Reportage

Sky-Topspiel: Das passiert im Borussia-Park hinter den Kulissen

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17.25 Uhr: Sebastian Hellmann, Lothar Matthäus und Christoph Metzelder (von links) haben am Experten-Tisch vor der Gladbacher Fankurve Platz genommen. Vier Kameras sind auf das Trio gerichtet.

Mönchengladbach - Was passiert beim Sky-Topspiel hinter den Kulissen? Unsere Redaktion durfte bei der Partie zwischen Gladbach und dem FC Schalke hautnah dabei sein.

Seit acht Jahren ruft der Pay-TV-Sender Sky am Samstagabend das Topspiel in der Fußball-Bundesliga aus. 150 Personen sorgen in den Stadien Deutschlands dafür, dass der Zuschauer mit Fernsehbildern versorgt wird. Allein 50 sind nur mit der Live-Produktion für Sky beschäftigt. Unsere Redaktion blickte beim Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Schalke 04 hinter die Kulissen.

16 Uhr: Im Truck von Sky herrscht entspannte Stimmung. Rund zweieinhalb Stunden vor Anpfiff des „Bundesliga-Topspiels“ sitzt das Experten-Team mit Sebastian Hellmann, Lothar Matthäus und Christoph Metzelder in lockerer Runde zusammen. Mit ihnen verfolgen die Reporter Ecki Heuser und Stefan Hempel die Partien, die bereits um 15.30 Uhr angepfiffen wurden. Ein großer Bildschirm und neun kleinere hängen an der Wand des Transporters. Gegenüber bietet eine Sofaecke Platz. In einer kleinen Küchenzeile stehen ein Kaffeeautomat, Wasser, Cola, Bananen und Kekse bereit. Einen Schritt weiter befindet sich die Maske, vom großen Raum trennt sie nur eine dünne Wand. Die Tür ist geöffnet.

Stefan Hempel, Lothar Matthäus und Sebastian Hellmann (von links) verfolgen im Sky-Truck die laufenden Bundesliga-Spiele. Auch das gehört zu ihrer Vorbereitung.

Gabi Boger-Liesen ist damit beschäftigt Kommentator Kai Dittmann zu schminken. „Vor dem Spiel puder ich nur nochmal kurz nach“, sagt sie. Besonders aufmerksam ist sie, wenn sich einer der Männer aus der Sky-Riege die Nase putzt. Mit der Besetzung des Spiels in Mönchengladbach habe sie Glück gehabt, meint Boger-Liesen. „Ich habe keinen schwierigen Fall dabei“, erklärt die blonde Frau lächelnd. Wer besonders anspruchsvoll ist, verrät sie nicht. „Vor allem die Moderatoren haben kaum Zeit. Sie wären am liebsten nach einer Minute fertig. Ich brauche aber schon fünf bis zehn.“

Gabi Boger-Liesen trägt bei Kommentator Kai Dittmann Puder auf.

Die zweite Schmink-Runde bei Dittmann geht schneller vorbei. Er will sich auf den Weg ins Stadion machen, seinen Platz auf Höhe der Mittellinie einnehmen. „Ich bin zwar erst um 17.30 Uhr das erste Mal zu sehen, versuche aber so früh wie möglich bereit zu sein“, sagt er. Einige Tage im Vorfeld des Spiels bereitet er sich akribisch auf die beiden Mannschaften vor. Wie zum Beweis nestelt er zwei Blätter aus seinem Rucksack hervor. Auf einem trägt er die Aufstellungen der Teams ein, wichtige Personalien sind gelb markiert oder mit einem roten Kreuz versehen. Das zweite Papier ist mit Hintergrund-Informationen und Statistiken gefüllt. „Ich sammele viele Infos über persönliche Kontakte, rede mit Trainern und Pressesprechern. Das macht rund 90 Prozent meiner Vorbereitung aus“, erklärt Dittmann.

Alles Wichtige wird notiert!

16.35 Uhr: Wenige Meter vom Sky-Truck entfernt steht der Regiewagen. Mitarbeiter der Deutschen Fußball Liga (DFL), von Sky und der Technik teilen sich das mobile Studio. Rund zwei Meter breit sind die einzelnen Räume, nur eine hölzerne Schiebetür trennt sie voneinander. Sechs Sitzplätze sind vorhanden. Tageslicht? Fehlanzeige.

In der Regie von Sky erhellen rund 60 Bildschirme den ansonsten dunklen Raum. Davor sind unzählige weiße Knöpfe zu finden, kleine rote Lichter leuchten auf. Zwei Sky-Mitarbeiter gehen gerade den Ablauf der Vorberichterstattung durch. In einer knappen Stunde beginnt im Abteil des Bezahlsenders der wohl stressigste Teil des Tages. „Jetzt will ich den Bwin-Cornerback nach dem Tipico-Skyscraper sehen“, sagt eine Frau. Die Person, mit der sie sich per Funk unterhält, versteht die Anweisung. Es geht um Werbe-Einblendungen. Die Probe klappt ohne Probleme. Nebenan sitzt Wolfgang Straub. Der DFL-Regisseur hat während des laufenden Spiels das Sagen. Nervös macht ihn das nicht, er hat bereits einige Finals bei Weltmeisterschaften hinter sich. Er verrät: „Richtig ernst wird es für uns, wenn die Mannschaften das Spielfeld betreten. Dann nutzen alle Fernsehsender unser Bild.“ Auch Sky.

60 Bildschirme, aber kein Tageslicht: Im Regienraum laufen alle Bilder zusammen

16.55 Uhr: Zurück im Sky-Truck: Noch immer wirken die Mitarbeiter, die gleich vor die Kameras treten werden, sehr locker. Christoph Metzelder sitzt abseits der Monitore und liest sich die vorbereiteten Analysen zu Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 durch. „Vor gut zwei Stunden haben wir den Ablauf der Sendung besprochen“, sagt Andreas Nitsch, Leiter der Sendung. Nicht immer hilft die Arbeit im Vorfeld, wie er zugibt: „Es wird immer dann schwierig, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Improvisieren macht aber am meisten Spaß.“ Eine Stunde vor Anpfiff beginnt der Pay-TV-Sender die Übertragung. Dann muss alles auf die Sekunde passen. Wenn ein Gesprächspartner nicht pünktlich erscheint, etwa weil er im Stau steht, muss Ersatz her. Eine zweite Chance gibt es bei einer Live-Sendung nicht. Nitsch meint: „Von 17.30 Uhr bis 21 Uhr haben wir kaum eine Atempause. In der Zeit knallt es.“

Sky-Topspiel: Hinter den Kulissen bei Borussia Mönchengladbach gegen den FC Schalke

Sky-Topspiel: Hinter den Kulissen bei Borussia Mönchengladbach gegen den FC Schalke

17.25 Uhr: Der Borussia-Park füllt sich allmählich. Ecki Heuser und Stefan Hempel, die beiden Field-Reporter von Sky, nehmen ihre Positionen neben der Auslinie ein, führen letzte Tests mit den Kamera-Leuten durch. In fünf Minuten werden sie sich das erste Mal melden. Genauso das Experten-Trio und Kommentator Kai Dittmann. Direkt neben der Eckfahne und vor der Tribüne der Mönchengladbach-Fans nehmen Sebastian Hellmann, Christoph Metzelder und Lothar Matthäus auf Barhockern Platz. Vor ihnen steht ein weißer Tisch, darauf liegen die vorbereiteten Zettel. Zwei kleine Heizstrahler sorgen dafür, dass ihnen während der Vorberichterstattung nicht kalt wird. Vier große Strahler tauchen die Szenerie in ein grelles Licht. Auf der anderen Seite sind vier Kameras auf die Experten gerichtet, rund 15 Mann stehen dort. Mit roten und grünen Leibchen sind die als Mitarbeiter von Sportcast gekennzeichnet. Das ist der Dienstleister, der sowohl die Kameras als auch die Manpower stellt.

Das Expertenteam sitzt am Spielfeldrand: Schon eine Stunde vor Anpfiff geht die Übertragung los.

17.35 Uhr: Ecki Heuser hat seine erste Wortmeldung hinter sich. Er kümmert sich heute um Borussia Mönchengladbach. „Es wird erst kurzfristig entschieden, wer sich mit welchem Klub befasst. Das wird vorgegeben“, erklärt er. „Bei den meisten Teams bin ich im Thema.“ Heute wird er mit Gladbachs Trainer Dieter Hecking reden. Die Fragen sind im Vorfeld grob besprochen worden, den Reportern wird aber ausreichend Freiraum eingeräumt, um auf Entwicklungen innerhalb der Interviews zu reagieren. „Am Ende des Tages machen wir Unterhaltung“, sagt Heuser. Drei Mal meldet sich der Reporter vor dem Anpfiff. Dann beziehen er und sein Kollege Stefan Hempel ihre Plätze auf Höhe der Trainerbänke. Nur rund zwei Meter trennen sie vom Spielfeld. „Bei Verletzungen gehen wir in Richtung Spielertunnel und versuchen, eine erste Diagnose herauszubekommen. Oder wir melden uns, wenn strittige Szenen direkt vor unseren Augen passieren“, erklärt Heuser.

Vorbereitung bei Stefan Hempel für die Interviews.

17.45 Uhr: Im Pulk gegenüber der Experten steht auch Gabi Boger-Liesen. Sie hat jede Regung der drei Männer im Blick. Als Christoph Metzelder sich die Nase putzt, schaut sie kurz auf. „Nach dem fünften Mal muss ich nachsehen“, sagt sie. Sobald die Experten 30 Sekunden nicht zu sehen sind, kann sie das Set betreten und Puder nachlegen. „Nur bei den Trainern schminke ich gar nicht. Das würde in der Anspannung kurz vor dem Spiel nicht passen“, erklärt Boger-Liesen.

Die kurze Pause wird schnell zum Nachschminken genutzt.

18.05 Uhr: Jetzt gibt auch Schalkes Trainer Markus Weinzierl seine Einschätzung ab. Stefan Hempel interviewt ihn. Um die beiden Protagonisten herum stehen sieben Leute. Darunter ein Kameramann, ein Kabelträger und einer, der für das passende Licht sorgt.

Schalkes Trainer Markus Weinzierl kommt vor dem Spiel zum Interview.

18.25 Uhr: Unmittelbar vor Anpfiff haben sich Sebastian Hellmann, Christoph Metzelder und Lothar Matthäus auf den Weg zur Pressetribüne gemacht. Auch hier wartet eine Kamera auf sie, mit deren Hilfe die drei während des Spiels in die Berichterstattung eingebunden werden können. Im Innenraum halten für Sky jetzt nur noch die beiden Reporter die Stellung.

18.30 Uhr: Das Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 beginnt.

Anpfiff! Die Mannschaften sind auf dem Feld.

18.45 Uhr: Die Sky-Regie ist mittlerweile mit fünf Leuten besetzt. Vor der Wand voller Monitore sitzt auch Sendungsleiter Andreas Nitsch. Es geht vergleichsweise ruhig zu, die heiße Phase in der Stunde vor Anpfiff ist überstanden. In zweiter Reihe sitzen Moritz Stemper und Marco Lamberti vor sechs Bildschirmen. Sie sind für die Wiederholungen zuständig, haben die Bilder der 14 Kameras immer im Blick. Als Schalkes Matija Nastasic die Gelbe Karte sieht, macht Lamberti eine Notiz und markiert seine Worte mit einem gelben Marker.

Das Spiel läuft: Es bleibt stressig im Regieraum.

Stemper schneidet die Szene des Fouls aus verschiedenen Perspektiven zusammen. „Das kann noch wichtig werden, wenn Nastasic die Gelb-Rote Karte bekommt“, erklärt Lamberti. „Wir sammeln zunächst alle möglicherweise wichtigen Szenen. Dann entscheiden wir, welche in der Halbzeitpause eingespielt werden.“ Der Leiter der Sendung meldet sich weiter vorne zu Wort. „Wir machen gleich den ‘Metze‘“, sagt er. Gemeint ist Christoph Metzelder. Er soll sich zur Abwehrarbeit der Schalker äußern. Zunächst wirkt er etwas überrascht. Als er den Startschuss aus der Regie erhält, setzt er ein professionelles Lächeln auf und legt los.

Analyse der Experten.

19.15 Uhr: Die erste Halbzeit ist vorbei. Es steht 1:1. Kommentator Kai Dittmann bleiben knapp 15 Minuten zum Durchatmen, nachdem er die erste Hälfte fast durchgehend gesprochen hat. „Ich komme vom Radio. Da redet man deutlich länger am Stück“, sagt er und greift nach seinem Kaffee. Vor ihm stehen drei kleine Bildschirme, auf dem schmalen Tisch ist nur für seine zwei Zettel Platz. Immer an seiner Seite ist Horst Wohlers. Der Ex-Profi gehörte der Gladbacher „Fohlenelf“ an, die zwei Mal Deutscher Meister wurde und 1979 den Uefa-Pokal gewann. Heute unterstützt er Dittmann als Assistent. Zudem liefert dem Kommentator ein Mitarbeiter von Opta, einem Live-Sportdaten-Anbieter, die wichtigsten Zahlen. „In der Halbzeitpause bereiten wir uns darauf vor, was die Mannschaften ändern könnten“, sagt Dittmann. „Und wir reflektieren die wichtigsten Szenen.“

Halbzeit für Kommentator Kai Dittmann: Er hat beste Sicht auf das Geschehen.

19.30 Uhr: Die zweite Halbzeit beginnt. Die Experten nehmen wieder ihre Plätze auf der Pressetribüne ein.

20.15 Uhr: Das Spiel ist vorbei. Mönchengladbach besiegt Schalke mit 4:2. Mit Schlusspfiff bringen sich Ecki Heuser und Stefan Hempel in Position. Bevor sie live auf Sendung gehen, suchen sie unter großen Sky-Regenschirmen Zuflucht. Die Gespräche führen sie dann im strömenden Regen. Die Mitarbeiter um sie herum sind dem Niederschlag ebenfalls schutzlos ausgeliefert.

Schlusspfiff! Die Gladbacher Fans jubeln mit der Mannschaft.

20.35 Uhr: Das Stadion hat sich in wenigen Minuten fast vollständig geleert. Die Techniker sind bereits mit dem Abbau beschäftigt. Im Innern des Stadions sammeln die Reporter weitere Stimmen.

Das Team steht im Regen: Nach dem Spiel werden die ersten Interviews noch auf dem Feld geführt.

21 Uhr: Die Sky-Übertragung ist vorbei. Ein gut gelaunter Christoph Metzelder verabschiedet sich von den Kollegen und macht sich auf den Weg zum Parkplatz.

Die Interviewwand ist verwaist - gleich wird abgebaut.

22.30 Uhr: Der Sky-Truck hat seinen Platz hinter der Haupttribüne bereits verlassen. Ein trockener Streifen auf dem Asphalt ist das einzige, was noch an das Fahrzeug erinnert. Nebenan sind einige Sportcast-Mitarbeiter damit beschäftigt, die letzten Kabel aufzurollen. Rund sechs Kilometer davon dürften sie für das Topspiel verlegt haben. In einer Woche geht es wieder von vorne los.

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