Pleitenserie beendet

So wechselte der FC Schalke 04 die Angst als zwölften Mann aus

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Endlich mal wieder in Feierlaune: Schalkes Spieler vor der Nordkurve.

Der FC Schalke 04 kann doch noch gewinnen: Beim 1:0 gegen den FSV Mainz 05 ging den Verantwortlichen "ordentlich die Düse".

Gelsenkirchen – Wer erwartet hätte, dass Domenico Tedesco nach dem Schlusspfiff wie ein Derwisch auf den Platz tänzeln und jeden umarmen würde, der nicht um 17.15 Uhr auf den Bäumen gewesen war, sah sich getäuscht. Der Schalker Cheftrainer nahm das finale Signal von Schiedsrichter Benjamin Cortus eher beiläufig zur Kenntnis. Scheinbar.

Denn ein paar Sekunden später sah man dann doch eine große Last von den schmalen Schultern des Deutsch-Italieners fallen, als er zu Sportvorstand Christian Heidel und Teammanager Axel Schuster ging und den beiden äußerst innig um den Hals fiel. Die Szene erinnerte ein wenig an die Schluss-Szene eines anrührenden Sportfilms, der zielstrebig auf ein tränenreiches Happy End zugesteuert war.

Nicht nur Heidel konnte zuletzt schlecht schlafen

Wie später aus dem Umfeld von Tedesco zu erfahren war, war den meisten der Schalker Verantwortlichen vor der Partie gegen den FSV Mainz 05 „ordentlich die Düse gegangen“. Die Angst war der zwölfte Mann im Team gewesen. Fünf Niederlagen zum Saisonstart hatten bereits die Einstellung des Negativ-Rekords von vor zwei Jahren bedeutet, eine weitere hätte in der Liga historische Dimensionen eingenommen: Denn mit sechs Niederlage in eine Spielzeit zu starten, hatte bislang nur Fortuna Düsseldorf in der Saison 1991/92 geschafft. „Ganz ehrlich“, sagte Christian Heidel: „Ich habe zuletzt nicht gut geschlafen.“

Damit stand der 55-Jährige nicht alleine da. Auch Alessandro Schöpf, der umjubelte Schütze des 1:0-Siegtreffers bereits in der 11. Spielminute, hatte in den Nachtstunden zuletzt Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen. „Da sind heute schon sehr große Steine runtergefallen“, meinte der Österreicher, der ansonsten viel Sonne im Herzen hat. Doch die Auftaktkrise hatte auch Schöpf ordentlich zu schaffen gemacht. Dass die Schalker sich dann in der zweiten Halbzeit halbwegs ins Ziel gezittert hatten, hielt der Angreifer für „menschlich“. Da war die Angst bei den Schalkern der ständiger Begleiter gewesen, die Furcht vor einem erneuten Misserfolg. So kamen Christian Heidel die letzten zehn Spielminuten „eher wie zwei Stunden vor“. Und auch Tedesco bemerkte, dass der Begriff Zeit ein sehr dehnbarer sein kann. „Das fühlte sich schon sehr lang an“, bemerkte der 33-Jährige.

In der zweiten Halbzeit ins Ziel gezittert

Wie groß die Verzweiflung bei den Schalkern angesichts dieser aus ihrer Sicht fast schon verfluchten Auftakt-Niederlagenserie war, zeigte sich, dass so rationale Menschen wie Heidel und Tedesco zwar nicht zum Schamanen gegangen waren, aber sich dem Aberglauben hingegeben hatten. Während der Schalker Cheftrainer einen „Glücks-Plüschlöwen“, den er von einem Fan beim Training erhalten hatte, in seiner Tasche in die Mannschaftskabine geschmuggelt hatte, vertrauten Heidel am Samstag auf eine kleine Schornsteinfeger-Figur, die ihm der örtliche Kaminkehrer am Freitag beim Routinebesuch in seinem Haus in Essen überreicht hatte. Zudem waren von einem Unbekannten sechs Ein-Cent-Stücke vor dem Anpfiff auf die Sitze der Schalker Trainerbank gelegt worden.

Plüschlöwen und Schornsteinfeger

Es mag viele Anhänger der Blauweißen und wahrscheinlich auch den Aufsichtsrat beruhigen, dass sich die sportlich Verantwortlichen ab sofort wieder auf ihre Fähigkeiten und Qualitäten verlassen, als auf irgendwelche Glücksbringer. Die Last und der Druck des unbedingt Gewinnen-Müssens ist erst einmal ein ganz klein wenig gelindert. „Da ist viel Druck aus dem Kessel“, wie Schöpf bemerkte. „Wir müssen uns jetzt Schritt für Schritt wieder heran arbeiten“, sagte Heidel und ergänzte aus Erfahrung: „Es ist ein steiniger Weg.“ Ein großer, erster Schritt ist den Schalkern durch das 1:0 über den FSV Mainz jedenfalls gelungen.

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