Keine Stallorder bei Silberpfeilen

Vettel erklärt Mercedes zum Favorit

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Nico Rosberg (l.) und Lewis Hamilton.

Melbourne - Auch Vettel tippt auf Mercedes! Aus der Favoritennummer kommen dieSilberpfeile nicht mehr raus zum Saisonauftakt der Formel 1. Der Titelverteidiger selbst gibt sich bei Fragen nach seinen Aussichten eher reserviert.

Titelverteidiger Sebastian Vettel hat den deutschen Formel-1-Rennstall MercedesAMG zum Favoriten für den Saisonauftakt an diesem Sonntag in Melbourne erklärt. „Für dieses Rennen Mercedes“, betonte der viermalige Champion von Red Bull am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Großen Preis von Australien. Nach drei oder vier Rennen wisse man dann ein bisschen mehr.

Ebenso wie der seit neun Grand Prix ungeschlagene Heppenheimer rechnet sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo mit einem Auftakterfolg der Silberpfeile mit Nico Rosberg und Lewis Hamilton: „Für dieses Rennen würde ich mein Geld auf Mercedes setzen.“

Auch Ex-Ferrari-Pilot Felipe Massa schloss sich den Mercedes-Tippern an, gleichwohl gilt der Brasilianer im Williams selbst als möglicher Kandidat auf einen der vorderen Plätze. „Ich denke, es kann eine schöne Saison für uns werden, wie schön, das weiß ich nicht“, meinte Massa.

Wie erfolgreich es für Vettel wird, ist auch offen. „Wir wissen, dass wir bis jetzt nicht in der besten Form sind“, räumte Vettel in einem von Ernüchterung geprägten Ton an, das Lächeln des Lausbuben war längst wieder verflogen.

„Man kann die Probleme nicht über Nacht lösen“, meinte Vettel zu den eklatanten Schwierigkeiten, die sein neuer RB10 mit dem Kosenamen „Suzie“ bei den Testfahrten bereitet hatte. Er sei aber zuversichtlich, dass „wir uns auch in der Saison weiterentwickeln können“. Für die nachfolgenden Grand Prix kann die Devise des 39-maligen Gewinners schließlich nicht dauerhaft lauten: Hauptsache ankommen, selbst wenn er versprach, in Melbourne bis zum Maximum zu pushen.

Dass er mit einer Zielankunft schon in die Punkteränge fährt, scheint angesichts eines drohenden Ausfall-Reigens nicht unmöglich. Vettel selbst legte sich auf 12 von 22 Autos fest, die am Sonntag (Start 7.00 Uhr MEZ/RTL und Sky) nach insgesamt 307,574 Kilometern das Ziel erreichen. Punkte gibt's für die ersten Zehn.

Die Regel-Änderungen der Formel 1

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Mercedes-Devise: „Beat the Bulls“

Das äußerst heikle Thema Stallorder haben die Silberpfeile schon vor dem ersten Duell ihrer Titelkandidaten geklärt. Das Motto im gemeinsamen Kampf von Nico Rosberg und Lewis Hamilton gegen Formel-1-Titelverteidiger Red Bull mit Vierfach-Champion Sebastian Vettel: Freie Fahrt, aber immer zum Wohle von MercedesAMG. „Wir haben diese Diskussion geführt, wir alle wollen sehen, dass das Team nach vorne kommt, wir wollen sie aber auch gegeneinander rennfahren sehen“, betonte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff am Donnerstag in Melbourne.

Der „Boss“, wie ihn Hamilton beiläufig nannte, hat zwischen seinen Piloten Platz genommen. Den beiden Fahrern, die schon mit 13 Jahren gegeneinander antraten und nun vor dem ersten von 19 WM-Läufen als Topfavoriten für die neue Saison gelten. „Wir sind in der glücklichen Lage, zwei der schnellsten, aber auch der intelligentesten Fahrer zu haben“, beteuert Wolff in einem Strandrestaurant am St.-Kilda-Beach von Melbourne.

Rosberg stieg 2006 und damit ein Jahr vor Hamilton in die Formel 1 ein. Beide schafften die Beförderung nach ihrem Gesamtsieg in der Nachwuchsklasse GP2. Rosberg fuhr bislang noch nie ernsthaft um den Titel mit und kam insgesamt auf drei Siege in fast 150 Rennen. Hamilton wurde nach dem Vizerang in seinem Debütjahr Weltmeister 2008. Seitdem wartet der Brite mit den Tattoos und dem Hang zum Rapper-Image auf den nächsten WM-Triumph.

„Ist das die beste Chance seit Jahren? Ich weiß es nicht“, sagte Hamilton an diesem entspannten Donnerstagvormittag in Melbourne, die Teamjacke trägt er offen, darunter blitzt ein riesiges goldenes Kreuz an einer nicht minder üppigen goldenen Kette. In ihrem neuen Silberpfeil wollen beide glänzen, Rosberg ebenso wie Hamilton. „Gott sei Dank sind sie Gegner. Hamilton und Rosberg sind meiner Meinung nach die stärkste Fahrer-Paarung, die man in der Formel 1 haben kann“, sagte Teamoberaufseher Niki Lauda „Sport1.de“ in einem Interview.

Rosberg beschrieb die Zusammenarbeit so: „Wir lachen zusammen, wir sprechen aber auch ernste Worte zusammen.“ Die Freundschaft zu Hamilton beschrieb er als „neutral“. Er gönne Hamilton auch den dann Erfolg, „wenn ich nicht gewinnen kann“.

Alle zusammen wollen sie Red Bull schlagen. Das Leitungsteam des Rennstalls wurde weiter umstrukturiert. Teamchef ist nach vier Jahren nicht mehr Ross Brawn, die Verantwortung teilen sich Wolff und Paddy Lowe, der im vergangenen Jahr von McLaren zu Mercedes wechselte. Über allem wacht weiterhin Lauda.

Das Ziel ist klar. Nach dem zweiten Rang in der Konstrukteurswertung im vergangenen Jahr soll nun der nächste Schritt folgen, dem vierten Rang von Hamilton und dem sechsten von Rosberg erst recht: Die Red-Bull-Ära soll beendet und die der Silberpfeile begonnen werden. Der Druck ist enorm. Für beide Piloten könnte ein erneutes Scheitern die Karriere deutlich trüben.

„Glücklich sind wir erst, wenn wir alles absolut in Grund und Boden fahren“, sagte Rosberg in einem Interview der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstag). Hamilton formulierte das Leitmotto in einem Einspieler am Donnerstag in drei Worten: „Beat the Bulls“.

dpa

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