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Europapokal-Sieger Eintracht Frankfurt? Werner Lorant aus Welver weiß, wie es geht

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Von: Frank Zöllner, Patrick Mayer

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Eintracht Frankfurt
21. Mai 1980: Nach dem 1:0-Sieg im Rückspiel um den Uefa-Pokal zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach begeben sich die Frankfurter Spieler (von links) Wili Neuberger, Werner Lorant, Bernd Nickel, Bernd Hölzenbein, Bruno Pezzey, Fred Schaub und Bum-kun Cha auf die Ehrenrunde durch das Waldstadion. © DPA-Foto Roland Witschel

Der Name Werner Lorant wird vornehmlich mit dem TSV 1860 München in Verbindung gebracht. Der aus Welver stammende Lorant, der die „Löwen“ als Trainer und mit dem Spitznamen „Werner Beinhart“ zwischen 1992 und 2000 aus der drittklassigen Bayernliga bis in die Champions-League-Qualifikation führte, war selber Bundesliga-Spieler. Seine größte Zeit hatte der 73-Jährige, der heute im Süden Bayerns in Waging am See lebt, bei Eintracht Frankfurt.

Welver/Frankfurt – 1980 holte Lorant mit den Hessen den bislang einzigen internationalen Titel der Vereinsgeschichte – den Uefa-Cup. Nach dem 3:2 im Hinspiel für Mönchengladbach reichte dem Frankfurtern im Rückspiel ein 1:0 zum Sieg. Trainer Friedel Rausch brachte für Norbert Nachtweih Fred Schaub. Und der traf vier Minuten später aus einem Strafraumgewühl zum 1:0 für die Eintracht (81.). Das war das Tor, das den Titel bedeutete.

Vier deutsche Teams im Halbfinale

Am Mittwoch kann nun die neue Frankfurter Generation um Trainer Oliver Glasner und mit Sebastian Rode, Julian Trapp oder Ansgar Knauff nachziehen. „Ja, wir sind mit einigen Helden von 1980 in Sevilla. Wir hatten auch Werner Lorant eingeladen, aber er hat nicht reagiert“, teilte die Pressestelle der Eintracht auf Anfrage mit. 

Werner Lorant
Werner Lorant lebt nun in Waging am See. © DPA-Foto: Uwe Lein

Vor 42 Jahren war die Ausgangslage denkbar schwer. Im Halbfinale besiegte Frankfurt Bayern München mit 5:1 nach Verlängerung im Rückspiel im Waldstadion vor 50 000 Zuschauern. Das Hinspiel gewann München mit 2:0, im Rückspiel stand es nach 90 Minuten durch Tore von Bruno Pezzey 2:0 – Verlängerung. Zwei Minuten vor Abpfiff besorgte Werner Lorant per Foulelfmeter den 5:1-Endstand. Das Stadion stand Kopf, die Eintracht im Europapokalfinale.

Zur Person

Der 73-jährige Werner Lorant wurde in Welver als ältestes von sieben Kindern geboren. Er war Bundesliga-Spieler beim Borussia Dortmund, 1. FC Saarbrücken, Eintracht Frankfurt und dem FC Schalke. Schon als Profi war er für seine knallharte Spielweise bekannt. Später ging er als Erfolgscoach des TSV 1860 München (1992 bis 2002) und wegen seiner strengen Methoden als Trainer als „Werner Beinhart“ in die Bundesliga-Geschichte ein. Als Coach führte er die „Löwen“ von der Drittligameisterschaft bis zur Qualifikation für die Champions League.

Im Hinspiel des Endspiels 1980 hatte die Eintracht 2:3 in Mönchengladbach verloren. Auch im Rückspiel am 21. Mai 1980, also vor fast genau 42 Jahren, stand Lorant für Frankfurt in der Startelf.

„Für mich waren die vier Jahre, die ich bei Eintracht Frankfurt (1978 bis 1982, Anm. d. Red.) gespielt habe, schon immer der Höhepunkt als Profi. Das Rückspiel im Uefa-Cup-Finale gegen Gladbach war für uns das wichtigste Spiel des Jahres. In solchen Spielen ist es immer eine enge Kiste. Wir wussten aber, was wir tun müssen. Ich hatte damals viele gute, super Kollegen.“

In solchen Spielen ist es immer eine enge Kiste. Wir wussten aber, was wir tun müssen.

Werner Lorant, UEFA-Cup-Sieger aus Welver.

In einem verrückten Uefa-Cup mit zwei deutschen Halbfinals hatte sich die Eintracht dank eines 5:1 nach Verlängerung gegen Bayern München für das Endspiel gegen Gladbach qualifiziert. Die Borussia hatte sich ihrerseits gegen den VfB Stuttgart durchgesetzt. Nach dem 3:2 für Mönchengladbacher im Hinspiel auf dem „Bökelberg“ folgte ein echter Krimi im mit 59 000 Zuschauern ausverkauften Waldstadion.

Werner Lorant über die Frage, wer der größte Trainer in der Geschichte des TSV 1860 München war.

Lorant fühlte sich wie im Tunnel: „Es gab nicht diese eine Szene. Das ganze Spiel war eine Szene. Du warst von Anfang an auf Spannung“, sagt der Welveraner, der nach seiner Zeit bei den Löwen Trainer bei der SpVg Unterhaching und auf Zypern, in der Türkei, in China und im Iran war. „Als wir einen Tag vorher extra ins Trainingslager gefahren sind, war diese Spannung schon da. Da war der Trainer, der dich gepusht hat. Entscheidend für mich waren aber die 90 Minuten. Es war klar: Wir müssen gewinnen, Ende! Wir hatten schließlich eine Top-Mannschaft mit Charly Körbel und was weiß ich, wem noch alles.“

Kaum Erinnerungen an die Feier nach dem Spiel

Zum Rückspiel-Abend sagt der ehemalige Mittelfeldspieler, der beim SV Welver mit dem Kicken begann: „Das Entscheidende ist immer, sich nur auf das Spiel zu konzentrieren. Der Gegner hatte auch überragende Spieler (Winfried Schäfer, Ewald Lienen, Lothar Matthäus, Anm. d. Red.). Aber ich habe mir nie Gedanken gemacht, welcher der Jungs mir das Leben schwermachen würde. Ob dieser Gegenspieler kommt, oder der, das war mir egal – ich wollte dieses Spiel einfach nur gewinnen.“

Frankfurt war im Vergleich zu den anderen drei deutschen Uefa-Cup-Halbfinalisten FC Bayern, VfB Stuttgart und Mönchengladbach Außenseiter – und gewann überraschend den Pokal. „Danach wurde in Frankfurt richtig gefeiert. Als wir in der Stadt angekommen sind, als wir mit dem Bus egal wohin gefahren sind, waren die Straßen voll. Überall waren Leute, die uns empfangen haben. Das war wunderschön. Ich habe zwar kein Erinnerungsstück mehr. Aber ich habe immer ein Bild im Kopf. Und das reicht mir. Weil: Der Fußball ist schnelllebig. Aber das Bild an dieses Spiel habe ich immer im Kopf“, sagt Werner Lorant.

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