Sogar Volksverhetzung steht im Raum

Rassistische Beleidigungen: Schiedsrichter aus Hamm erhebt schwere Vorwürfe nach Kreisliga-Spiel

Harte Vorwürfe gegen einen Verein im Kreis Soest: Ein Schiedsrichter aus Hamm soll während eines Kreisliga-Spiels von Fans und Spielern heftig beleidigt worden sein. Rassismus, Beleidigungen auf sexueller Ebene und sogar Volksverhetzung stehen im Raum. Der betroffene Unparteiische wurde erst vor wenigen Wochen zusammengeschlagen.

Welver – Schiedsrichter Ayoub Kaichouh erhebt nach dem Kreisliga-Spiel zwischen SV Welver und SC Lippetal (1:6) am 4. Oktober schwere Vorwürfe gegen den Gastgeberverein. Es geht dabei auch um den Vorwurf des Rassismus – und der könnte sogar strafrechtliche Folgen haben. Insgesamt wird das Verfahren sportrechtlich kompliziert mit weiteren Beleidigungen auf sexueller Ebene, Aufrufen zur Gewalt und auf mindestens drei Ebenen verhandelt.

Zum Hintergrund: Der für den BV 09 Hamm pfeifende Unparteiische stellte in der Partie die SV-Spieler Andrej Redko mit Rot und Stefan Gross mit einer Gelb-Roten Karten vom Platz sowie auch den SVW-Trainer Andre Kintscher. Kaichouh schreibt in seinem Spielbericht: „Ein Zuschauer des SV Welver sagte zum Trainer des SV Welver, er solle den ,Scheiß-Schwarzkopfschiri‘ auswechseln“.

Auf dem Weg zur Kabine sei Kaichouh von einem Zuschauer zugerufen worden: „Schade, dass die dich nicht geschlagen haben wie vor drei Wochen.“ Es waren erschreckende Szenen im September: Ein Spieler von Osmanlispor Dortmund rastete während der Kreisliga-Partie gegen den VfB Lünen aus und schlug Schiedsrichter Ayoub Kaichouh krankenhausreif.

Trainer des SV Welver: „Wenn ich das mitbekommen hätte, hätte ich mir den geschnappt“

„Wenn ich das mitbekommen hätte, hätte ich mir den geschnappt“, sagt SVW-Trainer Andre Kintscher, der bestreitet, dass er diese Aussagen wahr genommen hat. Kintscher ist um den Ruf seines Vereins besorgt. „Ich habe einen Türken und mehrere Russen in meiner Mannschaft. Die spielen hier doch nicht, weil wir Rassisten sind“, erklärt Kintscher. Außerdem sei der Verein dafür bekannt, dass „wir so viele Migranten und Flüchtlinge in unseren Reihen haben. Das macht doch keinen Sinn. Und für irgendwelche Zuschauer, die irgendwelche Sachen rufen, können wir doch nichts.“

Eklat bei Kreisliga-Spiel im Kreis Soest: Schiedsrichter soll rassistisch beleidigt worden sein

Die Beleidigung des Zuschauers ist der erste Tatbestand. Bei einem Verdacht eines „diskriminierenden Verhaltens durch Herabwürdigung einer Person aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder Hautfarbe“ ist im Verbandsgebiet des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) das Verbandssportgericht zuständig. Das Verfahren wird durch den zuständigen Sportrichter Georg Hein geführt und richtet sich direkt gegen den Verein, wie Hein erläutert. Es wird dabei zu einem Einzelrichterverfahren kommen.

Schiedsrichter Ayoub Kaichouh soll im Spiel SV Welver gegen SC Lippetal rassistisch und auf sexueller Basis beleidigt worden sein.

Paragraf 12 der Rechts- und Verfahrensordnung sieht für Verstöße gegen die Diskriminierungstatbestände Strafen gegen Vereine von mindestens 500 Euro im Fall eines unsportlichen Verhaltens und von mindestens 1.000 Euro für den Fall vor, dass eine Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft oder Rasse angenommen wird.

Rassistische Beleidigung: SV Welver räumt Äußerungen durch Zuschauer des Vereins ein

„Das sind Vorwürfe, die zwischen Beleidigung und Volksverhetzung liegen. Bei der Beurteilung des Sachverhaltes und der Strafe spielt es auch eine Rolle, inwieweit der Verein bereit ist, die Namen der Personen zu nennen, die diese Äußerungen getätigt haben“, sagt der Sportrichter Hein, der als Strafrichter am Amtsgericht Lippstadt tätig ist.

„Die Stellungnahme gegenüber dem Staffelleiter, in dem die vorgeworfenen Äußerungen durch Zuschauer des Vereins bereits eingeräumt worden sind, liegen ebenfalls vor“, weist Hein darauf hin, dass der SV Welver zugegeben habe, dass es die Äußerungen gab. Der Verein hat nochmals Gelegenheit, sich bis zum 16. Oktober schriftlich zu äußern.

Falls sich im Sportrechtsverfahren der Verdacht auf Volksverhetzung bestätigt, würde Hein auch die Staatsanwaltschaft informieren. Die würde dann prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren vor einem ordentlichen Gericht eingeleitet wird, erklärt Hein.

Geschäftsführer des SV Welver: „Sicher ist da was vorgefallen“

Karl-Josef Schulze, Geschäftsführer des SV Welver, wollte sich zum laufenden Verfahren nicht äußern, zumal für Dienstagabend turnusmäßig eine Vorstandssitzung anberaumt ist, in der die Geschehnisse besprochen werden sollen. Schulze ergänzt aber: „Sicher ist da was vorgefallen.“

Er begleitete nach dem Schlusspfiff auch Kaichouh vom Platz über die Sportanlage bis zur Kabine und war auch anwesend, als dieser den Spielbericht mit den Äußerungen ausfüllte.

Tatbestand zwei: „Beleidigung auf sexueller Basis“

Kaichou hat in seinem Spielbericht geschrieben, dass er von Andrej Redko in russischer Sprache auf herabwürdigende Weise auf sexueller Basis beleidigt wurde, der Wortlaut liegt der Redaktion vor. Redko soll zudem noch folgendes gesagt haben: „Kein Wunder, dass du vor drei Wochen auf die Fresse bekommen hast.“ Weiter heißt es im Bericht des Schiedsrichters: „(...) und kam auf mich zu, seine Mitspieler beruhigten ihn allerdings.“ Das Verfahren gegen Redko wird vom Sportgericht des Kreises Soest unter der Leitung von Philipp Allhoff geführt. Er hat Redko und den Verein aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben.

Tatbestand drei: Ampelkarte nach Meckern

Stürmer Stephan Gross sah in dem Spiel die Gelb-Rote Karte wegen einer Unsportlichkeit. Er soll nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung gemeckert haben. Anschließend sei Gross laut Spielbericht noch durch eine weitere Äußerung gegenüber dem Unparteiischen aufgefallen, die er allerdings bestreitet.

Im Gespräch mit der Redaktion räumte er das Meckern, für das er vom Platz geflogen war, ein. Trainer Kintscher sagt dazu: „Meine Spieler haben sich nicht korrekt verhalten.“ Doch auch er streitet die vorgeworfenen Äußerungen ab.

Das Besondere dabei: Gross, damals Spieler von Preußen TV Werl, wurde im Februar 2019 für ein Jahr gesperrt. Da dieses Verfahren damals vor der Bezirksspruchkammer stattfand und der Spieler noch auf Bewährung ist, wird dieses Verfahren wieder auf der Bezirksebene verhandelt, wie Georg Hein ausführte.

Rubriklistenbild: © Düser

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