschland. „Wir haben heute den Tag der Rekorde“, freut sich Marco Breyer als Vorsitzender der heimischen Bogenschützen und Ausrichter des Turniers. „Wir haben nicht nur die meisten Teilnehmer bei einer Deutschen Meisterschaft bisher, sondern mit 25 auch so viele Rolli-Fahrer wie noch nie.“

Viele der Sportler, die bei den Deutschen Meisterschaften des Behindertensportverbands an den Start gingen, haben eine Behinderung, die man kaum bis gar nicht wahrnimmt. Denn auch Zuckerkranke und Menschen mit Bandscheibenproblemen erfüllen schon die Voraussetzung des 20-prozentigen Grades einer Behinderung. Doch in der Friedrichsbergsporthalle gehen auch Rollstuhlfahrer, Gehörlose, ein Behinderter mit Down-Syndrom oder auch ein Unterarm-Amputierter an den Start – klassifiziert nach Art der Behinderung und nach Art des Bogens. Denn auch wenn der Abstand mit 18 Metern für alle Gruppen gleich ist, wird doch mit unterschiedlichen Bögen auf unterschiedliche Zielschreiben geschossen.

Sicherheit steht an erster Stelle

Neben der Fairness – die Nationale Dopingagentur ist vor Ort und zieht einen Schützen zur Stichprobe – steht vor allem die Sicherheit hoch im Kurs. Überall, wo Zuschauer fliegenden Pfeilen begegnen könnten, sind Wachposten aufgestellt. Erst wenn die Hupen Entwarnung geben, darf der Bereich passiert werden. Denn leise ist es in der Sporthalle. Es herrscht konzentrierte Stille. Das Spannen der Sehnen erzeugt kein Geräusch. Dann ist ein Zischen zu hören, gefolgt von einem kurzen Plopp. Die Pfeile haben ihr Ziel getroffen. - tat

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