Kommentar: Fußball ist nicht zimperlich

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Der Gaucho-Tanz bei WM-Finale in Berlin.

HAMM - Bei der WM-Feier in Berlin am Dienstagmittag fielen die Weltmeister mit ihrem "Gaucho-Tanz" auf. Dieser Auftritt wird in der Presse und im Internet kontrovers diskutiert. Für die einen ist es respektloses Verhalten gegenüber den Argentiniern, für die anderen ein Scherz. Lesen Sie hier die Meinung unseres Chefredakteurs.

Von Martin Krigar

Seltsames Deutschland! Eigentlich könnte man sich endlich mal uneingeschränkt freuen über ein paar unvergleichliche Wochen mit der Fußball-Nationalmannschaft – wäre da nicht eine erschreckend große Zahl von Kritikern, die immer noch nicht zufrieden sind und einen kleinen Festgesang unserer WM-Truppe moralinsauer anprangern.

Martin Krigar

Seltsames Deutschland! Unsere Miesepeter sind einfach unverbesserlich. Sie verstehen weder Spaß noch etwas von Fußball. Was ist geschehen? Sechs Weltmeister – darunter Götze, Klose und Schürrle – haben am Dienstag auf der Berliner Fanmeile einen eher ungelenken Tanz aufgeführt; gebeugt marschierend als Argentinier („So geh’n die Gauchos...“) und dann wieder freudig springend („So geh’n die Deutschen...“). Echte Fußball-Fans kennen dieses Ritual. Es wird gerne und oft praktiziert nach wichtigen Spielen – zumal die Rollen leicht austauschbar sind.

Irgendwann springt zum Glück jeder mal... Jetzt sind die Deutschen mal an der Reihe – und müssen sich aus eigenen Reihen als unbelehrbare Nationalisten beschimpfen lassen, wahlweise auch für unziemliche Verhöhnung des ach so tapferen Gegners. Die Kritik findet sogar breiten Raum. Wie absurd!

Mit der Realität hat die Diskussion nämlich wenig zu tun. Wir können doch nicht ernsthaft erwarten, dass junge Männer 120 Minuten lang vor den Augen der ganzen Welt gegen Schienbeintritte, Platzwunden und Gehirnerschütterungen genauso ankämpfen wie gegen argentinische Fangesänge – und dann voll diplomatischer Beherrschtheit die Völkerverständigung und den Weltfrieden loben, ohne übrigens die schwere Kindheit der gegnerischen Viererkette zu vergessen... Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist kein Krieg zwischen Nationen. Fußball ist, mehr als früher, Anlass zur Party – bei der man auch mal ein paar übliche Grenzen ungestraft überschreiten darf.

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Und vor allem: Fußball ist nicht zimperlich, er darf es nicht sein, weder auf den Zuschauerrängen, noch auf dem Platz. Wer das nicht mag, soll schnellstmöglich zum Hallen-Halma wechseln.

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