Hammer Sportgala 2020

Sportler des Jahres: Stefan Hengst, der Mann für das Extreme

Stefan Hengst ist Hamms Sportler des Jahres 2019.

Stefan Hengst liebt den Nervenkitzel. Deshalb ist er in seinem Kanu-Sport ständig auf der Suche nach neuen Reizen.

Boater Cross ist sein jüngstes Steckenpferd. Auch Extreme Slalom genannt. Von einer Rampe starten vier Fahrer gleichzeitig ins Wildwasser, kämpfen sich Mann gegen Mann durch einen Parcours mit Toren bis ins Ziel. Gefahren wird nach dem K.o.-System. Am Ende triumphiert nur einer: Zweimal gelingt das dem 25-jährigen Heessener im Jahr 2019. Zunächst bei den Deutschen Meisterschaften, dann bei den Weltmeisterschaften in dieser noch jungen Sportart in Prag. Damit krönt Hengst das zweifellos erfolgreichste Jahr seiner bisher grandiosen Laufbahn.

Den finalen Lauf in Tschechiens Hauptstadt beschreibt er so: „Von der Rampe weg wurde geprügelt, so dass man gar nicht richtig paddeln konnte. Aber ich kam als Erster durch das erste Tor und habe den Turbo gezündet.“

So ganz nebenbei heimst der in Augsburg lebende Auszubildende zum Groß- und Einzelhandelskaufmann noch weitere Erfolge ein. Der Hammer wird Deutscher Meister im Kanu-Slalom in Hohenlimburg im Kajak, gewinnt in seiner eigentlichen Spezialdisziplin auch den Deutschland-Cup und feiert EM-Silber im franzöischen Pau mit der deutschen Kanu-Slalom-Mannschaft.

Auch die große Bühne der Sportgala ist für Hengst kein Neuland. Schon 2015 stand er gemeinsam mit seinen Kanu-Ring-Kollegen Sebastian Schubert und Lukas Strahl als Mannschaft des Jahres im Rampenlicht. Damals waren die Hammer auf den nationalen Thron gefahren.

Erstmals darf er sich jetzt allerdings als Sportler des Jahres feiern lassen. Und das mit dem knappsten aller bisherigen Ergebnisse, seit es die Sportgala gibt. 0,06 Prozent Stimmen hat er am Ende mehr für sich verbucht als der Hammer Segler Kai Schäfers, der mit seinem Berliner Partner Kay-Uwe Lüdtke Vizeweltmeister in der nicht olympischen Bootsklasse Flying Dutchman wurde.

Das Ergebnis

Sportler des Jahres

Stimmen absolut

Stimmen in Prozent

1. Stefan Hengst

1101

40,85 %

2. Kai Schäfers

1097

40,71 %

3. Gerrit Engemann

497

18,44 %

Die Leistungen von Hengst sind deshalb besonders zu würdigen, weil er vom Deutschen Kanu-Verband mit einer nur ganz geringen Förderung unterstützt wird. Denn er gehört nicht dem deutschen Leistungs-Kader an. Das bedeutet, dass er fast sämtliche Trainingslager allein finanzieren muss. Auch die Reisekosten zu den zahlreichen internationalen Veranstaltungen muss er zu einem großen Teil selbst stemmen, reist meist mit seinem eigenen Fahrzeug an.

Umso erstaunlicher und auch beeindruckender, dass er trotz dieser Belastungen weiter zielstrebig seinen Weg fortsetzt. Und der soll, nach Wunsch von Hengst, noch lange nicht zu Ende gehen. Sein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2024. „Wir hoffen alle, dass Boater Cross in Paris olympisch sein wird. Ich wäre dann 30 Jahre alt und vielleicht dabei.“

In der kommenden Saison wird es für ihn schwer, überhaupt einen Platz im Kanu-Slalom-A-Kader zu erkämpfen. Olympiastarter Hannes Aigner und sein Ersatzmann Tim Maxeiner (beide Augsburg) sind mit Blick auf Tokio gesetzt. Bei den Qualifikationsrennen Anfang Mai in Markkleeberg wird nur noch ein Platz vergeben, der für die Teilnahme an der EM im britischen Lee Valley (17.5.) und zum Start bei den fünf Weltcuprennen berechtigt. Das große Ziel von Hengst ist aber die Titelverteidigung bei der WM im Extreme Slalom im September in Markkleeberg.

Der Ehrengast: Britta Steffen 

Britta Steffen

Die inzwischen 36-Jährige ist nach Franziska van Almsick die wohl bekannteste deutsche Schwimmerin. Und kaum eine andere Athletin weiß die Erfolge anderer Sportlerinnen und Sportler so zu würdigen, wie es Steffen kann. Denn sie hat es gelernt, sich Siege hart zu erarbeiten, sich in vielen täglichen Übungseinheiten dafür zu quälen, um an die Weltspitze zu gelangen.

Und hat zudem die Erfahrung gemacht, dass außergewöhnliche Leistungen inzwischen in der Öffentlichkeit hinterfragt werden. Ob dabei alles wirklich mit rechten Dingen zugegangen ist. „Im Ausland bist du als Sportler ein Held, in Deutschland nicht, eher ein Anti-Held“, erklärte sie einst in einem Interview mit der Sport-Bild. „Wenn jemand gewinnt, heißt es gleich: ohne Dopingmittel keinen Titel, und der ist bestimmt voll – denn die Deutschen sind sonst ja schlecht.“ Steffen hat sich in ihrer erfolgreichen Zeit selbst oft freiwillig testen lassen, um allen Verdächtigungen zu entgehen.

Sie hat gelernt, sich von Anfang an durchzusetzen. Denn bei einer Sichtung wurde die in Schwedt an der Oder geborene Steffen als für das Schwimmen nicht geeignet eingestuft. „Ich war zu klein, zu dünn – geh lieber zum Turnen“, erzählte sie bei einem ihrer zahlreichen Vorträge, mit denen sie inzwischen versucht, andere Menschen neu zu motivieren.

Trotz dieser Einschätzung ist sie auch im Wasser ihren Weg konsequent gegangen. 2006 war Steffen mit vier Goldmedaillen und einer in Silber die erfolgreichste Teilnehmerin der Europameisterschaften in Budapest. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking feierte sie in der neuen olympischen Rekordzeit von 53,12 Sekunden Gold über 100 Meter Freistil. Zusätzlich triumphierte sie über die 50-Meter-Freistil-Strecke in 24,06. Am Ende des Jahres 2008 wurde Steffen auch zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt, hat also selbst schon die große Gala-Bühne betreten. 2013 beendete sie ihre erfolgreiche Karriere, hat aber immer noch Einiges zu erzählen.

Heute ist Steffen Mitinhaberin einer Coaching-Firma, und stolze Mutter eines bald zweijährigen Sohnes. „Der Profisport ist jetzt schon eine Weile her. Ich habe jetzt ein anderes Leben“, erzählte sie bei einem Vortrag am Rande der ISPO in München. „Klar fehlt mir der Sport, doch ich habe schon damals einen hohen Preis gezahlt mit bis zu sechs oder sieben Stunden Training am Tag.“ Auch ihr neues Leben gefällt ihr: „Es war eine schöne Zeit, aber es ist auch schön, dass es zu Ende ist.“

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