Fourcade: "Schande über sie"

Drei Biathleten unter Dopingverdacht

Berlin - Dem Biathlon droht kurz vor Olympia ein Dopingskandal. Der Weltverband IBU hat drei Sportler aus Russland und Litauen wegen positiver A-Proben provisorisch gesperrt.

Nach dem Bekanntwerden eines möglichen neuen Dopingskandals im Biathlon wenige Tage vor den Olympischen Spielen im eigenen Land herrschte in Russland helle Aufregung. Der nationale Verband in Moskau (RBU) berief am Mittwoch eilig eine Dringlichkeitssitzung seines Anti-Doping-Komitees ein, um über die Vorwürfe zu beraten. Und Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. „Was für eine Werbung für Biathlon zehn Tage vor Sotschi! Schande über sie!“, twitterte der Gesamtweltcup-Führende Martin Fourcade aus Frankreich.

Der Weltverband IBU sperrte am Dienstagabend keine zwei Wochen vor den ersten Rennen in Sotschi drei Sportler aus Russland und Litauen wegen positiver A-Proben provisorisch für alle offiziellen Wettbewerbe unter seiner Regie. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) wurde umgehend über den Dopingverdacht informiert. Wie die IBU mitteilte, wurden in insgesamt vier Proben der drei Biathleten unbekannte Substanzen gefunden. Sie sollen aus Trainingstests in der Wettkampfpause im Dezember stammen.

Um die Privatsphäre zu schützen, wurden die Namen der Betroffenen nicht veröffentlicht. Es soll sich um zwei russische und einen litauischen Athleten handeln. Auf SID-Anfrage teilte die IBU am Mittwoch mit, dass es vorerst keine weiteren Äußerungen zu dem Fall geben wird. Zu einem regulären Dopingfall wird die Angelegenheit erst, wenn die B-Probe den Verdacht bestätigt oder auf die Öffnung der B-Probe verzichtet wird. Die Sportler sollen in jedem Fall offiziell angehört werden.

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Gerade die Russen mit dem deutschen Frauentrainer und Anti-Doping-Kämpfer Wolfgang Pichler nehmen den Fall sehr ernst und kündigten umgehende Untersuchungen an. Am letzten großen Biathlon-Dopingskandal waren sie maßgeblich beteiligt. Im Dezember 2008 wurden Albina Achatowa, Jekaterina Jurjewa und Dimitri Jaroschenko des Epo-Missbrauchs überführt. Im Vorfeld der WM 2009 in Pyeongchang war das Trio anschließend gesperrt worden. Seit 2006 wurden insgesamt vier Top-Athleten aus Russland überführt und gesperrt.

Arunas Daugirdas, Präsident des litauischen Verbandes, bestätigte den Medien seines Landes derweil, dass einer seiner Sportler von den Vorwürfen betroffen sei. „Wir halten uns an die Anti-Doping-Regeln, und ich glaube daran, dass unsere Athleten ehrlich sind und hart arbeiten, um unser Land zu vertreten“, sagte Daugirdas. Bevor man ein Urteil fälle, wolle man die Öffnung der B-Probe abwarten. Ohnehin wird in jedem Fall erst danach über eine Sperre entschieden.

Bei dem betroffenen Sportler handelt es sich nach Aussagen des Verbandschefs nicht um einen Olympia-Teilnehmer. Diana Rasimoviciute und Tom Kaukenas werden die einzigen litauischen Skijäger in Sotschi sein und sind von den Anschuldigungen angeblich nicht betroffen.

Die Dopingproblematik kommt für die Biathleten kurz vor dem Highlight der vergangenen Jahre zur absoluten Unzeit. Auch deswegen regte sich der 25 Jahre alte Fourcade öffentlich auf. „Der Kampf gegen Doping darf niemals enden!“, schrieb der fünfmalige Weltmeister, der in Sotschi nach seiner ersten olympischen Goldmedaille greift.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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