Ahmad Kahad hat bei den LippeBaskets seine verlorene Liebe wiedergefunden

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Ahmad Kahad beim Training. Es sind momentan seine glücklichsten Momente, die nicht nur für Abwechslung sorgen.

Werne - Von der 1. syrischen Liga in die zweittiefste in Deutschland ist schon ein ziemlicher Abstieg. Für Ahmad Kahad ist das allerdings einhergehend mit der Wiederbelebung eines Traums.

Denn der 28-jährige Flüchtling aus Syrien spielt nun in der zweiten Herrenmannschaft der LippeBaskets Werne in der Bezirksliga.

Seit über drei Jahren hatte der frühere Erstliga-Spieler in Diensten von Al Jalaa Aleppo keinen Basketball mehr in der Hand gehalten. Als er vor zwei Monaten nach Werne kam, fragte er bei der Flüchtlingshilfe nach, ob es hier in der Region einen Basketball-Verein geben würde.

Den gibt es mit den LippeBaskets sogar vor Ort. Und so nahm Ahmad Kahad schüchtern den Kontakt auf. Das mündete darin, dass er sofort Teil der zweiten Mannschaft wurde.

Spielgenehmigung in drei Wochen erhalten

Dort ist Jan König sein Trainer und dessen Bruder Tim als Spieler dieser Mannschaft kümmert sich nun intensiv um den Neuzugang. Dabei ging es erstaunlich schnell mit der Spielgenehmigung. „Das war innerhalb von drei Wochen zwischen dem Deutschen Basketball-Bund und dem syrischen Basketballverband erledigt“, wunderte sich Tim König, dass dieser bürokratische Ablauf im Bürgerkriegsland Syrien prompt erledigt wurde.

Andrej Docenko als Ersatzcoach der LippeBaskets II bei der Teamansprache gegen Schwerte – es war Ahmad Kahads erster Einsatz.

Eine Woche vor den Herbstferien stand Kahad als Spieler erstmals für die Reserve der LippeBaskets in der Ballspielhalle auf dem Parkett. Erstmals nach über drei Jahren durfte der Spielmacher wieder im Rahmen eines Meisterschaftsspiels im Sportdress mit Teamkameraden seinem Lieblingssport nachgehen. Wie der Moment war, als er gegen den Landesliga-Absteiger Schwerter TS wieder spielte, kann Kahad kaum in Worte fassen. „Es war so, als ob er eine große Liebe wieder gefunden hat, die lange verloren war“, drückt sein Mitspieler und Mentor Tim König malerisch aus, wie er es erlebt hat.

„Ich war schon nervös am Anfang und beim Aufwärmen“, sagt der dribbel- und wurfstarke Aufbauspieler. „Aber nach einer Minute war das vergessen.“ 28 von 40 Minuten stand er bei seinem Debüt auf dem Parkett, schaffte es aber nicht, mit seinem Team trotz seiner zehn Punkte die erste Saisonniederlage beim 71:76 abzuwenden.

Allerdings traten die Werner auch ersatzgeschwächt an, so fehlte etwa Spielertrainer Jan König aus beruflichen Gründen. Deswegen musste bereits Kahad schon für lange Zeit die Rolle ausfüllen, das Angriffsspiel seines Team zu organisieren.

Ahmad Kahad (rechts) – hier mit einigen Mitspielern in seiner Zeit beim syrischen Erstligisten Al Jalaa Aleppo vor seiner Flucht.

Das war auch schon die Rolle, die Kahad bei seinem Heimatverein Al Jalaa Aleppo übernahm, 2009 syrischer Meister. Angefangen mit dem Sport ist er mit sechs Jahren – und das merkt man auch, sagt sein Trainer Jan König: „Bei Ahmad hat man bereits im ersten Training gemerkt, dass er ein totales Verständnis für dieses Spiel hat. Er geht in die richtigen Wege und er steht immer richtig. Er weiß, wie er seine Mitspieler in Szene zu setzen hat. Er ist ein ziemlich kompletter Spieler auf der Position eins und zwei. Er hat ein super Händchen von außen“, findet sein Trainer Jan König lobende Worte. Und: „Er soll ja meine Rolle übernehmen, da ich hoch gehe in die ‘Erste’“, kommt auf den wurfsicheren Spieler eine wichtige Aufgabe nach den Herbstferien zu, wie Jan König meint: „Er läuft zwar noch nicht viel, aber er ist auch nicht richtig fit nach der langen Pause. Wenn er mit der Fitness zulegt, wird er ein wichtiger Spieler für die Reserve, weil er auch ein sehr scoring-fokussierter Spieler ist“, sagt Jan König.

Tim König meint, dass sein neuer Mitspieler das Zeug bis zur Oberliga hat – der Liga, in der die „Erste“ der LippeBaskets beheimatet ist.

Kahad genießt sichtlich die Abwechslung und die Zeit, die er beim Training verbringt und fühlt sich gut aufgenommen. „Alle sind sehr freundlich und wollen helfen“, sagt er über seine Mitspieler. Und sein Trainer ergänzt: „Er ist nicht mehr so schüchtern und fragt nun schon mal nach, wenn er etwas nicht mitgekriegt hat. Wir versuchen, beim Training englisch zu sprechen.“

Engagement in der Jugendarbeit?

Ahmad Kahad trainierte in seiner syrischen Heimat in Aleppo auch den Nachwuchs – eine Rolle, die er auch gerne bei den LippBaskets übernehmen würde.

Und unter Umständen wartet noch eine weitere Aufgabe bei den LippeBaskets. Denn bei seinem Heimatverein Al Jalaa war Kahad in der Nachwuchsarbeit eingebunden. „Vielleicht kann er ja zunächst als Co-Trainer bei einer Jungenmannschaft mitmachen“, meint Tim König, zum Reinschnuppern. Denn um ein Nachwuchsteam komplett zu übernehmen, gibt es aktuell zwei Hindernisse: die Sprachbarriere und die fehlende Trainerlizenz. Aber zumindest am ersten Handicap arbeitet Ahmad Kahad bereits: er will bald deutsch sprechen können.

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