Leichtathletik

Gina Lückenkemper muss passen und hat die Heim-EM im Blick

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Deutschlands Top-Sprinterin Gina Lückenkemper kann ihren 60-Meter-Titel bei den deutschen Hallenmeisterschaften am Wochenende in Dortmund nicht verteidigen. Für 2018 hat sie sich jedoch große Ziele gesetzt.

Dortmund - Die Frage nach ihren persönlichen Zielen für das Jahr 2018 beantwortet Gina Lückenkemper wenig überraschend. „Ich will schnell rennen,“ sagt die 21-jährige Top-Sprinterin und strahlt ihr Sonnenschein-Lächeln, das ohne Zweifel von weit mehr als einer Neun-Volt-Batterie befeuert wird. Man muss schließlich noch etwas nachbohren, um Konkretes zu erfahren. Dann legt sie auch rhetorisch mit jener Energie los, die man bei ihr auf der Tartanbahn schon so oft gesehen hat.

Die Heim-EM als Höhepunkt

„Ich möchte öfter unter 11 Sekunden laufen“, sagt Lückenkemper, die bei der Weltmeisterschaft in London 2017 als erst siebte deutsche Frau diese Schallmauer über die 100m-Distanz geknackt und sich in 10,95 Sekunden viele Schlagzeilen gesichert hatte. Im neuen Jahr will sie nun beweisen, „dass das keine Eintagsfliege war“.

Zudem kündigt die gebürtige Hammerin im Vorfeld der Leichtathletik-Hallen-DM am Wochenende in Dortmund an, in diesem Jahr auch wieder die 200m-Strecke laufen zu wollen. Ihre Bestzeit über diese Distanz, die bei aus ihrer Sicht indiskutablen 22,67 Sekunden liegt, wurmt sie sehr: „Das sieht katastrophal aus“, meint die 1,70 Meter große Frau mit den schnellen Beinen. Höhepunkt der Saison sollen für die Soesterin die Kontinental-Wettkämpfe im eigenen Land sein. Von der Heim-EM in Berlin (7. bis 12. August) will sie „mit mehr als einer Medaille nach Hause fahren“.

Neun-Volt-Batterie

Dass Lückenkemper, die vor Läufen zur Stimulation mal gerne an einer Neun-Volt-Batterie leckt, bei der anstehenden Hallen-Meisterschaft in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle kurzfristig wegen einer Reizung am Iliosakral-Gelenk passen muss, sieht sie „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Einerseits hätte sie ihren Titel aus dem Vorjahr über die 60 Meter gerne verteidigt. „Andererseits werde ich meine Rolle als Zuschauerin genießen“, sagt Lückenkemper, die bis zu ihrem Wechsel von der LG Olympia Dortmund zu Bayer Leverkusen zu Beginn des Jahres unzählige Trainingskilometer in der Körnig-Halle absolviert hatte. Ihr Verzicht hat stark prophylaktischen Charakter, da sich bei maximaler Belastung der linke Oberschenkel-Beuger verhärten könnte. „Nach der DM waren eh 14 Tage Pause eingeplant, danach werde ich wohl wieder zu 100 Prozent fit sein“, sagt Lückenkemper.

Doch auch ohne den Auftritt von Lückenkemper verspricht die komplett ausverkaufte Hallen-DM hervorragenden Sport und packende Duelle. Eines der interessantesten dürfte sich auf der 60-Meter-Hürdenstrecke zwischen Pamela Dutkiewicz und Cindy Roleder abspielen. Die Wattenscheiderin Dutkiewicz (27), die nicht nur aufgrund von Trainingsfleiß, sondern auch mit Hilfe eines Ernährungsberaters in den vergangenen zwei Jahren in die Weltspitze aufgestiegen ist, gewann im vergangenen Jahr WM-Bronze in London. Roleder, WM-Zweite von 2015 und Europameisterin von 2016, hatte sich im Mai 2017 verletzt und verpasste die Saison. Nun ist sie wieder zurück und das Duell der beiden Frauen kann weitergehen.

Bei der Hallen-WM 2017 in Leipzig hatte Dutkiewicz in hervorragenden 7,79 Sekunden über die Hallenserin triumphiert. „Wir sind im Hürdensprint super stark aufgestellt, ich hätte Cindy schon letzte Saison gerne dabei gehabt“, sagt Dutkiewicz: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Und die dürfte mit dafür sorgen, dass die Zuschauer in Dortmund bei diesem Rennen ordentlich bespaßt werden. Derweil wird Gina Lückenkemper auf der Tribüne für Stimmung sorgen, so viel scheint sicher.

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