Rekord hielt fast drei Jahrzehnte

Hürdenläufer sprengt bei Olympia Weltrekord - deutsches Formel-1-Team baut seine Laufschuhe

Hürdenläufer Karsten Warholm stellt bei Olympia einen neuen Weltrekord auf. Seine Schuhe werden vom deutschen Formel-1-Team Mercedes entwickelt.

Tokio - Bei Olympia* purzeln in diesen Tagen die Weltrekorde in zahlreichen Disziplinen*. Fabelzeiten, die eigentlich auf Jahre unschlagbar galten, gehören plötzlich der Vergangenheit an. Die Athleten und Athletinnen trainieren immer härter, um ihre früheren Idole zu schlagen. Doch auch die verbesserten technischen Möglichkeiten im Sport was Ausrüstung und Material angeht, verhelfen zu neuen Bestzeiten.

Davon profitierte nun auch ein Hürdenläufer*. Karsten Warholm hat beim Rennen über die 400 Meter Hürden einen neuen Weltrekord aufgestellt und dabei eine Schallmauer geknackt. Der Norweger blieb als erster Athlet in 45,94 Sekunden unter der 46er Marke.

Olympia: Hürdenläufer sprengt Weltrekord - Formel-1-Team Mercedes entwickelt Laufschuh

Ein Weltrekord war von Warholm fast erwartet worden, aber 45,94 Sekunden übertraf alle Erwartungen. „Das ist so verrückt, verrückt. Das ist mit Abstand der größte Moment meines Lebens“, sagte der 25-Jährige, nachdem er seine eigene Bestmarke gleich um 76 Hundertstelsekunden verbessert hatte. Zum Vergleich: Der Chemnitzer Marvin Schlegel schaffte in Tokio 46,39 Sekunden über die 400 m flach - war ohne Hürden im Weg also knapp eine halbe Sekunde langsamer als Warholm. Wie ist diese unfassbare Leistung nur möglich?

Das Geheimnis ist Warholms Schuhwerk. Seine Spikes sind ein Hightech-Produkt mit eingebauter Carbonplatte, die Kohlenstofffaser wird auch im Formel-1-Auto* von Lewis Hamilton* verwendet. Neben dem Norweger trägt die Schuhe auch der kanadische 100-Meter-Sprinter Andre de Grasse. „Es ist schon ziemlich cool, dass ich die Kohlenstofffaser in meinen Spikes habe, die auch im F1-Wagen von Lewis Hamilton verwendet wird“, sagte der Sprintdritte von Tokio bei der Vorstellung seiner Schuhe.

Die Schuhe wurden zusammen von Sportartikelhersteller Puma und Renningenieuren von Mercedes* entwickelt. Das Obermaterial der Hightech Spikes ist mit Kohlenstofffasern durchzogen, die Sohle ist wiederum eine Platte aus Kohlenstoff mit Dornen aus Titanium. Die Spikes wiegen gerade einmal 135 Gramm. Für Warholm geht es dabei um die perfekte Rückfederung. Die neuen Spikes sind durchaus umstritten, gelten bei manchen in der Szene als „technisches Doping“. Vom Weltverband World Athletics sind sie unter gewissen Parametern aber zugelassen.

Es ist schon ziemlich cool, dass ich die Kohlenstoffaser in meinen Spikes habe, die auch im F1-Wagen von Lewis Hamilton verwendet wird.

Andre de Grasse

Olympia: „Größtes Rennen in der Geschichte“ - Besser als Usain Bolt?

Auch Silbermedaillengewinner Rai Benjamin (USA) blieb in dem ultraschnellen Rennen mit 46,17 Sekunden deutlich unter Warholms altem Weltrekord vom 1. Juli (46,70). Bronze ging an den Brasilianer Alison Dos Santos, der mit 46,72 Sekunden schneller war als Kevin Young aus den USA bei seinem Olympiasieg 1992. Dessen 46,78 Sekunden von Barcelona hatten 29 Jahre als Weltrekord Bestand, ehe Warholm am 1. Juli 46,70 Sekunden hinlegte. Nur fünf Läufer in der Geschichte liefen Zeiten unter 47 Sekunden. Warholm knackte als erster unglaubliche 46 Sekunden.

„Ich habe wie ein verdammter Wahnsinniger trainiert“, sagte Warholm. „Ich hatte letzte Nacht Mühe einzuschlafen, weil ich dieses besondere Gefühl in meiner Brust hatte. Es ist wie das Gefühl, das ich als Sechsjähriger an Heiligabend hatte. Ein Gefühl, von dem man nicht glaubt, dass man es noch einmal haben wird, wenn man älter ist. Aber ich hatte es letzte Nacht.“

„Es war das größte Rennen in der Geschichte der Olympischen Spiele“, sagte Benjamin, der Geschlagene in diesem epischen Finale. „Ich denke, selbst Usain Bolts 9,58 Sekunden (Weltrekord über 100 m von der WM 2009, d. Red.) können da nicht mithalten. Drei Jungs waren schneller als der alte Weltrekord.“ Im Stabhochsprung ereignete sich hingegen ein Drama, die Favoritin auf Gold musste das Stadion im Rollstuhl verlassen. (ck/sid) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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