Bernard Dietz präsentiert seinen Film 

"Ennatz - Eine Zebralegende": Der alte Zauber des Fußballs

+
Würde am liebsten Stunden über die alten Fußball-Zeiten plaudern: Ex-Nationalspieler Bernard Dietz.

Dortmund - Bernard Dietz fragte am Ende des Abends vorsichtshalber schon einmal nach dem Schlüssel („Wer schließt hier eigentlich ab?“) und hätte die Nacht wohl auch im Museum verbracht, wenn das denn möglich gewesen wäre. Der 70-Jährige war nach der Premiere des Dokumentarfilms „Ennatz – Eine Zebralegende“ in prächtiger Laune und hätte sich gerne noch länger über den Sport unterhalten, der sein Leben geprägt hatte: den Fußball.

Von seinem Herzinfarkt, der ihn wenige Tage zuvor ins Krankenhaus gebracht hatte, war bei dem ehemaligen Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft nichts zu spüren. Der gebürtige Bockum-Höveler präsentierte sich am Mittwochabend im Dortmunder Fußballmuseum wie das blühende Leben. Auch wenn ihm die Ärzte nach der Operation, bei der ihm drei Stents gesetzt wurden, gesagt hätten, dass es „kurz vor Zwölf“ gewesen sei.

Es war die Erstaufführung des 90-minütigen Films über einen Fußballer, der nicht nur beim MSV Duisburg als Legende gilt. Bernard Dietz, gelernter Schlosser und Schmied auf der Zeche Radbod, der erst mit 22 Jahren den Sprung ins Profilager schaffte und danach zu einem Vorbild für Bodenständigkeit, Fleiß, Kameradschaft und Verlässlichkeit auf dem Fußballlatz und auch daneben wurde. In einer Zeit, in dem es sich nicht nur für Filmproduzent Thorsten Ippendorf noch nach „richtigem Fußball“ anfühlte.

1980 Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft 

Zwölf Jahre trug Dietz das Trikot des MSV Duisburg, fünf Jahre das des FC Schalke 04 und insgesamt 53 Mal das der deutschen Nationalmannschaft, die er 1980 als Kapitän zum Europameisterschafts-Titel führte. All das wird gezeigt in diesem Dokumentarfilm. Doch die wichtigen Geschichten, die so eigentlich nur der Fußball erzählen kann, geben die Protagonisten selbst zum Besten. Karl-Heinz Rummenigge, Olaf Thon oder natürlich der andere Europameister von 1980 aus Hamm, den sie in seiner Heimat nicht Kopfball-Ungeheuer nennen, sondern schlicht „den Langen“: Horst Hrubesch. Sie alle tragen dazu bei, den alten Zauber des Fußballs wieder aufleben zu lassen. Und schließlich auch dazu. die Hochglanz-Verpackung des heutigen Produkts zumindest zwei Halbzeiten lang in die Mülltonne zu werfen.

Es wird erinnert an die legendären Spiele, an denen Bernard Dietz mitgewirkt hat: das 6:3 des MSV Duisburg über den FC Bayern München, bei dem „Ennatz“ vier Treffer selbst erzielte; das unfassbare 6:6 des FC Schalke 04 im DFB-Pokal gegen Bayern München, als das Parkstadion zu explodieren drohte; oder eben das EM-Finale 1980 gegen Belgien in Rom. Aber eben auch an die Nahbarkeit und Wärme, die der Fußball damals ausstrahlte.

"Der Junge hat für uns gespielt und nicht fürs Geld"

„Manchmal liege ich abends im Bett und frage mich: War das ein Traum?“, sagt Dietz heute, dem als Fußballprofi stets eins wichtig war: „Dass die Leute sagen: Der Junge hat für uns gespielt und nicht fürs Geld.“

Mitte November wird sich Bernard Dietz noch einmal ins Krankenhaus begeben, dann werden ihm zwei weitere Stents gesetzt. „Vorsichtshalber“, wie er lächelnd bemerkt. „Ich hoffe, dass der liebe Gott mir noch ein bisschen Gesundheit schenkt“, sagt Dietz. Das hofften alle, die an diesem Abend dabei waren.

Weitere Termine

u.a. 13. Oktober Kino-Weltpremiere Theater am Marientor Duisburg (19.02 Uhr), 19. Oktober Capitol Cinema Werne (20.15 Uhr), 11. November Cineplex Hamm (11 Uhr).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare