S04 nicht effektiv genug

Trotz Pokal-Aus: Königsblauen wähnen sich „auf dem richtigen Weg“

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Schalkes Leroy Sane ist sauer und schreit.

Gelsenkirchen - Auf dem Flachbildschirm in den Katakomben der Arena lief gerade die Wiederholung der Zweitrunden-Pokalpartie des ungeliebten Revierrivalen Borussia Dortmund, als Horst Heldt den Finger in die Wunde legte. Sieben Mal hatte der BVB in seinem Spiel gegen den SC Paderborn getroffen, der FC Schalke 04 war derweil leer ausgegangen – allerdings gegen einen Gegner eines ganz anderen Kalibers.

„Wir sollten schnell effektiver werden“, sagte der Sportvorstand der Königsblauen nach dem 0:2 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach. Denn die Schalker hatten sich das Aus im nationalen Cupwettbewerb zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben. Mit einer ungenügenden Chancenverwertung brachten sich die Gastgeber um den Lohn einer starken ersten Halbzeit, der „besten der Saison“, wie Trainer André Breitenreiter sagte. Auch Gladbachs Coach Andre Schubert sah die Schalker „in allen Belangen überlegen“. Dass die Gäste nicht in Rückstand gerieten, sei „sehr, sehr viel Glück“ gewesen.

Auch. Wie beim Pfosten-Kopfball von Klaas-Jan Huntelaar (29.). Und die Borussia hatte zudem einen bärenstarken Schlussmann in Person von Yann Sommer. Aber da war eben auch eine gute Portion Schalker Unvermögen, aus den glasklaren Chancen mehr zu machen. Huntelaar (28.) und Franco Di Santo (34.) tauchten zweimal vollkommen frei vor Sommer auf – und scheiterten. „Der größte Kritikpunkt ist sicherlich: Da muss ich einfach auch mal ein Tor machen“, schimpfte Breitenreiter. „Nicht nur eins, sondern auch ein zweites oder drittes.“

Anschauungsunterricht in Sachen Effektivität erteilte Lars Stindl den Gastgebern, der die erste Chance der Gladbacher überhaupt eiskalt verwerte (42.) und nach dem Wechsel geschickt gegen Schalkes Ersatztorwart Michael Gspurning („So würde ich wieder dahingehen.“), der kurzfristig Ralf Fährmann (Magen-Darm-Infekt) vertreten musste, den Foulelfmeter herausholte. Thorgan Hazard verwandelte (53.). Es waren Wirkungstreffer, die den Schalkern den frühzeitigen K.o. versetzten. Den Königsblauen fehlten in der Folge Struktur, Mut, Biss – schlichtweg alles, um Gladbach noch einmal ins Wanken zu bringen. „Wir sind eine Mannschaft in der Entwicklung“, sagte Breitenreiter fast schon entschuldigend. „Wir brauchen Tore, um uns zu belohnen.“

Das fällt nicht zuletzt in die Verantwortung von Di Santo. Die vor allem durch seine Treffer in den Europa-League-Partien genährte Hoffnung, bei dem Argentinier könnte der Knoten geplatzt sein, bewahrheitet sich bislang nicht. In der Bundesliga wartet er gar schon geschlagene 1171 Minuten auf einen Treffer. „Ich habe in meiner Karriere gelernt, dass ich der Mannschaft auch anders helfen kann“, erklärte der Neuzugang. Szenen wie die gegen den Gladbacher Granit Xhaka, dem er in typischer Manier kurz vor dem eigenen Strafraum von hinten den Ball vom Fuß stiebitzte (18.), belegen dies. Heldt, dessen zweites Gespräch über seine unmittelbare Zukunft mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies noch nicht stattgefunden hat, und Breitenreiter loben unisono den Fleiß Di Santos. „Er“, sagt der Manager, „erarbeitet sich viele Chancen.“ Doch auf Dauer braucht der Stürmer einen deutlich wichtigeren Arbeitsnachweis: Treffer.

Ohnehin gerade einmal 13 waren es insgesamt für die Schalker in den bisherigen zehn Meisterschaftspartien – ein Indiz dafür, wie trügerisch Platz drei derzeit ist vor den anstehenden schweren Wochen, die mit der unangenehmen Heimaufgabe am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC Ingolstadt beginnen – und in der die Schalker Gefahr laufen, die momentan positive Grundstimmung zu verspielen. „Wir dürfen nicht das große Ganze infrage stellen“, mahnte Heldt, der spätestens am Saisonende wohl von Mainz-Manager Christian Heidel abgelöst wird. „Wir“, so Heldt, „sind immer noch auf dem richtigen Weg – in der Bundesliga.“

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