90-jähriger Waldemar Schlesiger ist beim SuS Rünthe "Betreuer aus Leidenschaft"

+
Einer aus dem Hintergrund steht plötzlich im Vordergrund: Aus Anlass des 90. Geburtstages von Waldemar Schlesiger (vorne) spielten „seine“ Altherren des SuS Rünthe (weiße Trikots) am Samstag gegen Eintracht Werne.

Rünthe – Er ist der älteste noch aktive Betreuer einer Fußballmannschaft weit und breit – und vermutlich auch zumindest in Westfalen. Waldemar Schlesiger wurde bereits vor über einem Monat am 6. Juni 90 Jahre alt.

Aus diesem Anlass trafen sich nun am vergangenen Samstag die vom ihm betreuten Altherren des SuS Rünthe 08 zu einem Freundschaftsspiel gegen die Altherren von Eintracht Werne am Schacht III. 

Schlesiger wurde vor dem Anpfiff durch auch von Gäste-Obmann Theo Plohmann geehrt. „Du bist ein feiner Mensch und wird sind gerne der Einladung gefolgt, zu Deinen Ehren zu spielen“, sagte Plohmann vor dem Anpfiff der Partie, die 1:1 endete (Tor für SuS 08 durch Peter Gattner, für die Eintracht traf Sascha Hermann). Die Ehrung war Schlesiger eher unangenehm – denn er steht nicht so gerne im Mittelpunkt. 

Andreas Kubicki, langjähriger Vereinsvorsitzender des SuS 08 bis zu seinem Rücktritt im Frühjahr und zudem auch viele Jahre Altherren-Obmann der „Nullachter“, schwärmt regelrecht von Schlesiger: „Waldemar ist ein großartiger Mensch. Es hat immer Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten. Und das vielleicht Wichtigste: Er ist immer noch mit Leidenschaft dabei“, sagt Kubicki. 

Dazu passt auch, dass Schlesiger nicht das Vereinstrikot angezogen hat, dass er zum 90. Geburtstag von seinen Altherren-Spielern geschenkt bekam. Denn er trägt stattdessen ein Jeanshemd, weil das eben Taschen für seinen Notizblock und Stift hat. „Da haben wir bei dem Geschenk nicht richtig nachgedacht“, sagt Kubicki lachend. 

Seit 44 Jahren Betreuer

Besonders an Schlesiger ist auch, dass er mittlerweile seit 44 Jahren die Altherren des SuS Rünthe unterstützt und begleitet. Seit 1975 ist er dabei und hat seitdem Generationen von Spielern betreut. Zu den Altherren kam er über die mit ihm befreundeten Billardspieler Meinholf Hagemeier und Karl-Heinz Anderson, mit denen er zusammen am Queue in einem Rünther Verein aktiv war. Die beiden Freunde spielten auch Fußball.

Waldemar Schlesiger

 „Meinholf Hagemeier sagte zu mir: Du kommst doch sowieso immer zu den Altherren gucken, da kannst du dich auf aufnehmen lassen und den Betreuer machen“, erinnert sich Schlesiger an seine Anfänge. 

Ab 1977 dokumentierte er alle Spiele, eingesetzte Akteure und Torschützen, damit am Saisonende die besten Torschützen und fleißigsten Spieler ihre verdiente Auszeichnung erhielten. Schlesiger berichtet später mit brüchiger Stimme und unter Tränen vom Tod seiner Frau Ingrid im vergangenen Jahr, die mit 87 Jahren gestorben ist und mit der er 68 Jahre lang verheiratet war.

 „Meine Kinder Monika und Horst haben zu mir gesagt, dass ich weiter zu den Alten Herren gehen soll“, berichtet Schlesiger. Und so half ihm auch der Kontakt zu einem Teil seiner gewohnten Umgebung mit guten Freunden über den größten Schmerz hinweg.

Keine Gedanken ans Aufhören

 Ans Aufhören denkt Schlesiger nicht. Wie lange er noch weiter machen möchte? „Solange ich kann“, sagt er. „Ich hoffe, wir haben noch ein paar gemeinsame gute Jahre“, ergänzt Kubicki. 

Zu dem Spiel am Schacht III am Samstag kam er mit dem Fahrrad von seiner Wohnung am Ostenhellweg angefahren. „Fahrrad, kein E-Bike, um Gottes Willen“, sagt Schlesiger bestimmt. Der gebürtige Rünther – „ich bin nie aus Rünthe rausgekommen“ – lernte von 1943 bis 46 Bäcker. Da die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg schwierig war, wechselte Schlesiger 1949 in den Tiefbau. Danach wurde er Hauer unter Tage auf der Zeche Werne bis zur deren Schließung im Jahr 1975.

 Die sportlich erfolgreichste Zeit waren die frühen Nullerjahre des neuen Jahrhunderts. „Da haben wir ihm den ersten Gewinn der Stadtmeisterschaft überhaupt geschenkt“, erinnert sich Kubicki. Auch das Jubiläumsspiel 2011 aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Altherren-Abteilung gegen die Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund war ein besonderes Erlebnis, an da sich Schlesiger gerne zurück erinnert.

Mit 79 Jahren das erste Mal geflogen - wegen eines früheren Spielers

 Und ein ehemaliger Spieler sorgte dafür, dass Schlesiger im Alter von 79 Jahren erstmals in seinem Leben in ein Flugzeug stieg: Denn die Altherren machten einen längeren Ausflug nach Finnland, um ihren nach Lahti ausgewanderten früheren Mitspieler Robert Kensbock zu besuchen und erkundeten auch Helsinski dabei. „Das war ein Highlight“, sagt Schlesiger, der sich auch gerne an andere Mannschaftsfahrten erinnert.

 Und er genießt es sichtlich, im Kreis von Freunden zu sein, wie es eben auch diese beiden Altherrenteams sind. „Die beste Freundschaft habe ich immer noch zum Evenkamp“, sagt Schlesiger. Das sieht man, wenn er sich etwa herzlich mit dem Eintracht-Spieler Herbert Poggenpohl unterhält.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare