Sieg gegen Hoffenheim

Wahre Arbeit, wahrer Lohn: Schalke versöhnt Fans

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GELSENKIRCHEN - Die Schalker Fans hatten es am Samstagnachmittag für angebracht gehalten, bereits 15 Minuten vor dem Anpfiff zu skandieren: "Wir wollen euch kämpfen sehen!" Man weiß ja nie bei dieser Schalker Mannschaft, für die der Wankelmut eine der herausragenden Eigenschaften ist.

Von Jens Greinke 

Die akustische Prophylaxe jedenfalls wirkte. "Am Ende des Tages", wie Manager Horst Heldt immer so gerne sagt, hatten sich wieder alle einigermaßen lieb.

Der 3:1 (2:0)-Erfolg über die TSG 1899 Hoffenheim war exakt die Reaktion gewesen, die die Schalker Anhängerschaft nach dem 0:3-Derby-Debakel bei Borussia Dortmund sehen wollte.

Genau eine Woche zuvor hatten die wahrlich nicht schlecht verdienenden Schalker Profis eine Art Arbeitsverweigerung gezeigt und ihren Fans geradezu physische Schmerzen zugefügt. Von den Narben in der Seele mal ganz zu schweigen. Horst Heldt hatte vor der Partie geahnt, dass die Stimmung in der Arena nicht die beste werden würde, falls die Spieler nicht von Beginn eine Einstellung zeigten, die das Image des "Arbeiter & Malocher-Klubs" aus Gelsenkirchen in irgendeiner Form weiter beschädigen würde.

"Wir haben früh attackiert und von Beginn an Ballverluste provoziert", beschrieb Christian Fuchs, der Mann der ersten halben Stunde, recht exakt die Vorstellung seiner Mannschaft. Der Österreicher selbst hatte sich eigentlich auf dem besten Wege befunden, Spieler des Tages zu werden. Er hatte die erste Riesenchance nach exakt 1:42 Minuten, rettete nach 2:30 Minuten für seinen bereits geschlagenen Keeper Timon Wellenreuther auf der Linie und erzielte schließlich in der 12. Minute mit einem herrlich trockenen Schuss die 1:0-Führung.

Auswechslung von Christian Fuchs

Doch nach einer frühen gelben Karte und einer eindringlichen Verwarnung von Schiedsrichter Bastian Dankert (25.) ahnte Schalke-Coach Roberto Di Matteo, dass es besser sein würde, den Österreicher aus dem Spiel zu nehmen. "Es war eine taktische Maßnahme des Trainers. Der Schiedsrichter hatte mir gesagt, dass ich beim nächsten Foul vom Platz müsste", so Fuchs. So war der verheißungsvoll gestartete Arbeitstag des 28-Jährigen nach 35 Minuten beendet.

Di Matteo brachte Atsuto Uchida ins Spiel, der sich zunächst nur auf der Ersatzbank wieder gefunden hatte. Neben dem Japaner hatte dort auch Kevin-Prince Boateng Platz nehmen müssen, was nach dessen Leistung in Dortmund aber auch geradezu zwingend notwendig erschien. Der Deutsch-Ghanaer, der am Freitag 28 Jahre alt geworden war, dürfte in Schalke vor schweren Zeiten stehen.

Zumal Max Meyer die Gunst der Stunde nutzte: Der 19-Jährige schlüpfte nicht nur in die Rolle des Spielers des Tages, sondern ließ auch die Absenz von Boateng zu einer Petitesse verkümmern. Alle im Stadion erfreuten sich an Meyers Spielfreude, niemand vermisste den vermeintlichen Superstar Boateng (siehe "Im Fokus").

Schalke gewinnt 3:1 über Hoffenheim

Meyers Treffer zum vorentscheidenden 3:0-Zwischenstand (41./53.) glätteten die Wogen wie eine ausgeprägte Flaute im Indischen Ozean. Der Gegentreffer der Hoffenheimer durch Kevin Volland in der 73. Minute sorgte letztlich maximal für ein leichtes Kräuseln. "Der Trainer hat uns bei der Ehre gepackt", verriet Fuchs nachher. Details der Kabinenansprache vor dem Spiel blieben vorerst unbekannt. Weniger geheimnisvoll blieb hingegen die Ansage von Clemens Tönnies nach der Partie. Der Aufsichtsrats-Chef sprach danach zwar nicht mehr in ganzen Sätzen, als er im gewohnt dynamischen Stechschritt aus der Kabine kam.

Doch seine Wortkette "Hochzufrieden - Weitermachen - Madrid" reichte aus, um seine Rede in der Mannschaftskabine zu rekonstruieren. Morgen werden die Schalker im Rückspiel bei Real Madrid nun versuchen, ihre in Dortmund verlorene Ehre endgültig wieder zu erlangen. Nach der 0:2-Niederlage im Hinspiel wäre eine Schalker Kampfansage zwar äußerst vermessen. Aber zu verlieren haben die Blauweißen dort eigentlich nicht viel. "Außer wir lassen uns abschlachten", wie Max Meyer meint. Und so, wie er es sagte, machte er nicht den Eindruck, als sei dies eine ernst zunehmende Alternative.

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