Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

Die Arroganz der Jugend?

Erst einmal eine Woche drüber schlafen musste ich über meinen letzten Lauf. Es war der Kurparklauf in Unna. Ich gebe zu, es war Schmuddelwetter, also zum auf der Couch bleiben und Tee trinken. Aber da ich ja zuhause nie Tee auf der Couch in Ruhe trinken kann, ohne dass ich einen Ball vor den Kopf geschossen kriege von den zwei Fußballjungs, bin ich dann doch nach Unna gefahren – wieder mit einer Erzieherin und diesmal war auch noch eine Arzthelferin aus Werne dabei.

Sicher ist sicher, falls was passiert; auch wenn sie sonst eher für „Männerprobleme“ zuständig ist. Aber laufen können die Beiden. Für den Abend hatten wir eh eine kleine Weihnachtsfeier der Hobby-Laufgruppe „Tratschlatschen on Tour“ ausgemacht und so verdienten wir uns Schnitzel und Fritten beim Fünf-Kilometer-Lauf. 

Nach den letzten langen Läufen war das „Rennen“ mal wieder richtig schön. Was sind schon fünf Kilometer? Nun ja, da in Unna waren es vier Runden durch den matschigen Kurpark plus einer kleinen Trail-Einheit über eine matschige Wiese mit Schlaglöchern. 

Im Auto hatte ich groß mit der Läuferweisheit geglänzt: „Bei fünf Kilometer müsst ihr direkt rennen, da ist nix mit einteilen.“ Also rasten die Weibsen los. Und sie überholten mich direkt nach dem Startschuss. Ich war so perplex, dass ich erst einmal laut lachen musste. „Was macht ihr? Spinnt ihr?“ 

Zur Sicherheit linste ich auf meine Uhr, um sicher zu gehen, dass ich nicht zu langsam war. Tatsächlich aber waren die Beiden viel zu schnell. Wussten sie auch, denn die wollten mich foppen. Naja, nach 300 Metern war der Spaß vorbei und ich lief an ihnen vorbei. Grinsend. Ruckzuck war ich zweite Frau im Gesamtfeld. Ehrlich gesagt, kommt das so gut wie nie vor, aber die anderen schnellen Frauen waren wohl auf ihrer Couch beim Tee geblieben. 

Naja, an die Erste kam ich nicht heran. In der zweiten Runde überholte mich noch ein älterer Herr, an dem wollte ich gerne dran bleiben... Aber nun ja, Alter, Weisheit und anscheinend auch ziemlich gute Fitness machten es mir leider unmöglich, den zu überholen. Der Abstand blieb gleich. Nicht schlecht. 

Im Ziel, voll mit Matsche an den Beinen, unterhielten wir uns noch kurz. Ich zeigte mich respektvoll vor seiner Leistung. Zur ersten Dame im Rennen bin ich auch gegangen – war leider keine „Ehrenfrau“ (Sie wissen schon: Jugendwort des Jahres ). Ich hab ihr gratuliert zur super Zeit. Und sie? Dreht sich einfach wortlos um. Okay, sie war U16. Dachte sicher, was will die Olle denn jetzt von mir? Der ältere Herr und ich grinsten uns nur an. Das muss sie noch lernen. Da muss dann wohl mal wieder die Erzieherin ran und erklären, wie man sich verhält als „Ehrenfrau“.

Die gebürtige Wernerin Anne- Kathrin Mertens (38) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida, Fiete und Oskar wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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