Nach Horror-Sturz

Morgenstern plant für Olympia: "Will dabei sein"

+

Klagenfurt - Thomas Morgenstern bleibt das Stehaufmännchen des Skispringens. Der Österreicher hat keine zwei Wochen nach seinem schweren Sturz die Olympischen Spiele ins Auge gefasst.

Die blutigen Wunden im Gesicht sind verheilt, das Lausbuben-Lachen ist wieder ganz das alte: Als Thomas Morgenstern am Donnerstag erstmals seit seinem Horror-Sturz wieder vor die Kameras trat, erinnerte nicht mehr viel an die bangen Stunden auf der Intensivstation. Ganz im Gegenteil: Nur 13 Tage nach dem Crash beim Skifliegen hat der Österreicher nun sogar die Olympischen Spiele ins Visier genommen.

„Der Flug nach Sotschi geht am 4. Februar. Da werde ich mit an Bord sein“, sagte Morgenstern bei einer Pressekonferenz in der Klinik Maria Hilf in Klagenfurt, während neben ihm die Ärzte im weißen Kittel zufrieden lächelten. „Medizinisch gibt es keine Einwände. Weder an der Bandscheibe noch beim Rückenmark ist etwas passiert. Auch die Hirnströme geben keinen Hinweis für eine direkte Verletzungsfolge“, sagte der behandelnde Arzt Dr. Georg Lajtai.

Noch am 10. Januar war eine solche Perspektive nahezu undenkbar. Am legendären Kulm war Morgenstern hart auf den Boden geprallt und fast 100 Meter reglos den Hang runtergerutscht. Der dreimalige Olympiasieger erlitt eine Schädelverletzung und eine Lungenquetschung, landete ohne Umweg auf der Intensivstation. „Es ist beeindruckend, wie schnell sich mein Körper in der kurzen Zeit regeneriert hat“, sagte Morgenstern.

Schon Mitte Dezember war der 27-Jährige in Titisee-Neustadt schwer gestürzt, anschließend gab er mit Platz zwei bei der Vierschanzentournee ein starkes Comeback. So wie damals die Tournee habe ihm nun Olympia die entscheidende Motivation gegeben, sagte Morgenstern: „Einen Tag nach dem Sturz bin ich aufgewacht, habe meinen Körper begutachtet, und dann ist in meinen Kopf geschossen: Bald ist Olympia. Das war von Anfang an wichtig, meine Ziele waren schon immer sehr hoch.“

Und so geht Morgenstern fest davon aus, in Sotschi zum starken ÖSV-Team um Tournee-Sieger Thomas Diethart und Gregor Schlierenzauer zu gehören. „Am Montag wird das Team benannt. Da hoffe ich, auf der Liste zu stehen“, sagte der Österreicher, der schon mit leichtem Training begonnen hat. „Es sind noch mehr als zwei Wochen. Vorher möchte ich wieder auf die Schanze gehen“, sagte er.

Andere Stimmen rieten Morgenstern dagegen zu einem Rücktritt. Sein Glück sei aufgebraucht, hieß es, schließlich war er schon 2003 im finnischen Kuusamo schwer gestürzt. „Natürlich kommen da Gedanken. Aber ich will meine Karriere nicht mit einem Sturz beenden“, sagt er nun. ÖSV-Sportdirektor Ernst Vettori saß daneben und konnte es kaum glauben: „Ich bin schwer beeindruckt, in welch toller Verfassung sich Thomas hier präsentiert.“

Ihren Hut zogen sogar die Ärzte. „Thomas Morgenstern ist sportlich, aber auch mental eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Ein Sturz hinterlässt nicht nur physische, sondern auch psychische Folgen. Aber wir haben mit dem ÖSV kommuniziert. Wir ziehen an einem Strang und sind der gleichen Meinung, was man medizinisch vertreten kann - und was nicht“, sagte Lajtai.

Thomas Morgenstern jedenfalls blickt von nun an nur noch nach vorne. Den Sturz in Bad Mitterndorf habe er sich nur einmal am Fernseher ansehen können, sagte er: „Normalerweise habe ich keinen Bammel. Aber das hat mir gereicht.“

sid

Schwerer Sturz von Skispringer Morgenstern - Bilder

Schwerer Sturz von Skispringer Morgenstern - Bilder 

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare