EURO 2020

Volles EM-Stadion in Budapest sorgt für massive Kritik: „Rücksichtslos und unsportlich“

Das Stadion in Budapest war beim EM-Spiel zwischen Ungarn und Portugal nicht einfach bloß voll, sondern restlos ausverkauft. Trotz Corona-Pandemie. Die Kritik ist groß.

Hamm - Die Bilder waren fast schon befremdlich. Eben weil wir sie in Deutschland seit Ausbruch der Corona-Pandemie nicht mehr gesehen haben. Beim Gruppenspiel der EM 2021 (offiziell: EURO 2020) zwischen Ungarn und Portugal war das Stadion in Budapest ausverkauft. Über 55.000 Zuschauer waren in der vollen Arena.

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EM 2021: Budapest heftig in der Kritik - „Rücksichtslos und unsportlich“

Auffällig dabei: Corona-Masken trug fast niemand mehr - auch wenn Experten immer wieder davor warnen, die Maskenpflicht gerade bei großen Veranstaltungen mit vielen Menschen auf engem Raum nicht zu kippen. Für viele Fußball-Fans sicherlich ein Segen. Doch die Szenen vom ersten Spieltag der EM 2021 im vollen Budapester Stadion sorgten vielerorts für Befremdung und Kritik.

Für Uli Hoeneß sei die Zulassung der über 55.000 Menschen, die Ungarns EM-Auftakt am Dienstag so feierten, als wäre die Pandemie ausgestanden, „ein schlechtes Signal“, sagte der ehemalige Präsident des FC Bayern bei MagentaTV. Der Telekom-Dienst überträgt alle Spiele der EURO 2020 live - kostenlos ist das Angebot aber nicht. „Man kann nur hoffen, dass nichts passiert.“

Die Stimmung im vollen Stadion in Budapest war bei der 0:3-Niederlage der Ungarn gegen Europameister Portugal dagegen erstklassig. Phasenweise kochte die Puskas-Arena, und Torwart Peter Gulacsi (RB Leipzig) sprach von einer „lebenslangen Erfahrung“. Doch ein Nachgeschmack bleibt. Schon vor dem Spiel wirkte es unfreiwillig komisch, dass auf Bildschirmen zum Tragen einer Maske aufgerufen worden war, sich aber nahezu keiner der offiziell 55.662 Besucher daran hielt.

EM 2021: Volles Stadion in Budapest: Karl Lauterbach kritisiert Vorgehen

Das Problem an der ganzen Sache: Eine offizielle Maskenpflicht gibt es in den EM-Stadien nicht. Es handelt sich lediglich um eine Empfehlung, der jedoch kaum jemand folgte. Schon vor der EM-Partie in Budapest waren rund 25.000 Ungarn-Fans vom Heldenplatz zum Stadion gezogen.

Bilder, die SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach aufs Schärfste kritisierte. „Diese Bilder zeigen genau das, was die EM vermeiden sollte“, schrieb der 58-Jährige auf Twitter: „Während halb Europa und 95 Prozent der ärmeren Welt noch nicht geimpft sind, verhält man sich so, als ob die Pandemie vorüber wäre. Rücksichtslos und unsportlich.“ Für ihn sei es jedoch absehbar gewesen, dass es zu solchen Aktionen kommen würde.

EM 2021: Nur Budapester Stadion hat eine Auslastung von 100 Prozent - Inzidenz niedriger als in Deutschland

Die ungarische Regierung hatte der Europäischen Fußball-Union (UEFA) für das Stadion in Budapest eine Auslastung von 100 Prozent zugesichert - als einziger EM-Standort. Bilder von Fanscharen waren unvermeidlich.

Die Sicherheit der Zuschauer vor dem Coronavirus soll indessen mit Immunausweisen garantiert werden. Jeder ungarische Fan braucht einen solchen, um ins EM-Stadion zu gelangen. Nur wer mindestens einmal geimpft oder von einer Corona-Infektion genesen ist, bekommt ihn. Laut John-Hopkins-Universität haben bislang rund 42 Prozent der 9,8 Millionen Einwohner Ungarns die vollständige Corona-Impfdosis erhalten. Ausländische Besucher benötigen für den Stadionbesuch einen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist.

Einen vollumfänglichen Schutz vor Corona bieten diese Maßnahmen freilich nicht, ein Restrisiko besteht. Die Zahlen sprechen zumindest für das Vorgehen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in Ungarn am Mittwoch bei 9,3, in Deutschland bei 13,2. (mg mit sid-Material)

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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