Zweikampf mit Hamilton

Rosberg: "Keine Stallorder bei Mercedes"

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Die beiden Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton machten die ersten beiden Plätze beim großen Preis von Bahrain unter sich aus.

Sakhir - Auf der Jagd nach dem ersehnten WM-Titel wollen Lewis Hamilton und Nico Rosberg ihr Privatduell in der Formel 1 erbittert fortsetzen.

„Wir wollen coole Duelle zeigen, und das haben wir geschafft“, sagte WM-Spitzenreiter Rosberg am Dienstag im ARD-Morgenmagazin rückblickend auf den Zweikampf mit seinem britischen Mercedes-Teamkollegen in Bahrain. „So wird es auch weitergehen, es wird weiterhin knallhart sein“, prophezeite Rosberg, der aus dem Königreich am Persischen Golf zugeschaltet wurde. Auf dem Grand-Prix-Kurs finden diese Woche Testfahrten statt.

Hamilton ist gewarnt. Vor seinem Einsatz bei den Übungsfahrten am Mittwoch in Sakhir kündigte der Silberpfeil-Pilot eine intensive Aufarbeitung des Bahrain-Rennens an. „Ich weiß, dass ich nicht die Geschwindigkeit von Nico hatte. Das wird in meinem Hinterkopf bleiben und ich muss hart arbeiten, um herauszubekommen, woran das lag“, erklärte der WM-Zweite nach seinem zweiten Saisonsieg. In Sakhir hatte er Rosberg am Ende um nur rund eine Sekunde distanzierte.

Hamilton reichen solche Wimpernschlag-Erfolge nicht. Auf dem Weg zum ersehnten zweiten Titel muss der Tattoo-Fan weiter kühl analysieren. „Eine Menge Vorteile, die ich in dem Rennen zuvor hatte, hat Nico ausfindig gemacht und übernommen“, erläuterte Hamilton nach seinem 24. Grand-Prix-Sieg. „Ich muss herausbekommen, was er besser gemacht hat und schauen, ob ich mich für das nächste Rennen verbessern kann.“

Das hinterherfahrende Red-Bull-Team um Weltmeister Sebastian Vettel hofft darauf, den Silberpfeilen spätestens ab dem übernächsten Lauf Paroli bieten zu können. „Mercedes einzuholen ist ein Prozess, das geht nicht mit einem Geniestreich. Wir hoffen, in Europa mindestens in Reichweite von Mercedes zu sein“, sagte Motorsportberater Helmut Marko am Montagabend bei Servus TV mit Blick auf den Europa-Auftakt der Formel 1 am 11. Mai in Spanien.

Die Leistungen der Silberpfeile um Hamilton und Rosberg nötigen dem Österreicher großen Respekt ab. „Wir schätzen den PS-Vorsprung von Mercedes bei etwa 80 PS, die Fahrbarkeit ist zudem noch viel besser als bei Ferrari und Renault“, erläuterte Marko. „Das hat sich Mercedes durch Cleverness und wesentlich längere Vorbereitung erarbeitet. Da werden wir sehr zu kämpfen haben, dass wir nur annähernd in die Nähe von Mercedes kommen.“

Hamilton jedenfalls wirkt derzeit ganz bei sich, wird aber von unbändigem Ehrgeiz getrieben. Am 20. April in China und auch in den Rennen danach will der 29-Jährige vorne stehen. Der Motorsport-Ziehsohn von McLaren-Legende Ron Dennis spricht mit Blick auf die teaminternen Belastungstests von großem Respekt für Rosberg. Mehr auch nicht. „Ich kann meine Freunde an einer Hand abzählen, und ich bin mir sicher, dass Nico das auch kann. Er gehört nicht zu meinen fünf und ich nicht zu seinen“, stellte er klar. „Wir sind da, um Rennen zu fahren.“

Das taten sie schon vor 14 Jahren, als beide als Teamkollegen in der Kart-Formel A starteten. Sie sind Rivalen im Rennstall. „Es gibt Lewis gegen mich und uns gegen den Rest“, fasste Rosberg die Lage zusammen. Heute fährt Hamilton seine zweite Saison für Mercedes, für seinen Kollegen ist es schon die fünfte bei den Silberpfeilen. Hier der Junge aus dem kaum begüterten Elternhaus in Stevenage, dort der polyglott aufgewachsene Sohn eines früheren Formel-1-Champions.

Teamkontrolleur Niki Lauda erkennt eine gesunde Rivalität. „Sie reden freundlich miteinander, das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte der Österreicher. „Für mich sind beide mit der Performance gleich.“

Landsmann und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist sich bewusst, dass es in diesem Jahr zu weiteren Kämpfen seiner Titelaspiranten kommen wird. Drauflos sollen Hamilton und Rosberg erstmal fahren, irgendwann helfen jedoch auch klar besprochene Rennszenarien nicht mehr. „Wir fighten, was das Zeug hält da draußen“, sagte Rosberg. „Eines Tages wird alles nur akademisch sein“, räumte Wolff ein. „Wenn wir weiter so schnell sind, wird es Auseinandersetzungen geben, mit denen wir umgehen müssen.“

dpa

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