Am Sonntag gegen Köln

Paderborn - eine ganze Stadt im Bundesliga-Fieber

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PADERBORN/KÖLN - Der SC Paderborn will seine Erstligatauglichkeit unter Beweis stellen und freut sich auf die Premiere in der Bundesliga am Sonntag gegen Mainz.

Am Paderborner Bahnhof werden Reisende seit Tagen mit einem großen Banner begrüßt. "Willkommen in der Bundesligastadt. Paderborn ist erstklassig", steht dort geschrieben. Am Sonntag werden auch die Fans des FSV Mainz 05 mit diesem Spruch empfangen - und der SC Paderborn hat in seinem ersten Bundesligaspiel (15.30 Uhr/Sky) endlich die Chance zu beweisen, dass er tatsächlich erstklassig ist.

Die Euphorie in der Region scheint grenzenlos. 40 Ortsschilder mit der Aufschrift "Paderborn Bundesligastadt" sind im gesamten Stadtgebiet verteilt, während am Flughafen ein riesiges Banner mit dem Slogan "Aufsteigen, ohne abzuheben - das können wir" angebracht wurde. Und selbst das historische Rathaus ist ganz im Zeichen des Bundesligastarts geschmückt.

Die Dokumentation "Aufstiegshelden", die Paderborns Weg in die Bundesliga nachzeichnet, feierte am Freitag ihre Kinopremiere, die dazugehörige DVD steht ab Samstag zum Verkauf. Mit der Onlinekampagne Paderborn-ist-erstklassig.de soll das (noch) farblose Image des Vereins und der Universitätsstadt zudem aufpoliert werden. Unter dem Motto "Wir geizen nicht mit Toren, aber mit Steuern - günstigste Großstadt in NRW" werben die Ostwestfalen hier für ihren Standort: "Gemeinsam. Stark. Paderborn - die Stadt der Zukunft".

Mit großem Zusammenhalt in der Mannschaft und der geballten Unterstützung der Region will der für Trainer Andre Breitenreiter "krasseste Außenseiter in der Bundesligageschichte" den Klassenerhalt schaffen. Die 15.000 Tickets für den Saisonauftakt gegen Mainz wurden binnen weniger Minuten verkauft, auch die 9500 Dauerkarten waren in kürzester Zeit vergriffen - obwohl sie die teuersten der Liga sind. "Wir haben keine namhaften Spieler, aber wir funktionieren als Mannschaft", sagte der von Borussia Dortmund ausgeliehene Marvin Ducksch bei Spiegel Online und zog einige Parallelen zwischen BVB-Coach Jürgen Klopp und Paderborns Trainer Breitenreiter: "Das sind ähnliche Typen, Trainer, die ein Konzept haben und es auch vermitteln können."

Dennoch halten sich bundesweit hartnäckige Zweifel an der Bundesligatauglichkeit, für viele Experten kann die Paderborner Premierensaison nur mit dem direkten Wiederabstieg enden. Dementsprechend zahlt der Sportwettenanbieter bwin im Falle eines Abstiegs auch nur das 1,6-fache des Einsatzes zurück. Und tatsächlich: Die Parallelen zu den in den vergangenen beiden Jahren gescheiteren Überraschungs-Aufsteigern Eintracht Braunschweig und SpVgg Greuther Fürth sind nicht von der Hand zu weisen.

Das Fachportal Transfermarkt.de taxiert Paderborns gesamten Kader auf einen Marktwert von 20,05 Millionen Euro. Bayern Münchens Welttorhüter Manuel Neuer alleine ist das Doppelte wert.

Mäzen und Klubpräsident Wilfried Finke ist dennoch optimistisch, dass das Team seinen Platz in der Bundesliga findet: "Auch den Aufstieg hat uns doch niemand zugetraut", sagte er der Bild-Zeitung: "Ich will jedes Spiel mit Freude genießen, wir werden am Ende unter den besten 15 Mannschaft stehen." Den ersten Schritt dafür will Paderborn am Sonntag gegen den kriselnden FSV Mainz 05 machen. Nach dem Pokalaus und dem vorzeitigen K.o. in der Europa-League-Qualifikation wirkt Trainer Kasper Hjulmand bereits vor dem Saisonstart angeschlagen.

Finke ist jedenfalls siegessicher: "Wir werden 1:0 gewinnen. Mein Wunsch nach zehn Punkten zum Start (aus den ersten vier Partien bis zum Spiel gegen die Bayern, d. Red.) ist durchaus ernsthaft gemeint." Dann wäre der SC Paderborn tatsächlich erstklassig. - sid

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