Hammer Sportgala 2020

Sportlerin des Jahres: Manon Kruse holt Titel am Fließband

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Manon Kruse ist Hamms Sportlerin des Jahres 2019.

Zweimal stand Manon Kruse schon auf der großen Bühne und hoffte, dass sie den Preis zur Hammer Sportlerin des Jahres entgegennehmen darf. Doch beide Male wurde die mittlerweile 39 Jahre alte Tennisspielerin, die derzeit für den TC Union Münster aufschlägt, enttäuscht.

2014 belegte sie hinter Jasmin Schornberg den zweiten Rang. Und auch im vergangenen Jahr musste sie als Zweitplatzierte zuschauen, wie die junge Leichtathletin Linn Kleine den Siegerpreis überreicht bekam. „Es ist immer eine schöne Sache und eine Ehre, wenn man überhaupt die Vorauswahl übersteht und bei den Top drei dabei ist. Daher war ich nie bedröppelt oder traurig“, sagt die in Frankfurt arbeitende Kruse, die auch in diesem Jahr wieder mit viel Lust und Laune nach Hamm zur Alfred-Fischer-Halle gekommen war.

„Nur als vor fünf Jahren dann Carl-Uwe Steeb die Ehrung vornahm, hatte ich schon ein bisschen daran geglaubt, dass ich gewinne.“ Doch das Verpasste holte sie nun im dritten Versuch nach und setzte sich recht deutlich vor der Nachwuchsruderin Lene Mührs und Kanuslalom-Ass Jasmin Schornberg durch.

Das Ergebnis

Sportlerin des Jahres

Stimmen absolut

Stimmen in Prozent

1. Manon Kruse

1433

53,25 %

2. Lene Mührs

718

26,68 %

3. Jasmin Schornberg

540

20,07 %

Verdient hat sich Kruse die Ehrung allemal. Denn auch im vergangenen Jahr hatte sie einmal mehr auf beeindruckende Weise Altersklassentitel am Fließband eingeheimst. Bei den Deutschen Meisterschaften in der Halle und im Sommer stand sie gleich fünfmal ganz oben auf dem Siegerpodest. Und auch bei der Young Seniors Weltmeisterschaften in Miami trumpfte sie einmal mehr stark auf, schraubte ihre Ausbeute bei diesen Titelkämpfen auf zehn Medaillen hoch und knüpfte fast nahtlos an ihren goldenen Triumphzug von 2018 an.

Den Anfang machte der Team-Wettbewerb, wo sie zusammen mit ihren Mannschaftskolleginnen Steffi Bachofer, Corina Scholten und Christine Kraupa das Maß aller Dinge war. Fast selbstverständlich, dass die gebürtige Hammerin, die weiterhin Mitglied beim Ruderclub ist, im Finale gegen die Niederlande ihr Spiel gegen Olga Kalyuzhnaya mit 6:2, 6:1 gewann. In der Einzelkonkurrenz, in der sie als Titelverteidigerin an den Start gegangen war, schied sie im Halbfinale gegen die Amerikanerin Anda Perianu mit 2:6, 6:3, 2:6 aus, sicherte sich aber als Trostpflaster die WM-Bronzemedaille.

Gold gab es dann aber im Doppel. An der Seite von Bachofer triumphierte Kruse im Endspiel mit 6:3, 6:3 gegen das slowakische Duo Silvia Chuda/Patricia Rogulski und sicherte sich damit die sechste Goldmedaille ihrer Karriere bei einer Weltmeisterschaft. Einzig im Mixed blieb die Hammerin ohne Edelmetall. Ihr Doppelpartner Romano Franzen (Niederlande) war angeschlagen, so dass das Duo bereits im Viertelfinale mit 4:6, 3:6 gegen die topgelisteten Liina Suurvaik (Estland)/Andriy Baidikov (Ukraine) ausschied. „Die Bilanz im Vorjahr war ein kleines bisschen besser. Dennoch war ich insgesamt natürlich wieder super zufrieden“, sagte Kruse, die zudem schon vor der Weltmeisterschaft in Florida eine weitere Ehrung erhalten hatte. An der Middle Tennessee State University, für die sie von 2000 bis 2004 spielte, wurde die 39-Jährige in die Hall of Fame aufgenommen.

Und daher genoss sie den Abend in der Alfred-Fischer-Halle in vollen Zügen. „Im letzten Jahr musste ich an dem Tag nach der Gala ein Mannschaftsspiel bestreiten, war daher früh im Bett. Jetzt muss ich erst zwei Tage später wieder auf den Court. Daher freue ich mich umso mehr“, sagte sie.

Der Ehrengast: Michael Stich

Michael Stich

Als Frank Scharschmidt, Veranstalter der Hammer Sportgala, vor einigen Wochen mit Michael Stich (51) einen der erfolgreichsten deutschen Tennisspieler aller Zeiten als Ehrengast verpflichtete, wusste er nicht, dass er damit ein kleines Wiedersehenstreffen organisieren würde. Auch der frühere Wimbledon- und Olympiasieger aus Hamburg war überrascht, als er am Rande der großen Bühne in Heessen einen ehemaligen Weggefährten begrüßen durfte. Der frühere Tennis-Profi Jens Wöhrmann, der seit 16 Jahren in Hamm lebt und schon seit langer Zeit Mitglied der Sportgala-Jury ist, welche die Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften für die Wahlen nominiert, gehörte einige Monate einer Trainingsgruppe mit Stich an und trat mit dem gebürtigen Pinneberger sogar einmal gemeinsam im Davis Cup auf. „Das waren schöne Zeiten“, erinnert sich Wöhrmann, der Stich als sehr netten und stets offenen Tennis-Kollegen kennengelernt  hatte.

Erste Kontakte wurden 1988 bei den Lehrgängen des Deutschen Tennis-Bunds geknüpft, 1990 kämpften beide sogar im deutschen Davis-Cup-Team gemeinsam um Punkte. „In der zweiten Runde traten wir damals in Argentinien an. Die ganze Mannschaft, zu der damals noch Carl-Uwe Steeb und Eric Jelen gehörten, kränkelte im Vorfeld. Ich musste am ersten Tag für Michael das Einzel spielen und habe knapp verloren. Am Ende hieß es 4:1 für die Argentinier“, berichtet Wöhrmann.

Danach gingen die Wege der beiden Tennis-Kollegen weit auseinander. Stich, der 1987 und 1988 am Heine-Pokal in Hamm teilnahm, startete als Profi durch, wurde 1991 Wimbledon-Champion im Einzel und ein Jahr später gemeinsam mit John McEnroe auch im Doppel. Zudem gewann er 1992 mit Boris Becker in Barcelona das Olympische Doppelturnier. 1993 wurde der Hamburger ATP-Weltmeister, gewann zudem mit Deutschland den Davis Cup. In der Weltrangliste wurde er in seinem erfolgreichsten Jahr auf Rang zwei geführt.

Im Gegensatz zu Becker, der am Ende seiner aktiven Laufbahn durch den einen oder anderen Skandal für Schlagzeilen sorgte, war Stich ein Musterprofi, der entschlossen seinen Weg ging. Auch nach der erfolgreichen Karriere. 1994 gründete er die Michael-Stich-Stiftung, mit der er HIV-Infizierte und an AIDS erkrankte Kinder unterstützt.

Von 2009 bis 2018 war er Turnierdirektor der German Open am Hamburger Rothenbaum. Am Rande dieser Veranstaltung gab es vor fünf Jahren schon einmal ein Wiedersehen zwischen Stich und Wöhrmann. „In Hamburg fand damals eine Trainertagung statt. Dabei haben wir uns kurz die Hand geschüttelt“, so Wöhrmann.

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