Weltmeister Lucas Liß und der deutsche Meister Jan Tschernoster

Die besten Bergkamener Radrennfahrer machen einen klaren Schnitt

+
Jan Tschernoster (links) nach dem 11. Poco-Cup des RSC Werne im Gespräch mit dem Sieger Leon Echtermann.

Bergkamen/Werne – Ein großer Einschnitt steht nach dieser Saison für die beiden besten Bergkamener Radrennfahrer an. Denn sowohl Jan Tschernoster und Lucas Liß werden sich umorientieren. Der 23-jährige Jan Tschernoster hatte bereits vor dem Saisonstart angekündigt, dass dies seine letzte Saison sein werde.

Und auch der 27-jährige Bahn-Weltmeister Lucas Liß begräbt desillusioniert seinen Traum von der weiteren Profi-Karriere und auch vom Start bei den Olympischen Spielen in Tokyo im kommenden Jahr. „Ich werde eine berufliche Ausbildung beginnen“, sagt der U23-Europameister von 2012 im Omnium.

 Liß wechselte zu Beginn dieser Saison zum Team Sauerland vom Team Heizomat rad.net, bei dem auch Jan Tschernoster als Straßenrennfahrer noch aktiv ist. Liß fuhr sowohl auf der Bahn als auch auf der Straße. In den vergangenen zwei Jahren nach dem zweiten Platz bei der Bahnweltmeisterschaft im Scratch im Jahr 2017 stockte seine Karriere. Denn im Dezember 2017 stürzte Liß beim Training für die deutschen Omnium-Meisterschaften in der Oderlandhalle in Frankfurt/Oder nach der Kollision mit einem anderen Rennfahrer schwer. Im Krankenhaus wurden bei ihm ein Riss im rechten Lungenflügel sowie Prellungen festgestellt – ein herber Rückschlag.

Knieverletzung bremst Liß aus

 In diesem Jahr sorgte zudem eine langwierige Knie-Verletzung dafür, dass es nicht rund lief und er für Bund Deutscher Radfahrer nicht mehr zu den Kandidaten zählte, die sich für die Olympischen Spiele qualifizieren können. Nun folgt die Zäsur. Da es zudem auch immer weniger Radrenn-Teams in Deutschland gibt und die Sponsorensuche schwieriger geworden ist, macht Liß den Cut. „Man hat ja einen gewissen Lebensstandard. Und der ist mit dem Radfahren nicht zu erreichen“, sagt der fünfache Deutsche Meister Liß, der diese Titel im Scratch und der Mannschaftsverfolgung holte. Dazu kommen die hohen Kosten, etwa für seine Rennmaschinen. 

Am 3. Oktober beim Münsterland Giro steigt Jan Tschernoster letztmals in den Rennsattel für sein aktuelles Team Heizomat rad.net. „Danach werde ich mein Rad erst einmal in den Keller stellen. Mal abwarten, wie lange es dauert, bis ich es wieder heraus hole“, sagt der 23-Jährige. Er wird im kommenden Jahr sein Maschinenbau-Fernstudium intensivieren. „Ich muss noch drei Semester absolvieren, dazu ist ein halbjähriges Praktikum geplant“, erzählt der zweifache Sieger bei der Oder-Rundfahrt und Deutscher Meister im Mannschaftszeitfahren (2016). 

Lucas Liß

Die Alternative wäre: „Ich könnte ein paar Jahre noch für 1000 Euro pro Monat bei einem Kontinental-Team irgendwo im Ausland immer im Kreis rumfahren. Aber das ist keine Alternative. Deswegen mache ich den klaren Schnitt“, sagt der Gewinner in der Gesamtwertung der Rad-Bundesliga in 2016 mit dem Team rad-net Rose. „Das war meine letzte Saion auf diesem Niveau“, erklärt Tschernoster. Für die motivierte er sich noch einmal voll. „Ich bin sehr dankbar für die Chance, die ich vom Team und der Bundeswehr bekommen habe“, sagt Tschernoster, der Mitglied der Sportförderkompanie ist. Am Anfang der Saison habe auch „das Quäntchen Glück“ gefehlt. Dann folgte im Mai ein Unfall beim Training, als er in Bergkamen mit einer Radfahrerin kollidierte und sich dabei den linken Arm so weit aufschlitzte, dass Nerven und Sehnen verletzt wurden.

Tschernoster: Ich fahre dann für den RSC Werne

 „Man verpackt einen Rückschlag. Aber trotzdem ist das Maß irgendwann voll“, sagt Tschernoster. Denn im Vorjahr zog er sich ebenfalls Mitten in der Saison einen Beckenbruch zu. Trotz der Motivationsprobleme kämpfte sich Tschernoster zurück. „Aber das Rennprogramm in der zweiten Saisonhälfte war eher dünn.“ Eine weitere große Enttäuschung war, dass sich sein Kontinental-Team nicht für die gerade beendete Deutschland-Rundfahrt qualifiziert hatte, weil es zu wenig Punkte in der UCI-Wertung und in der Rad-Bundesliga zusammen bekommen hatte.

 So stehen nun noch drei Bundesliga-Rennen an und abschließend der Münsterland Giro am Tag der Deutschen Einheit. Ganz aufhören wird er aber nicht. „Wenn man mich in der kommenden Saison bei Tagesrennen sieht, werde ich im Trikot des RSC Werne fahren“, kündigt Tschernoster an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare