Interview

ASV-Geschäftsführer Franz Dressel: "Wir können Großes erreichen"

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Franz Dressel

Seit zehn Jahren war Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen vor Weihnachten sportlich nicht mehr in einer so komfortablen Situation wie in diesem Jahr. Punktgleich mit Spitzenreiter HSC Coburg geht die Mannschaft in die letzten beiden Heimspiele vor der EM-Pause. Im Gespräch mit Günter Thomas spricht ASV-Geschäftsführer Franz Dressel über große Chancen, die kommenden Spiele und die Planung der Zukunft.

Nach 16 von 17 Spieltagen der Hinrunde steht Ihre Mannschaft punktgleich mit Tabellenführer HSC Coburg auf Platz zwei der 2. Liga. Haben Sie das so zu Saisonbeginn erwartet?

Dass wir so einen guten Lauf haben, war nicht unbedingt zu erwarten. Weil die Situation um die Mannschaft herum nicht so einfach gewesen ist. Der feststehende Trainerwechsel, einige Spieler sind sich noch im Unklaren, ob sie über die Saison hinaus einen Vertrag kriegen. Um so größer ist meine Hochachtung vor dem, was Mannschaft und Trainer geleistet haben. Das ist sensationell. Ich habe den Eindruck, dass sich der Wille in den vergangenen Spielen noch verstärkt hat, aus denen wir mit 11:1 Punkten herausgegangen sind. Auch das 24:24 in Ferndorf war im Grunde nach dem Spielverlauf eher ein gewonnener Punkt. Deshalb kann ich mit der Situation allerbestens leben.

Jetzt stehen zwei schwere Heimspiele in Hamm gegen Bietigheim und in der Dortmunder Westfalenhalle gegen den direkten Verfolger VfL Gummersbach an. Was erwarten Sie sportlich von diesen beiden Begegnungen?

Dass die Mannschaft genauso weitermacht wie zuletzt. Wir müssen allerdings weiter von Spiel zu Spiel gucken. Das nächste ist gegen Bietigheim, das nicht so stark ist, wie es alle geglaubt haben, aber mit sechs Minuspunkten das beste Auswärtsteam stellt. Doch ich hoffe, dass wir das auch noch gewinnen, damit wir Weihnachten wirklich noch auf einem der beiden Aufstiegsplätze stehen.

"Ich erwarte schon am 2. Weihnachtstag eine volle Arena"

Im Umfeld des ASV scheint es derzeit noch relativ ruhig. Zum Heimspiel gegen den TSV Bayer Dormagen kamen 1810 Zuschauer.

Das ist etwas, das ich bisher vermisse: Wir sind seit zehn Jahren, seit dem Aufstiegsjahr, nicht mehr in einer so komfortablen Situation gewesen wie im Moment. Damals war die Bereitschaft von Außen, diese Unterstützung und das Mitfiebern stärker ausgeprägt als jetzt. Entweder glauben die Leute noch nicht daran, dass wir etwas Großes erreichen können. Oder wir selbst müssen mehr dafür tun, sie in die Halle zu kriegen. Ich erwarte schon am 2. Weihnachtstag eine volle Arena und dass die Jungs dann vielleicht auch die Rote Wand sehen werden, dass alle Zuschauer in rot gekleidet kommen – wir brauchen diese Unterstützung der Fans.

Wie sieht der Vorverkauf für Bietigheim aus?

Ich habe die letzten Zahlen nicht, gehe aber davon aus, dass es gegen Bietigheim der Saisonrekord wird, der dann in Dortmund nochmal deutlich übertroffen wird.

Was können Sie tun, um diese notwendige Euphorie rund um die Mannschaft zu schüren?

Ich glaube, wenn wir wirklich bis Ende des Jahres kein Spiel mehr verlieren und in die EM-Pause gehen, wird den Leuten bewusster, was der ASV erreicht hat. Und noch erreichen kann. Man muss sich ja nur mal die Paarungen der Rückrunde ansehen, da müssen alle Mannschaften, die mit uns auf Augenhöhe sind und bei denen wir in der Hinserie Punkte gelassen haben, noch zu uns kommen. Das bedeutet zwar nicht, dass wir kein Spiel mehr verlieren. Aber die Voraussetzungen, um eine noch erfolgreichere Rückrunde zu spielen, sind ziemlich gut. Wenn unsere Statistik nicht daneben liegt, haben wir seit 365 Tagen kein Heimspiel mehr verloren. Das sollte für die Menschen in Hamm ausreichend Motivation sein, um uns zu unterstützen. Es ist natürlich auch klar, dass wir irgendwann mal ein Spiel verlieren, wo wir gar nicht mit rechnen. Aber das wirft die Mannschaft nicht mehr um.

"Die Gespräche waren nie so leicht, wie in diesem Jahr"

Wie wirkt sich die Euphorie innerhalb der Mannschaft auf Ihre Arbeit aus?

Sehr positiv. Das sehe ich schon allein an den Verhandlungen bezüglich der Vertragsverlängerung. Ich will nicht meine Position schwächen, aber ich glaube, die Gespräche waren nie so leicht, wie in diesem Jahr. Es sind wirklich alle daran interessiert, auch in Zukunft beim ASV zu spielen.

Ein Großteil der Vorbereitung und Organisation konzentriert sich auf das letzte Heimspiel am 30. Dezember in Dortmund. Ist das Weihnachts-Heimspiel gegen die SG BBM Bietigheim da bisher in der Außendarstellung zu kurz gekommen?

Glaube ich nicht. Ich gehe davon aus, dass da noch eine Dynamik reinkommt bis Weihnachten. Klar ist Gummersbach in Dortmund das, was stärker in den Köpfen sitzt als das Bietigheimspiel. Aber wer sich die Paarungen ansieht, der weiß auch, wie wichtig diese Partie für uns ist. Ich vertraue darauf, dass die Fans Riesenlust auf das Spiel haben.

Sie sind mit dem Gang in die Westfalenhalle ein großes Risiko eingegangen. Sportlich kann es jetzt kaum bessere Voraussetzungen geben. Haben Sie sich schon beim Spielleiter der Handball-Bundesliga, (HBL) Andreas Wäschenbach, bedankt?

Ne, ich muss mich bei den Spielern bedanken und beim Trainer. Beim VfL Gummersbach war trotz des holprigen Starts damit zu rechnen, dass das eine Mannschaft ist, die am Ende um den Aufstieg mitspielen wird. Dass wir es auch sind, ist sicher nicht dem Spielleiter der HBL zu verdanken, sondern eher unserer Mannschaft und dem Trainer.

Es gab allerdings auch Kritik. Schließlich verzichten Sie in einem so bedeutenden Spiel auf Ihren Heimvorteil in der Westpress Arena, die ja schon zu einer Festung geworden ist.

Das liegt an den Kritikern, für den Heimvorteil zu sorgen. Die können ja nach Dortmund kommen und uns unterstützen. Dann wird es wahrscheinlich von der Atmosphäre her zu unseren Gunsten ausgehen. Wir werden da mit großem Spaß hinfahren – und diese Freude muss sich auch in der Halle widerspiegeln. Ich gehe davon aus, dass die 7000er Grenze übertroffen wird. Dann ist das eine tolle Zahl.

Vor dem Heimspiel gegen Dormagen haben Sie die Verlängerung der Verträge mit Sören Südmeier, Jan Brosch, Markus Fuchs und Felix Storbeck um jeweils zwei Jahre verkündet. Wie sieht es mit den anderen zum Saisonende auslaufenden Verträgen aus?

Ich wollte dieses wichtige Spiel in Hüttenberg abwarten, damit sich die Spieler nicht mit irgendwelchen Dingen auseinandersetzten müssen. Die Gespräche gehen in dieser Woche weiter.

Es laufen die Verträge von Oliver Milde, Vyron Papadopoulos, Jan von Boenigk, Stefan Lex und Oliver Krechel aus. Sind sie bei den Verhandlungen noch ergebnisoffen?

Es gibt schon ein paar Vorstellungen. Aber die Entscheidungen werden erst nach den Gesprächen getroffen.

Der Wechsel auf der Trainerposition zum Saisonende steht fest. Haben Sie schon regelmäßigen Kontakt zum künftigen Trainer, Michael Lerscht?

Ja, man tauscht sich aus. Aber zunächst ist er Trainer in Ferndorf und hat die schwierige Aufgabe vor sich, die Klasse zu halten. Ich bin aber auch mit unserem jetzigen Coach Kay Rothenpieler noch im Austausch, der auch über die Entscheidungen, die derzeitigen Spieler betreffend, Bescheid weiß.

In die Personalplanungen ist der neue Trainer aber einbezogen?

Ja, das ist er.

"Der Aufstieg der 2. Mannschaft wäre sehr wichtig"

Es steht zwar noch die komplette Rückrunde vor der Mannschaft, aber sind Sie nicht schon jetzt in der Zwickmühle, zweigleisig planen zu müssen?

Darum war es ja wichtig, dass wir schon einige Verträge verlängert haben. Das sind Spieler, mit denen wir auch weiter gemacht hätten, wenn heute schon klar wäre, dass wir aufsteigen. Es ist richtig, dass wir auf ein, zwei, drei Positionen im Mai, wenn es absehbar sein sollte, Veränderungen vornehmen müssen. Aber wir werden jetzt nicht sechs Neue verpflichten, und die anderen werden dann nur noch Ergänzungsspieler sein. Diejenigen, die jetzt die Verlängerungen bekommen, werden auch im kommenden Jahr wieder sicher für uns auflaufen.

Wird es beim Weihnachtsspiel besondere Aktionen in der Halle geben?

Nein, wir wollen da nicht ablenken, ein gutes Spiel machen und als Sieger von der Platte gehen. Ich denke, das ist Programm genug.

Die Reserve hat sehr gute Aussichten, aus der Oberliga in die 3. Liga aufzusteigen. Was bedeutet das für die Planung der ersten Mannschaft?

Der Aufstieg wäre für uns sehr wichtig. Wenn wir eine zweite Mannschaft in der 3. liga haben würden, heißt das doch, dass junge, talentierte Spieler aus dem Umkreis von 50 Kilometern eigentlich nur zum ASV Hamm wechseln können, weil sie da in allen Klassen die Möglichkeiten haben, eingesetzt zu werden. Das ist auch das Konzept der nächsten Jahre, das mit dem neuen Trainer so abgesprochen ist. Das trägt er auch voll mit. Mit den Verpflichtungen von Jan Pretzewofsky und Alex Rubino wollten wir auch in diesem Jahr schon ein Zeichen setzen an die jungen Spieler, die sich für den ASV interessieren, dass es realistisch ist, in den Profi-Kader aufzusteigen.

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