Mannschaftstraining ist nicht möglich

Bergkamener Reiter haben nur wenig Verständnis für das Unterrichtsverbot in Hallen

Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen dürfen die Reiter nicht in die Reithalle.
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Britta Brinkmann und die anderen Mitglieder der Voltigierabteilung des RV Bergkamen-Overberge müssen derzeit auf das Training verzichten.

Dass Corona-Schutzmaßnahmen notwendig sind, steht für Christiane Brinkmann fest. Dass alle Regelungen durchdacht sind, daran zweifelt sie manchmal. Vor allem, wenn es um die Auflagen für den Reitsport geht. Seit Monaten kann die Trainerin der Voltigierabteilung des Reitsportvereins Bergkamen-Overberge nicht mehr unterrichten. „Wir dürfen seit Oktober nicht mehr trainieren“, sagt sie. An der Sunray Ranch sind inzwischen wieder Einzelreitstunden möglich.

Bergkamen - Dass Mannschaftstraining, bei dem mehrere Kinder auf dem Pferd voltigieren, keine Option ist, das sei klar, betont Brinkmann. „Aber Einzeltraining wäre problemfrei möglich.“ Näher als ein paar Meter kommen die Trainerin und ihre Schützlinge sich dabei kaum. Nur, wenn sie oder ihre Tochter jüngere Kinder aufs Pferd heben, besteht für ein paar Augenblicke engerer Kontakt. „Aber dabei haben wir schon alle Masken getragen, als wir 2020 von Juni bis Oktober trainieren durften.“

So wäre das Training für die 20 bis 30 Aktiven des Vereins auch jetzt möglich – auf dem Reitplatz. „Wir haben aber nur eine Reithalle“, sagt Brinkmann. Die gelte als umschlossener Raum. Ergo: Trainingsverbot. Wer sich ein bisschen auskenne, könne sich nur wundern. „In den allermeisten Reithallen zieht man sich besser warm an, so zugig ist es.“ Auch die Halle in Unna-Billmerich, wo das Team normalerweise trainiert, ist da keine Ausnahme. „Im vergangenen Winter waren zwei Drittel der Halle zugeschneit. Und wo Schnee durchkommt, kommt ja wohl auch Luft durch. Außerdem könnten wir beide Tore offenlassen.“ Nichtsdestotrotz: Hallentraining ist weiterhin verboten. Das hinterlässt Spuren. „Anfangs war ich geschockt, dann gefrustet.“ Jetzt sei sie resigniert.

Kinder vermissen ihren Trainingspartner Captain Balou

„Für die Kinder ist das eine Katastrophe“, sagt Brinkmann. Sie könne nur hoffen, dass sie über die Zeit nicht die Lust am Voltigieren verlieren. Viele seien ebenfalls resigniert. Auch, weil sie Captain Balou vermissen, den elfjährigen Wallach der Abteilung. „Sie sind einfach traurig und sagen: ‘Wenn wir ihn wenigstens mal sehen könnten.‘ Aber da auf der Anlage strenge Regeln herrschen, ist das nicht möglich.“

Captain Balou ist indes ein weiterer Faktor, der die Abteilung vor eine Herausforderung stellt: „Die Kosten laufen zu 100 Prozent weiter. Er braucht Futter, Einstreu, er ist versichert“, zählt Brinkmann auf. Mehr als zwei Drittel der Familien bezahlten den Mitgliedsbeitrag trotz der Trainingspause. „Darüber sind wir sehr glücklich, dadurch ist alles noch stemmbar.“ Auch vom Hauptverein habe es finanzielle Unterstützung gegeben, um den Wallach zu halten.

Der Hauptverein habe es besser, sagt die Vorsitzende Rieke Bolle-Kniest. „Wir haben keine Reitschule und keine Schulpferde, unsere Reiter haben alle Privatpferde.“ Auf Turniere müssten sie noch immer verzichten. „Aber da Einzelunterricht auf dem Reitplatz erlaubt ist, haben wir Glück und sind nicht so sehr betroffen.“

Einzelunterricht im Freien erlaubt

Seitdem Einzelunterricht im Freien erlaubt ist, läuft er auch auf der Sunray Ranch wieder. „Unsere Schüler haben sowieso meist Einzelstunden, also ist das nicht so eine Umstellung“, erzählt Ann-Kathrin Schulz. Neue Reitschüler nehmen die Tochter des Inhabers Albert Schulz und Team im Moment aber nicht an. „Wir können keinen Abstand halten, wenn wir einem Neuling erklären, wie er das Pferd putzen oder satteln muss“, erklärt Schulz. Das seien aber auch die einzigen Momente, in denen im Reitsport kein Abstand möglich sei. „Darum können wir auch nicht verstehen, dass der Unterricht überhaupt abgesagt werden musste.“

Damit spricht sie Christiane Brinkmann aus der Seele: „Hätte mir das jemand vor zwei Jahren prophezeit, hätte ich kein Wort geglaubt. Beim Reiten und Voltigieren steckt sich niemand an. Auf dem Pferd ist Platz genug.“

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