Sportler des Jahres: Gerrit Engemann ist der europäische Tischtenniskönig 

Elf Jahre nach dem Team um Dimitrij Ovtcharov gelang es wieder einem deutschen Jungen-Team Europameister zu werden: Spitzenspieler war Gerrit Engemann vom TTC GW Bad Hamm. Jetzt ist er auch noch Hamms Sportler des Jahres. J Foto: Mroß

Dass Gerrit Engemann zu den größten Talenten im deutschen Tischtennissport gehört, hat Martin Vatheuer bereits vor fünf Jahren erkannt. Damals sorgte der 1. Vorsitzende des TTC GW Bad Hamm dafür, dass der zu dem Zeitpunkt 13-Jährige Lüner zu den Grünweißen wechselt.

„Wir wollen um Talente wie Gerrit Engemann ein neues, junges Team aufbauen“, sagte Vatheuer damals. „Eines, mit dem wir auch einmal wieder in die 2. Liga aufsteigen können.“

Dieses Ziel ist mittlerweile erreicht. Der TTC GW ist im Sommer in die zweithöchste deutsche Spielklasse zurückgekehrt – und der mittlerweile 18-jährige Engemann war einer der Garanten dafür, dass das auch geklappt hat. In der Rückrunde, in der er mit Ausnahme von zwei Begegnungen am oberen Paarkreuz antrat, erspielte sich der Nachwuchsmann eine beeindruckende 9:3-Bilanz in der 3. Liga Nord. In der zweithöchsten deutschen Liga beendete er die Hinrunde mit einem starken 4:5-Zwischenresultat (Oberes Paarkreuz: 1:2/unten 3:3).

Dazu kommt eine positive 10:8-Ausbeute an der Seite verschiedener Partner im Doppel, mit der er dazu beigetragen hat, dass sich die Grünweißen bei derzeit 8:10 Punkten ein Polster von vier Zählern auf die beiden Abstiegsränge erarbeitet haben. Doch so gut seine Leistung in der Liga auch war: getoppt wurde sie im Jahr 2017 noch von seinen internationalen Auftritten im Nationaltrikot bei der EM, die im Juli im portugiesischen Guimaraes ausgetragen wurde. Europameister mit der deutschen Jugend-Nationalmannschaft, Viertelfinale im Einzel, Achtelfinale im Doppel – die persönliche Bilanz in seinem letzten Jahr im Nachwuchsbereich kann sich sehen lassen. Als sensationell ist vor allem der Titelgewinn mit der Mannschaft zu werten. „Die Goldmedaille war natürlich ein Traum, den wir uns als Team hart erarbeitet haben“, freute sich Engemann. „Im Einzel konnte ich meine Form bestätigen und habe viele Leute geschlagen, die vor mir in der Rangliste sind. Leider hat es am Ende dort nicht für eine Medaille gereicht.“

Riesengroß war Engemanns Anteil am Team-Gold als Nummer 1. Ihm gelangen im Verlauf des Wettbewerbs neun Siege bei nur zwei Niederlagen. Mitentscheidend war sein Erfolg gegen den Rumänen Sipos, die Nummer Zwei Europas, als er im Halbfinale beim Mannschaftsstand von 2:2 ein 5:10 im Entscheidungssatz noch drehte und damit den Einzug ins Finale sicherte, in dem sich das deutsche Team dann souverän mit 3:0 gegen Russland den Titel holte – den ersten seit elf Jahren für eine deutsche Jugendmannschaft. Im Einzel-Wettbewerb kam der Rechtshänder bis ins Viertelfinale und verlor unglücklich nach einigen Führungen gegen Sipos, der damit den Spieß aus der Team-Konkurrenz umdrehte.

Als Links-/Rechts-Kombination waren Tobias Hippler und Gerrit Engemann im Doppel angetreten, scheiterten im Achtelfinale, nachdem sie drei Match-Bälle im Entscheidungssatz gegen die späteren Vize-Europameister Meissner/Söderlund nicht nutzten. Drei Monate zuvor hatte Engemann bereits bei den deutschen Jugendmeisterschaften im rheinland-pfälzischen Kirn triumphiert, als er sich nach zuvor drei Bronzemedaillen im Jungen-Einzel erstmals einen Nachwuchstitel sicherte. Mit drei klaren 3:0-Siegen in der Vorrunde bewies der Grünweiße seine Topform. In den K.o-Runden folgten weitere Erfolge gegen Nils Schulze (4:0 Sätze), Pekka Pelz (4:0) und Alexander Gerhold (4:0), ehe Engemann im Finale auf Nationalmannschaftskollege Tobias Hippler traf. In einem nervenaufreibenden Match setzte sich der Hammer mit 4:3 durch und wurde Deutscher Meister.

Die Top 3 Sportler im Video

Das Ergebnis

Stimmen

Prozent

1.

Gerrit Engemann

702

36,75 %

2.

Niklas Scherer

693

36,26 %

3.

Sebastian Schubert

516

27,00 %

Der Laudator: Fabian Hambüchen

Der erste Gratulant war Laudator Fabian Hambüchen. Der Vorzeige-Kunstturner errang seine größten Erfolge  am Reck mit dem Olympiasieg 2016 in Rio de Janeiro, dem Weltmeistertitel 2007 sowie dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und der Silbermedaille 2012 in London. Bereits im Alter von zwölf Jahren hatte er seinen ersten Länderkampf bestritten, sein erster internationaler Erfolg war der Gewinn der Jugend-Europameisterschaft 2002 am Barren. Anschließend sammelte er zahlreiche Titel, wobei der letzte sein größter war. Obwohl er aufgrund einer Entzündung seiner seit 2012 angerissenen Sehne in der Schulter in der Vorbereitung nur eingeschränkt trainieren konnte, gewann er am 16. August 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio die Goldmedaille am Reck und beendete anschließend seine internationale Karriere. Seinen letzten Wettkampf bestritt er auf nationaler Ebene im Trikot des KTV Obere Lahn am 2. Dezember 2017. Bereits im Oktober 2012 hatte er damit begonnen, Sportmanagement und -kommunikation an der Deutschen Sporthochschule Köln zu studieren. Nach dem Basisstudium entschied sich Hambüchen 2015 für einen Wechsel seines Studiengangs und studiert seitdem Sport und Leistung.

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