„Nicht schlecht, Frau Specht!“

Dieser Podcast macht Werbung für den Frauenfußball

Das Duo hinter „Nicht schlecht, Frau Specht!“: Markus Trümper (links) und Danny Fritz aus Dortmund.
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Das Duo hinter „Nicht schlecht, Frau Specht!“: Markus Trümper (links) und Danny Fritz aus Dortmund.

Die Liste an Fußball-Podcasts wird stetig länger. Anders sieht es bei Podcasts aus, die sich ausschließlich dem Frauenfußball widmen. Zwei Dortmunder haben diese Lücke erkannt – und gründeten „Nicht schlecht, Frau Specht!“.

Dortmund - Mit Annike Krahn fing alles an. Die frühere Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin arbeitete fast zwei Jahre Seite an Seite mit Markus Trümper in der Stabsstelle Kommunikation des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) in Kaiserau. Trümper, 33 Jahre alt, ausgebildeter Redakteur, macht keinen Hehl daraus, dass er vorher nahezu keinen Bezug zum Frauenfußball hatte. „Annike war sozusagen meine Eingangstür“, sagt er. „Durch sie und das FLVW-Mädcheninternat habe ich gemerkt, wie viele schöne Geschichten der Frauenfußball schreibt, die keiner erzählt.“

Trümper wollte das ändern. Seine Idee: ein Podcast, also eine online abrufbare Audio-Serie. In Danny Fritz fand er den passenden Mitspieler. Sie kannten sich aus gemeinsamen Tagen beim Vereinssender von Borussia Dortmund (BVB-TV). Der 39-jährige Fritz arbeitet dort seit 2012, ist heute Redaktionsleiter. „Ich wusste, dass Danny Frauenfußball-Sympathisant ist und zudem auch wirklich Ahnung von der Thematik hat. Also habe ich ihn gefragt, ob er nicht Lust auf ein solches Projekt hätte. Und das hatte er.“

Anja Mittag, Linda Dallmann und Laura Freigang waren schon Gäste

Fritz’ Expertise spielt dem Duo in die Karten. Zunächst bei der Namensgebung des Podcasts. Denn Fritz erinnerte sich an Charlotte „Lotte“ Specht. Sie gründete 1930 in Frankfurt den ersten deutschen Frauenfußballverein. „Mit der Adaption der Redensart drückt „Nicht schlecht, Frau Specht!“ unsere Anerkennung gegenüber Lotte Specht aus, was sie vor über 90 Jahren auf den Weg gebracht hat“, sagt Fritz.

Zudem profitiert das Projekt von seinen guten Kontakten in die Frauenfußball-Szene. So schrieb Fritz für die „SportBild“ über die Frauen-Bundesliga, kommentierte für DFB-TV Live-Spiele. „Beim ersten EM-Sieg 1989 oder auch bei den WM-Erfolgen 2003 und 2007 habe ich am Fernseher mitgefiebert“, sagt er. 2006 sah er in Hamburg erstmals ein Spiel der Frauen-Bundesliga, war „sofort fasziniert“ und fortan „regelmäßiger Stadionbesucher“ – auch bei Champions-League-Endspielen und Partien der Nationalelf. Der Dortmunder kennt einige Spielerinnen persönlich – die Liste der Gäste der bisherigen 15 Episoden im Zwei-Wochen-Rhythmus ist entsprechend namhaft. Gleich in der am 16. September 2020 ausgestrahlten Premierenfolge sprachen Trümper und Fritz mit den früheren Nationalspielerinnen Anja Mittag und Josephine Henning, die selbst einen Podcast über Frauen im Fußball unterhalten („Mittags bei Henning“). Aktuelle Auswahlakteurinnen wie Linda Dallmann (FC Bayern) und Laura Freigang (Eintracht Frankfurt) folgten, auch Olympiasiegerin Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg war zu Gast.

Potsdam-Spielerinnen sprechen über Homosexualität und Frauenfußball

„Wir mussten bei keiner Spielerin Überzeugungsarbeit leisten, im Gegenteil“, sagt Trümper. „Auch die Vereine sind uns sehr positiv gegenübergetreten, da wir ja auch Werbung für den Frauenfußball machen.“ Alle eine „der Wunsch und das Ziel, dem Frauenfußball mehr Aufmerksamkeit zu verleihen“, betont Fritz.

Auf entsprechend offene Gesprächspartner treffen die Dortmunder. Geraten viele Interviews mit männlichen Fußballern zu einem einzigen Phrasendrescher, reden die „Specht“-Gäste meist angenehm ungezwungen über Triumphe, Rückschläge und Persönliches. „Man merkt, dass sie entspannter sind und vielleicht auch weniger in der Öffentlichkeit stehen“, sagt Trümper. Zuletzt sprachen er und Fritz mit Gina Chmielinski und Nina Ehegötz von Turbine Potsdam offen über das Thema Homosexualität. „Das wäre im Männerfußball sicherlich undenkbar“, meint Trümper. „Die Fußballerinnen sind viel freier und die Vereine lassen ihnen diese Freiheiten auch“, sagt Fritz. Linda Dallmann las im Podcast Spielanalysen ihres Vaters per Whatsapp-Nachrichten vor, Rachel Rinast vom 1. FC Köln stellte ihr Comedy-Talent unter Beweis und mit Annike Krahn sprachen Trümper und Fritz im Deutschen Fußballmuseum inmitten historischer Exponate zum Thema „50 Jahre Frauenfußball in Deutschland“. „Das war schon ziemlich cool“, sagt Fritz.

Hoffnung auf Marozsán, Steinhaus und Magull

Dass Trümper im Gegensatz zum Podcast-Partner noch Nachholbedarf beim Thema Frauenfußball hat, ist für ihn kein Problem: „Ich sehe mich da immer noch nicht als Experten. Das macht das Projekt gleichzeitig aber so spannend, dass Danny und ich da so unterschiedlich aufgestellt sind.“ Trümper zeichnet hauptsächlich für den „Frau-Specht“-Auftritt in den Sozialen Medien verantwortlich, antwortet dort auf Fragen und Feedback. „Das gehört schließlich auch zu meinem Berufsalltag beim FLVW.“ Das Schneiden der meist 45 bis 60 Minuten langen Folgen übernehmen sie im Wechsel – obwohl das Thema Podcast für Fritz Neuland war: „Ich hatte null Erfahrung und vor unserer ersten Aufzeichnung noch nie einen Podcast komplett gehört.“ Einzige Ausnahme: „Mittags bei Henning“.

Inzwischen sind die Aufnahmen fast schon Routine. „Vor allem das Zusammenspiel mit Danny“, sagt Trümper. Abrufzahlen, betont Fritz, seien für ihr Projekt „kein entscheidendes Kriterium“. Denn: „Machen wir uns nichts vor. Mit einem Podcast zum Frauenfußball unterhält man kein Millionenpublikum.“ Aber: „Wir bewegen uns in einer sehr dankbaren Community und die vielen Nachrichten bestärken uns, dass wir auf keinem so falschen Weg sind. Wir finden Gehör bei Fans, Spielerinnen, Vereinen und Verband. Was wünscht man sich mehr?“

Zum Beispiel einen bestimmten Gast. Konkrete Vorstellungen haben beide. Trümper nennt die deutsche Weltklasse-Spielerin Dzenifer Marozsán und Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Fritz hingegen sagt: „Am 6. Juni endet die Bundesliga-Saison. Am 9. Juni hätte ich dann gerne die Kapitänin des Deutschen Meisters zu Gast. Mit Meisterschale. Es riecht nach Lina Magull. Eine gebürtige Dortmunderin als Kapitänin beim FC Bayern – das allein ist doch schon eine Geschichte.“

Podcast

„Nicht schlecht, Frau Specht!“, alle 14 Tage mittwochs bei Spotify, Deezer, Apple Podcast und weiteren Plattformen

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