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Fall Djokovic: Der Sport ist keine privilegierte Parallel-Welt - Kommentar

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Von: Frank Heidenreich

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Mit dem Fall Novak Djokovic statuiert Australien ein Exempel: Der Sport ist keine privilegierte Parallelwelt. Ein Kommentar.

Hamm - Nein, der Sport ist keine Parallelwelt jenseits gesellschaftlich-politischer Debatten und Regeln. Auch wenn bedeutende Verbände, Vereine und prominente Aktive mitunter gerne so tun. Wenn es noch eines Beweises bedurfte – der „Fall Djokovic“ hat ihn geliefert.

TennisspielerNovak Djokovic
Geboren22. Mai 1987, Belgrad (Serbien)
Größe1,88 m

Fall Djokovic: Der Sport ist keine privilegierte Parallel-Welt - Kommentar

Serbien schlachtete den Wirbel um die Abschiebung des Tennisstars Novak Djokovic aus, die vermeintliche Opfergeschichte seines Nationalhelden befeuerte das aggressiv-nationalistische Grundrauschen in dem Balkanstaat. Und natürlich ließ der Fall keine der pandemiegeplagten Gesellschaften kalt, erst recht nicht die australische, die weitgehend solidarisch massive Corona-Restriktionen durchgestanden hat.

Die Australier sind durch harte Lockdowns verständlicherweise sehr sensibel für Ungerechtigkeiten. Ihnen wie der dortigen Politik musste es extrem sauer aufstoßen, dass ein bekennender Impfgegner daherkam und sich trotz vieler Ungereimtheiten und Halbwahrheiten wie selbstverständlich etwas zu erschleichen versuchte, was vielen Australiern in den vergangenen zwei Jahren verwehrt geblieben war.

Fall Djokovic: Australien statuiert ein Exempel

Die australische Regierung, die Behörden handelten mit der Ausweisung von Novak Djokovic mit der Abschiebung letztlich konsequent – und statuierten am Ende damit auch ein Exempel an einem der bekanntesten Sportler der Gegenwart. Der Spitzensport ist eben keine privilegierte Parallelwelt.

Die vergangenen Tage sind der unrühmliche Beginn eines ohnehin spannungsgeladenen Jahres im Verhältnis zwischen Sport und Politik. Olympia in Peking, die Fußball-WM in Katar – noch viel zu oft kommt aus dem Sport das fatale Signal, der Profitmaximierung oder dem eigenen Erfolg alles unterordnen, Macht- oder Menschenrechtsverhältnisse ignorieren zu können, nach eigenen Regeln verfahren zu dürfen und das Handeln nicht rechtfertigen zu müssen. Der Fall Djokovic sendet ein klares Signal: Es ist höchste Zeit für ein Umdenken.

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